Schlussbericht zum DZIF-Vorhaben "HepNet Study-House"
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Abstract
Das HepNet Study‑House stellt innerhalb der TTU Hepatitis eine wichtige Infrastruktur dar. Es ermöglicht es, Patientenkohorten aufzubauen und zu betreuen sowie klinische Studien durchzuführen, die von den Forschenden selbst initiiert werden (sogenannte Investigator‑Initiated Trials, IITs). Durch die langjährige Zusammenarbeit und Vernetzung mehrerer Partner können solche Studien regelmäßig initiiert und als gemeinsame Projekte umgesetzt werden, wodurch wertvolle Proben und Daten für die Hepatitis Forschung entstehen. Zu Beginn der Förderperiode bestand das Ziel darin, die bestehenden Register weiterzuentwickeln, neue Kohorten zu etablieren und abgeschlossene Studien langfristig nachzuverfolgen. Zusätzlich war vorgesehen, eine neue IIT zu beginnen, um aktuelle Forschungsfragen gezielt klinisch zu untersuchen. Ein weiterer Schwerpunkt lag darauf, den Austausch mit nationalen und internationalen Partnern auszubauen. Dies galt besonders für die Hepatitis‑D‑Forschung, in der aufgrund der limitierten Patientenanzahl bei oft schweren Krankheitsverläufen ein enger Austausch und gut strukturierte Daten besonders wichtig sind.
Im Verlauf der Förderperiode konnten diese Ziele Schritt für Schritt umgesetzt werden. Das HepNet Study‑House hat sich damit weiter als zentrale Unterstützungsstruktur für die Projekte der TTU Hepatitis etabliert und trägt inzwischen wesentlich dazu bei, klinische Forschung und Zusammenarbeit in diesem Bereich zu ermöglichen.
Im Zentrum der Arbeit stand der kontinuierliche Aufbau und die Pflege mehrerer klinischer Register. Das HBV‑Register wuchs während der Förderperiode zu einer national und international vernetzten Kohorte heran, in der bis Ende Februar 2026 insgesamt 399 Patientendaten dokumentiert werden konnten. Parallel dazu wurde ein neues HDV‑Register "HDV‑1000" strukturiert aufgebaut, nachdem ein ursprünglich mit der Industrie geplantes Register aufgrund veränderter Rahmenbedingungen nicht fortgeführt werden konnte. Die Registerdaten wurden fortlaufend ausgewertet und auf internationalen Kongressen präsentiert. Im Bereich der Hepatitis E entstand ein harmonisiertes Konzept für ein gemeinsames Register von MHH und UKE; für eine spätere multizentrische Erweiterung wurde ein FlexFunds‑Antrag vorbereitet. Das bestehende INFEKTA‑Register, das Patientinnen und Patienten mit bakterieller Aszitesinfektion erfasst, wurde technisch weiterentwickelt und wissenschaftlich intensiv genutzt: Insgesamt elf Publikationen entstanden aus dieser Kohorte, und ein vollständiger Systemumzug ins SecuTrial®‑System sicherte die nachhaltige Nutzbarkeit der Daten.
Neben den Registern spielten die Initiierung und der Abschluss laufender klinischer Studien eine zentrale Rolle. Die Studie aHCV-V Studie zur Therapie akuter Hepatitis‑C‑Infektionen, wurde erfolgreich abgeschlossen, publiziert und lieferte wichtige Erkenntnisse zur Wirksamkeit einer verkürzten antiviralen Therapie. Auch die bereits zuvor initiierte SofE‑Studie zur Therapie der chronischen Hepatitis E wurde durch neue Auswertungen ergänzt, die unter anderem extrahepatische Virusreplikation und Resistenzvarianten beschrieben. Ein wichtiger Meilenstein der Förderperiode war die Initiierung der BUL‑STOP‑Studie, die in enger Zusammenarbeit mit dem europäischen D‑SOLVE‑Konsortium konzipiert wurde. In dieser Studie wird untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Patientinnen und Patienten mit Hepatitis D eine laufende Bulevirtid‑Therapie sicher beenden können. Das HepNet Study‑House übernahm dafür zentrale Koordinationsaufgaben, band DZIF‑Zentren ein und stellte die Logistik für Proben und Daten sicher. Bis 2025 konnten alle Zentren aktiviert und die Rekrutierung erfolgreich beendet werden.
Eine besonders bedeutende Leistung lag in der langfristigen Nachverfolgung der HIDIT‑II‑Studie, einer der weltweit umfassendsten Untersuchungen zur Interferontherapie bei Hepatitis D. Zunächst wurde das 5‑Jahres‑Follow‑up vollständig ausgewertet und 2024 publiziert, gefolgt von der Erhebung und Auswertung des 10‑Jahres‑Follow‑ups. Letzteres umfasste Zentren in Deutschland, der Türkei, Rumänien und Griechenland und wurde 2025 veröffentlicht. Diese Langzeitdaten ermöglichen weltweit einzigartige Einblicke in virologische Verläufe und klinische Ereignisse über mehr als ein Jahrzehnt. Sie bilden in der aktuellen therapeutischen Entwicklung zu Hepatitis D eine wichtige Grundlage, etwa für neue Kombinationsstrategien oder für die personalisierte Bewertung von Behandlungsoptionen.
Parallel zu den klinischen Aufgaben wurde das Hepatitis Delta International Network (HDIN) weiter ausgebaut. Es entwickelte sich im Verlauf der Förderperiode zu einer global aktiven Forschungsplattform, in der Forschende aus der ganzen Welt zusammenkommen. Zwischen 2021 und 2025 fanden neun internationale HDIN‑Meetings statt, teils virtuell, teils im Rahmen führender Leberkongresse. Das Netzwerk ermöglichte neue Kooperationen, etwa mit Partnern im Sudan und Nigeria, und spielte eine zentrale Rolle in der Nachwuchsförderung durch Travel Grants und fachliche Betreuung.
Der konkrete Nutzen des HepNet Study‑House zeigt sich somit sowohl in der klinischen Versorgung als auch in der wissenschaftlichen Entwicklung. Die aufgebauten Register liefern verlässliche Datengrundlagen, die in Leitlinien und Therapieempfehlungen einfließen. Die IITs, insbesondere BUL‑STOP, adressieren klinische Fragestellungen, die von industrieller Forschung nicht abgedeckt werden, und tragen so unmittelbar zur Verbesserung der Patientenversorgung bei. Die langfristigen Follow‑ups schaffen eine Evidenzbasis, die weltweit nur an wenigen Zentren verfügbar ist. Darüber hinaus fördert das Netzwerk HDIN den internationalen Austausch und erhöht die Sichtbarkeit der deutschen Hepatitisforschung deutlich. Die geschaffenen Strukturen – Register, Studienkoordination, Datenmanagement, internationale Vernetzung – bleiben über die Förderperiode hinaus tragfähig und bilden die Grundlage für kommende Forschungsvorhaben der TTU Hepatitis.
