Entwicklung und Pilotierung eines interprofessionellen digitalisierten Versorgungskonzeptes zur Förderung von Aktivität, Lebensqualität und Teilhabe älterer Menschen im ländlichen Raum (Akronym: Aktiv im Alter)
Schlussbericht
Date
Editor
Advisor
Volume
Issue
Journal
Series Titel
Book Title
Publisher
Supplementary Material
Other Versions
Link to publishers' Version
Abstract
Fragestellung: Mobilitätseinschränkungen im Alter gehen oft mit Einbußen der sozialen Teilhabe und einem erhöhten Risiko für Vereinsamung und Depressionen einher. Bewegungsangebote können zum Erhalt von körperlichen Funktionsfähigkeit und Lebensqualität beitragen, sind aber in ländlichen Regionen selten und schwer zugänglich. Digitale Lösungen bieten ein noch ungenutztes Potenzial zur Förderung von Bewegung.
Methodik: Es wurde eine niedrigschwellige, digital gestützte komplexe Intervention zur Förderung von Aktivität, Lebensqualität und Teilhabe älterer Menschen gemäß des UK Medical Research Council (MRC) Frameworks entwickelt und pilotiert. Machbarkeit, Akzeptanz und potentieller Nutzen wurden in einer Pilotstudie mit konsekutivem Kontroll-Interventionsgruppendesign untersucht. Es wurden ältere Menschen (≥ 65 Jahre) mit Mobilitätseinschränkungen im ländlichen Sachsen-Anhalt durch Hausärzt:innen eingeschlossen. Die Interventionsgruppe testete die entwickelte Intervention, die Kontrollgruppe erhielt physiotherapeutische Standardversorgung. Zielgrößen waren u.a. Machbarkeit und Akzeptanz, körperliche Funktionsfähigkeit, körperliche Aktivität, Selbstversorgung und Lebensqualität. Daten wurden zu Baseline (T0), nach 12 Wochen (T1) und 20 Wochen (T2) über Fragebögen, Interviews und Tablet-Nutzerdaten erfasst.
Ergebnisse: In ko-kreativen Workshops wurden die Kernelemente der Intervention erarbeitet: 1) Leih-Tablet mit seniorenfreundlicher Benutzeroberfläche, 2) Bewegungsvideos zum eigenständigen Üben zu Hause, 3) Therapeutische Interaktionsplattform mit Videotherapie. An der Pilotierung waren 4 Ärzt:innen, 4 Therapeut:innen sowie 37 Patient:innen (im Mittel 73,9 Jahre alt, 84 % weiblich) beteiligt. Die körperliche Funktionsfähigkeit, gemessen mittels Short Physical Performance Battery (SPPB), verbesserte sich im Verlauf der Intervention in beiden Gruppen. In der Interventionsgruppe zeigten sich über nahezu alle Dimensionen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität Verbesserungen, die Ergebnisse in der Kontrollgruppe fielen dagegen uneinheitlich aus. In Bezug auf die körperliche Aktivität, gemessen in Stunden pro Woche, stieg in der Interventionsgruppe der Anteil der Teilnehmenden mit mehr als zehn Stunden körperlicher Aktivität pro Woche von 27 % zu Baseline auf 86 % nach zwölf Wochen an, während er in der Kontrollgruppe nahezu unverändert blieb (48 % zu T0 bzw. 50 % zu T1). Die Pilotierung zeigte, dass die Intervention grundsätzlich umsetzbar ist und von den beteiligten Patient:innen, Physiotherapeut:innen und Ärzt:innen positiv bewertet wurde. Die Übungsvideos erwiesen sich als zentraler Bestandteil der Intervention und wurden von allen Teilnehmenden genutzt. Die Übungen wurden als verständlich, individuell anpassbar, alltagsnah und motivierend beschrieben. Auch die technische Umsetzung mittels Tablet wurde von den meisten älteren Teilnehmenden als einfach handhabbar bewertet.
Zusammenfassung: Digitale Bewegungsvideos zum eigenständigen Üben sind auch für ältere Menschen geeignet, um körperliche Funktionsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Sie stellen eine wertvolle Ergänzung zur Vorort-Physiotherapie dar und können helfen, eine Versorgungslücke zu schließen.
