ViKI pro - Versorgungsintegrierte Künstliche Intelligenz zur Unterstützung professioneller Pflegeprozessplanung in der Langzeitpflege; Teilvorhaben Entwicklung und Erprobung versorgungsintegrierter Künstlicher Intelligenz in der Pflegepraxis zur Unterstützung professioneller Pflegeprozessgestaltung in der Langzeitpflege
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Abstract
In Deutschland werden rund 818.000 pflegebedürftige Menschen in etwa 15.380 stationären Pflegeeinrichtungen von ca. 243.000 Pflegefachpersonen versorgt (Statistisches Bundesamt, 2020). Die stationäre Langzeitpflege ist dabei zunehmend durch komplexe Versorgungsbedarfe, Multimorbidität sowie einen hohen Dokumentations- und Koordinationsaufwand geprägt. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel und Arbeitsverdichtung die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige, professionelle Pflege. Das Fundament professioneller Pflegearbeit bildet der Pflegeprozess, dessen einzelne Schritte - von der Erhebung des Pflegebedarfs über die Planung und Durchführung von Maßnahmen bis hin zur Evaluation – fachlich begründet, nachvollziehbar dokumentiert und kontinuierlich überprüft werden müssen. Mit Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes (PflBG) Anfang 2020 wurden zentrale Tätigkeiten im Pflegeprozess, insbesondere die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs sowie die Planung, Steuerung und Evaluation der Pflege, aus- drücklich als der Pflege vorbehaltene Tätigkeiten definiert (§ 4 Abs. 2 PflBG). Damit wurden insbesondere die Entscheidungs- und Begründungskompetenzen von Pflegefachpersonen als Kern professioneller Pflegearbeit hervorgehoben. In der pflegerischen Praxis stehen diesen Anforderungen jedoch häufig fragmentierte Informationsgrundlagen gegenüber. Entscheidungsrelevante Informationen liegen verteilt in struktu- rierten Assessments, Routinedokumentationen sowie in umfangreichen narrativen Freitexten (z. B. in der Strukturierten Informationssammlung, SIS) vor. Die systematische Nutzung dieser Informationen für eine evidenzbasierte und fallbezogene Pflegeplanung ist bislang nur eingeschränkt möglich und erfolgt überwiegend manuell. Vor diesem Hintergrund adressiert das Vorhaben ViKI pro die Aufgabe, zu untersuchen und praktisch umzusetzen, wie KI-gestützte, assistive Systeme die professionelle Pflege bei der Er- hebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs, bei der Planung und Organisation des Pflegeprozesses sowie bei der Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität unterstüt- zen können. Ziel ist dabei ausdrücklich keine Automatisierung pflegerischer Entscheidungen, sondern eine nachvollziehbare, begründete Entscheidungsunterstützung, die Pflegefachperso- nen in ihrer fachlichen Verantwortung stärkt. Im Fokus von ViKI pro steht die Entwicklung und Erprobung eines hybriden KI-Systems, das evidenzbasiertes Pflegewissen (z. B. Leitlinien, Expertenstandards, Studien) mit praxisbasiertem Erfahrungswissen aus der Pflegedokumentation verknüpft. Exemplarisch wird dies für die in der stationären Langzeitpflege besonders relevanten Anwendungsfelder „Mobilität“ und "Schmerz" umgesetzt. Die Aufgabenstellung des Vorhabens umfasst damit gleichermaßen pflegewissenschaftliche, technologische und organisatorische Fragestellungen, die in einem integrierten, partizipativen Entwicklungsprozess bearbeitet werden.
