BIM4People - Partizipative Gestaltung nachhaltiger Mobilität anhand (teil-)automatisierter Visualisierungen von BIM Modelldaten
Schlussbericht
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Abstract
Das Forschungsprojekt BIM4People untersuchte, wie digitale Technologien genutzt werden können, um Öffentlichkeitsbeteiligungen in Planungs- und Genehmigungsverfahren verständlicher, transparenter und effizienter zu gestalten. Hintergrund des Vorhabens ist die zunehmende Bedeutung gesellschaftlicher Beteiligung bei Infrastruktur- und Transformationsprojekten. Gleichzeitig zeigen sich in bestehenden Verfahren Herausforderungen hinsichtlich der Verständlichkeit von Planungsunterlagen, der Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen sowie der effizienten Bearbeitung von Einwendungen. Ziel des Projekts war die Entwicklung und prototypische Erprobung einer BIM-basierten Beteiligungsplattform sowie ergänzender KI-gestützter Werkzeuge. Grundlage bildet die Methode Building Information Modeling (BIM), die bereits zunehmend in Planung und Bau eingesetzt wird. Die im Planungsprozess entstehenden digitalen Modelle sollten dabei erstmals systematisch für Beteiligungsprozesse nutzbar gemacht werden. Im Rahmen des Projekts wurden zunächst wissenschaftliche Grundlagen analysiert sowie Anforderungen unterschiedlicher Akteursgruppen (darunter Behörden, Vorhabenträger, Planungsbüros und Bürger:innen) erhoben. Darauf aufbauend entstand ein Masterplan für BIM und Bürgerbeteiligung, der zentrale Anforderungen und Handlungsempfehlungen für die zukünftige Entwicklung digitaler Beteiligungsverfahren formuliert. Ein zentrales Projektergebnis war darauf aufbauend die Entwicklung einer BIM-basierten Beteiligungsplattform. Diese ermöglicht die Bereitstellung interaktiver 3D-Modelle, die Bürger:innen beim Verständnis komplexer Planungen unterstützen. Ergänzend wurden innovative Informationsformate, wie Scrollytelling integriert, um Planungsinhalte verständlich und nutzerfreundlich aufzubereiten. Ein besonderer Fokus lag auf der Nutzung offener Datenstandards sowie der nutzendenzentrierten Gestaltung und empirischen Evaluation. Hierzu wurden insbesondere die Standards IFC (Industry Foundation Classes) für den Austausch von BIM-Modellen sowie BCF (BIM Collaboration Format) für die strukturierte Kommunikation und Bearbeitung von Einwendungen eingesetzt. Gleichzeitig dienten qualitative und quantitative Studien der direkten Einbindung der Öffentlichkeit sowie der stetigen Optimierung der entwickelten BIM-basierten Beteiligungsplattform, um eine nutzendenzentrierte Weiterentwicklung sicherzustellen. Neben der Beteiligungsplattform wurden zwei KI-gestützte Assistenzsysteme entwickelt. Für Bürger:innen entstand ein Chatbot, der den Zugang zu umfangreichen Planungsunterlagen erleichtert, relevante Informationen auffindbar macht und komplexe Inhalte verständlicher erklärt. Für Behörden und Vorhabenträger wurde ein KI-gestütztes Einwendungsmanagement entwickelt, das die thematische Vorsortierung von Einwendungen unterstützt, ähnliche Inhalte erkennt und bei der Bearbeitung großer Textmengen hilft. Dadurch können Verwaltungsprozesse effizienter gestaltet und Bearbeitungsaufwände reduziert werden. Die Plattform wurde in einem realen Anwendungsfall in der Stadt Düren getestet sowie in nutzerzentrierten Studien optimiert. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung konnten Einwendungen in das BCF-Format überführt und damit direkt in BIM-basierte Arbeitsabläufe integriert werden. Die Ergebnisse der Testung zeigen, dass insbesondere die Visualisierung durch 3D-Modelle und der Vergleich verschiedener Planungsvarianten von den Teilnehmenden als hilfreich wahrgenommen wurden. Gleichzeitig konnten auch Personen erreicht werden, die bislang noch nicht an Beteiligungsverfahren teilgenommen hatten. Die praktische Erprobung erfolgte im Innovationsquartier Düren. Durch die Einbindung der WIN.DN GmbH als kommunaler Projektpartner konnten die entwickelten Ansätze unter realen Bedingungen in einem laufenden Stadtentwicklungsprojekt validiert und der Transfer in die kommunale Praxis sichergestellt werden Die weiteren Anwendungsfälle (Planfeststellungsverfahren und modulare Gestaltung) wurden prototypisch umgesetzt und gemeinsam mit Praxispartnern und der Öffentlichkeit getestet. Die Ergebnisse zeigen insbesondere Potenziale in den Bereichen Verständlichkeit von Unterlagen, Transparenz von Verfahren, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen sowie Nutzerfreundlichkeit digitaler Beteiligungsangebote. Ergänzend wurde eine Bewertungsmatrix entwickelt, die eine systematische Evaluation von Beteiligungsverfahren ermöglicht und Schwachstellen in bestehenden Prozessen sichtbar macht. Außerdem wurde ein Partizipationsmodell zur Einordnung digitaler Beteiligungsformate sowie eine praxisorientierte Checkliste für kommunale Verwaltungen zur Planung und Durchführung von Beteiligungsverfahren erarbeitet. Darüber hinaus wurde eine Schnittstelle zwischen Beteiligungsplattform und Common Data Environment (CDE) entwickelt, um einen durchgängigen Informationsaustausch zwischen Planung und Beteiligung zu ermöglichen. Im Rahmen einer Aufwand-Nutzen-Analyse wurden zudem die wirtschaftlichen Effekte eines vollständig digitalen, BIM- und KI-gestützten Beteiligungsverfahrens untersucht. Die Analyse zeigt (in Bezug auf das Planfeststellungsverfahren) ein jährliches Einsparpotenzial von rund 8,76 Mio. Euro sowie eine Reduktion des Arbeits- und Wegeaufwands um etwa 169.849 Stunden. Dies entspricht mehr als 21.000 Arbeitstagen pro Jahr. Wesentliche Einsparungen ergeben sich durch die Digitalisierung der Planauslage, die verbesserte Informationsbereitstellung sowie den Einsatz von KI-Assistenzsystemen bei der Bearbeitung von Einwendungen. Insgesamt verdeutlicht BIM4People, dass BIM- und KI-basierte Ansätze einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren leisten können. Die entwickelten Lösungen verbessern sowohl die Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit von Informationen, erweitern die Beteiligungsmöglichkeiten von Bürger:innen und erhöhen zugleich die Effizienz administrativer Prozesse. Das Projekt liefert damit eine wichtige Grundlage für die zukünftige digitale Weiterentwicklung von Beteiligungsverfahren im Infrastruktur- und Mobilitätsbereich.
