PRODIGY 2 - Regionale Entwicklung im globalen Wandel: Entwicklungsstrategien zur Vermeidung von Grenzüberschreitungen systematische Kipppunkte in Amazonien; Teilprojekt 4: Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen

Projektbericht FKZ 01LC2324D

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Im Mittelpunkt der zweiten Projektphase von PRODIGY stand für dieses Teilprojekt die Analyse anreizbasierter Naturschutzinstrumente zur Förderung von Biodiversität und Landschaftskonnektivität in der trinationalen MAP-Region (Madre de Dios/Peru, Acre/Brasilien, Pando/Bolivien). Aufbauend auf den sozioökonomischen und landnutzungsbezogenen Erhebungen aus Phase 1 wurden drei zentrale Forschungsaktivitäten umgesetzt.

  1. Räumliche Wirkungsanalyse von Schutzgebieten: Mithilfe eines Regression Discontinuity Design wurden georäumliche Daten zu Waldbedeckungsverlusten, Infrastruktur und biophysikalischen Variablen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schutzwirkung von Reservaten und Pufferzonen kontextabhängig ist. Zum Beispiel wies die Pufferzone des Tambopata National Reserve im Norden zunächst schwache Schutzeffekte auf, die sich jedoch u.a. durch Straßenbau in späteren Jahren ins Gegenteil umkehrten. Auch die Reservate Manuripi und Chico Mendes zeigten schwache und variable Effekte, bedingt durch unterschiedliche institutionelle Rahmenbedingungen und Nutzungsregime.
  2. Lab-in-the-field-Experiment in Madre de Dios: Mit kleinbäuerlichen Landnutzer:innen wurde die Effektivität von Anreizen für den koordinierten Biodiversitätsschutz unter randomisierten Einkommensschocks experimentell untersucht. Die Ergebnisse belegen, dass ein Agglomerationsbonus in Verbindung mit Zahlungen für Ökosystemleistungen (PES) die Kooperationsbereitschaft unter moderaten ökonomischen Bedingungen fördern. Bei stärkeren und asymmetrischen Schocks nahm diese jedoch deutlich ab - ein wichtiger Befund für die praxisnahe Ausgestaltung von PES-Programmen.
  3. Longitudinale Analyse von Existenzgrundlagen: Die Wiederbefragung von Haushalten aus dem PEN-CIFOR-Datensatz (2006/07) im Jahr 2022 ermöglichte die Erstellung eines einzigartigen Paneldatensatzes für das Chico Mendes Extractive Reserve in Acre. Die Analyse zeigt, dass betroffene Haushalte ihre Abhängigkeit von waldbasierten Einkommen trotz anhaltendem Entwaldungsdruck aufrechterhalten und teilweise intensiviert haben. Das Reservat wirkt demnach nicht nur als Schutzinstrument, sondern unterstützt aktiv resiliente, waldkompatible Lebensunterhaltsstrategien.

Die Projektergebnisse flossen direkt in die Systemmodellierung und Szenarioanalysen des PRODIGY-Konsortiums ein. Ergänzend wurde in Zusammenarbeit mit der Purdue University eine Transportkostenkarte für Brasilien entwickelt sowie Governance- und Effekte ordnungsrechtlicher Maßnahmen analysiert. Projektergebnisse wurden in einem Policy Brief sowie wissenschaftlichen Manuskripten aufbereitet; eine Masterarbeit wurde erfolgreich abgeschlossen.

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