Ansätze von koproduzierter Stadtentwicklung und ihr Einfluss auf die Entwicklung von inklusiven Stadträumen

Abschlussbericht : DFG KOPRO_Int : Projekt: AL 1890/3-2; AOBJ:689988

Loading...
Thumbnail Image

Editor

Advisor

Volume

Issue

Journal

Series Titel

Book Title

Publisher

Hannover : Technische Informationsbibliothek

Supplementary Material

Other Versions

Link to publishers' Version

Abstract

Kooperative Praktiken sind wichtige Motoren der Stadtentwicklung und aktuelle Debatten verweisen auf die Notwendigkeit, neue Formen der Teilhabe zu untersuchen und ihren Beitrag zu einer nachhaltigeren und sozial gerechteren Stadtentwicklung zu bewerten. Hintergrund ist der Wandel urbaner Governance: Während sich der Staat vielerorts zurückzieht und private (Groß-) Akteure an Einfluss gewinnen, entstehen komplexe Netzwerke zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Planung. Diese Konstellationen eröffnen Chancen für erweiterte Beteiligungsformen, führen aber auch zu Konflikten um zentrale Ressourcen wie Wohnraum, öffentliche Flächen und ökologische Lebensräume. Das Forschungsprojekt untersucht soziale und räumliche Prozesse, die Diversität und Dynamik beteiligter Akteure sowie deren Netzwerke. Der Ansatz der Koproduktion lässt sich in Planung, Entwurf und Forschung verorten. Ziel ist ein vertieftes Verständnis der Umsetzungsinstrumente sowie der daraus resultierenden räumlichen Transformationsmuster. Dieses Erkenntnisinteresse erweist sich als besonders relevant vor dem Hintergrund der aktuellen nationalen Debatte über sozial gerechte und klimaangepasste Stadtentwicklung. Der Referenzrahmen Santiago de Chile ist aufgrund der dort fortgeschrittenen Privatisierung von Räumen, Stadtentwicklung sowie der damit verbundenen Konflikte für den hiesigen Diskurs aufschlussreich. Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen zeigen sich Bezugspunkte auf: Während Koproduktion in Deutschland überwiegend institutionell initiiert und in formalisierte Planungsverfahren integriert wird, entsteht sie in Chile häufig aus zivilgesellschaftlichen Bewegungen heraus, die auf soziale Ungleichheiten reagieren. In beiden Kontexten erweist sich Koproduktion als Schlüsselansatz zur Förderung direkter Teilhabe, getragen vom Prinzip kollektiver Verantwortung und dem Zugang zu wichtigen städtischen Ressourcen. Ein zentrales Ergebnis sind skalenübergreifende Ansätze (Scaling-up): Koproduktive Projekte entfalten ihr Potenzial, wenn lokale Initiativen mit übergeordneten administrativen Ebenen verknüpft werden. Sie schaffen Rahmenbedingungen, in denen kollektive Verwaltungsformen lokale Governancelücken schließen und sektorübergreifende Kooperationen fördern – insbesondere bei großmaßstäblichen Stadtumbauprojekten, die auf die Koordinierung verschiedener Verwaltungsinstanzen, verschiedener Sektoren und lokalen Ressourcen angewiesen sind. Das transformative Potential der Koproduktion zeigt sich in Projekten, durch geteilte Verantwortung, langfristige Kooperationen und kollektive Lernprozesse geprägt sind. Dabei entstehen neue räumliche und organisatorische Strukturen - gemeinschaftlich genutzte Flächen, kooperative Wohnformen und lokale Netzwerke -, die ökologischen und sozialen Ziele verbinden. Koproduktion kann nur nachhaltig wirken, wenn sie institutionell verankert und rechtlich abgesichert ist. Nur so können erfolgreiche Pilotprojekte verstetigt werden und auf stadtweite oder nationale Strategien als Referenz wirken. Insgesamt trägt Koproduktion dazu bei, die Stadt als Gemeingut zu verstehen, als gemeinschaftlich gestalteten Raum, der soziale Gerechtigkeit, lokale Verantwortung und ökologische Resilienz stärkt. Das Projekt liefert damit neue Impulse für Forschung und Stadtplanung und zeigt Wege auf, wie kooperative Stadtentwicklung zu den Herausforderungen von Klimawandel, Wohnungsknappheit und sozialer Spaltung beitragen kann.

Description

Keywords GND

Conference

Publication Type

Report

Version

publishedVersion

License

CC BY 3.0 DE