Wirkung des absoluten Alkoholverbots auf Fahranfänger/innen und junge Fahrer/innen

Loading...
Thumbnail Image

Volume

Issue

Journal

Series Titel

Forschungsbericht Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. , Unfallforschung der Versicherer ; 97

Book Title

Publisher

Hannover : Technische Informationsbibliothek

Link to publishers version

Abstract

Für Kraftfahrer/-innen innerhalb der Probezeit und vor der Vollendung des 21. Lebensjahres gilt in Deutschland seit dem 1. August 2007 ein absolutes Alkoholverbot im Straßenverkehr. Im Rahmen einer Online-Panelbefragung wurde untersucht, wie dieses Alkoholverbot wirkt und welche Faktoren maßgeblich beeinflussen, dass einige Personen nach dem Wegfall des Verbots damit beginnen, alkoholisiert zu fahren, während andere Personen weiterhin beim Autofahren auf Alkohol verzichten. Darüber hinaus wurde geprüft, inwieweit sich diese beiden Personengruppen von den Personen unterscheiden, die sowohl während des absoluten Alkoholverbots als auch nach dessen Wegfall unter Alkoholeinfluss fahren. Hierfür wurde im Rahmen des Projekts ein theoretisch fundiertes Modell zu den Determinanten des Fahrens unter Alkoholeinfluss und zu möglichen Verhaltensänderungen nach dem Wegfall des absoluten Alkoholverbots entwickelt. Zur Überprüfung der zugrundeliegenden Modellannahmen wurden zunächst Fokusgruppeninterviews durchgeführt. Anschließend wurde das Modell im Rahmen einer Online-Befragung empirisch überprüft. Hierbei wurden 1.227 jungen Fahrer/-innen befragt, die sich entweder noch in der Phase des absoluten Alkoholverbots befanden oder diese bereits durchlaufen hatten. Aus den Untersuchungsergebnissen geht hervor, dass das absolute Alkoholverbot grundsätzlich – wenn auch nicht vollumfänglich – wirkt. 57,0 Prozent der Befragten verhalten bzw. verhielten sich während des absoluten Alkoholverbots regelkonform, 43,0 Prozent zeigen bzw. zeigten – in seltenen Fällen – regelwidriges Verhalten. Von einer nachhaltigen Wirkung des Verbots kann jedoch nicht ausgegangen werden: Betrachtet man nur diejenigen, für die das Verbot nicht mehr gilt, ist festzustellen, dass lediglich 21,1 Prozent der Befragten ihr zuvor abstinentes Fahrverhalten auch nach dem Wegfall des Verbots beibehielten. 42,9 Prozent wechselten vom abstinenten Fahrverhalten zum Fahren unter dem Einfluss von (ggf. auch nur geringen Mengen) Alkohol. Die Wirkung des absoluten Alkoholverbots ist also primär auf den Gültigkeitszeitraum der gesetzlichen Regelung beschränkt. Das theoretische Modell zu den Determinanten des Fahrens unter Alkoholeinfluss umfasst sowohl Faktoren der externalen und internalen Verhaltenssteuerung als auch Kontrollvariablen. Insbesondere die „subjektiv wahrgenommene Entdeckungswahrscheinlichkeit“, die „subjektiv wahrgenommene Strafhärte“, die „deskriptive Norm“, die „personale Norm“, „situative Faktoren“ und die „Häufigkeit normrelevanter Situationen“ erweisen sich als bedeutsame Faktoren für die Anzahl an alkoholisierten Fahrten während und nach dem absoluten Alkoholverbot. Abstinente Fahrer/-innen weisen in der Regel hohe Ausprägungen bei den „schützenden“ Faktoren (z. B. Entdeckungswahrscheinlichkeit, personale Norm) und niedrige Ausprägungen bei den „risikoassoziierten“ Faktoren (z. B. Risikobereitschaft) auf. Bei Fahrer/-innen, die sowohl während des absoluten Alkoholverbots als auch nach dessen Wegfall alkoholisiert fahren, verhält es sich umgekehrt. Fahrer/-innen, die vom abstinenten zum alkoholisierten Fahren wechseln, liegen hinsichtlich der Merkmalausprägungen zwischen den beiden anderen Gruppen. Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen wird zur Prävention von Fahrten unter Alkoholeinfluss empfohlen, das absolute Alkoholverbot bis zur Vollendung des 24. Lebensjahres auszuweiten. Damit würde der „Schutzmantel“ des Verbots zumindest den Zeitraum umfassen, in dem (1) alterstypische entwicklungspsychologische Besonderheiten vorliegen, die das Unfallrisiko erhöhen, und (2) das Fahrkompetenzniveau noch nicht dem Niveau erfahrener Fahrer/-innen entspricht. Darüber hinaus erscheint es geboten, den Umfang der polizeilichen Überwachung zu intensivieren sowie Angebote zur Vermittlung von alkoholbezogenem Wissen, zur Reflexion des Konsumverhaltens und zur Förderung der Selbstwirksamkeit zu etablieren. Die Präventionsmaßnahmen im edukativen Bereich sollten mit dem Beginn des Alkoholkonsums im frühen Jugendalter, während der Fahrausbildung und nach dem Ende der Probezeit implementiert werden. Datei-Upload durch TIB


Since 1st August 2007, in Germany drivers within the probationary period and drivers before the age of 21 are subject to an absolute ban on alcohol in road traffic. An online panel survey was conducted to investigate the effect of the absolute alcohol ban and which factors significantly influence the fact that some people start driving under the influence of alcohol after the ban has been lifted, while others continue to abstain from alcohol when driving. In addition, the extent to which these two groups differ from those who drive under the influence of alcohol both during the absolute alcohol ban and after it has been lifted was examined. For this purpose, a theoretically grounded model on the determinants of driving under the influence of alcohol and on possible behavioural changes after the abolition of the absolute alcohol ban was developed. To test the underlying model assumptions, focus group interviews were initially conducted. Subsequently, the model was empirically tested in an online survey. In this survey, 1.227 young drivers were surveyed, who were either still subject to the absolute alcohol ban or had already passed this phase. The survey results show that the absolute ban on alcohol is generally effective, albeit not entirely. 57.0 percent of those surveyed behave or behaved in accordance with the rules during the absolute alcohol ban, while 43.0 percent exhibit or exhibited – in rare cases – non-compliant behaviour. However, the ban's effect does not appear to be sustainable: Focusing solely on those for whom the ban no longer applies, only 21 percent of the respondents maintained their previously abstinent driving behaviour after the ban was lifted. 43 percent switched from abstinent driving behaviour to driving under the influence of alcohol (even if only small amounts). The effect of the absolute alcohol ban is therefore primarily limited to the period of validity of the legal regulation. The theoretical model on the determinants of driving under the influence of alcohol includes both factors of external and internal behaviour control, as well as control variables. Particularly, the "subjectively perceived probability of detection", the "subjectively perceived severity of punishment", the "descriptive norm", the "personal norm", "situational factors", and the "frequency of norm-relevant situations" prove to be significant for the number of drunk driving incidents during the absolute alcohol ban and after its abolition. Abstinent drivers typically exhibit high levels of "protective" factors (e.g., probability of detection, personal norm) and low levels of "risk-associated" factors (e.g., willingness to take risks). For drivers who drive under the influence both during and after the absolute alcohol ban, the opposite is true. Drivers who switch from abstinent driving to driving under the influence of alcohol lie between the other two groups in terms of the characteristics. Based on the results, it is recommended to extend the absolute alcohol ban until the age of 24 to prevent drunk driving. This would stretch the "protective cover" of the ban at least over the period in which (1) age-related developmental psychological characteristics are present that increase the risk of accidents, and (2) the level of driving competence does not yet correspond that of experienced drivers. Additionally, it seems necessary to intensify police monitoring and to establish programs to impart alcoholrelated knowledge, to reflect on consumption behaviour, and to promote self-efficacy. Preventive measures in the educational field should be implemented at the start of alcohol consumption in early adolescence, during driver training and after the end of the probationary period.

Description

Keywords

License

Es gilt deutsches Urheberrecht. Das Werk bzw. der Inhalt darf zum eigenen Gebrauch kostenfrei heruntergeladen, konsumiert, gespeichert oder ausgedruckt, aber nicht im Internet bereitgestellt oder an Außenstehende weitergegeben werden. - German copyright law applies. The work or content may be downloaded, consumed, stored or printed for your own use but it may not be distributed via the internet or passed on to external parties.