Mine ReWIR: Gesellschaftliche Innovationspotentiale im Strukturwandel durch industrielle Symbiose - Mine ReWIR-Werkstatt
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Abstract
Der vorgezogene Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis voraussichtlich 2030 hat transformationsrelevante Auswirkungen auf die Revierzulieferer und -dienstleister aus dem Umfeld der Braunkohle im Rheinischen Revier. In Kooperation mit Mine ReWIR e.V. wurde untersucht, wie die betroffenen Unternehmen dem Strukturwandel begegnen, ob sich kollaboratives Innovationshandeln beobachten lässt und welche Transformationsstrategien emergieren.
Im Zentrum des Projekts standen drei Kernfragen: Kann durch das Setzen gezielter Impulse und Innovationsoptionen ein kollaborativ-vernetztes Innovationsmanagement zwischen den vom Braunkohleausstieg betroffenen KMU angeregt werden? Kann die Bildung eines Innovationsökosystems in diesem Kontext beobachtet werden? Was sind die Grenzen und Möglichkeiten der Synchronisation von Innovation, Exnovation und Transformation im Rheinischen Revier?
Das Projekt Mine ReWir kam zu dem zentralen Ergebnis, dass trotz gezielter Workshops, Netzwerkarbeit und methodischer Innovationen derzeit die Voraussetzungen für die Entstehung Industrieller Symbiosen oder eines regionalen Innovationsökosystems im Umfeld der Braunkohlezulieferer nicht gegeben sind. Die REVIER-Unternehmen agieren überwiegend individuell, ressourcenschonend und mit geringem Innovations- und Kooperationsinteresse. Dies stellt einen wesentlichen Grund dafür dar, dass sich weder multilaterale Kooperationsstrukturen noch vernetzte Geschäftsmodelle herausbilden.
Durch ein erweitertes Kompetenzmapping, das wirtschaftliche und soziologische Aspekte integriert, konnten zwar für die Zielgruppe zentrale anschlussfähige Leitmärkte (Bauen, Energie, Logistik) identifiziert und mit visuellen Tools wie Zukunftsbildern und Lupenbildern analysiert werden. Die drei durchgeführten Workshops zu den Leitmärkten Energie, Bauen und Logistik bestätigten, dass solche Instrumente Kompetenzen sichtbar machen und Vertrauen fördern. Dennoch blieben Kooperationen durchweg bilateral und erreichten nicht die Komplexität, die für Industrielle Symbiosen erforderlich wäre. Neben den mangelnden zeitlichen Kapazitäten der REVIER-Unternehmen im laufenden Betrieb verstärkten Datenschutzbedenken, historisch gewachsene Abhängigkeiten von RWE und geringe Erfahrung mit horizontalen Kooperationen diese Zurückhaltung.
Netzwerkanalysen anhand von Kartierungen der relevanten Akteure und Experteninterviews zeigten, dass die meisten Unternehmen keine Kooperationen mit anderen Zulieferern anstreben und stattdessen klassische Einzelstrategien wie Kunden- und Portfoliodiversifizierung verfolgen. Ein bestehendes Innovationsökosystem, unter den REVIER-Unternehmen, als Antwort auf den Braunkohleausstieg, konnte nicht beobachtet werden. Bestehende Transformationsstrategien konnten nach der Bearbeitung des erhobenen empirischen Datenmaterials in vier Typen differenziert werden: 1) Scheuklappen-Logik und das Ignorieren des Wandels, 2) zeitlich zum Ausstieg parallel gestaltete Unternehmensabwicklungen, 3) passive Hoffnungsstrategien auf Erneuerbare Energien und 4) konventionelle soziale Innovationen wie die Erschließung alternativer Kunden und Märkte. Kollaborative Innovationsformen sind hingegen selten und bleiben vereinzelte Ausnahmen.
Das Projektziel, kollaborative Geschäftsmodelle und Innovationsinstrumente zu entwickeln, konnte daher nicht realisiert werden. Beratungsangebote und Transformationsformate fanden aufgrund der generellen Skepsis gegenüber Kooperationen und insbesondere durch die zeitlich zu knappen Kapazitäten der Unternehmen nur geringe Resonanz. Obwohl das Netzwerk auf über 200 Kontakte ausgebaut wurde und erste Kompetenzprofile für potenzielle Geschäftsanbahnungen vorliegen, fehlt ein resonierender Nährboden für kooperative Innovationsprozesse unter den REVIER-Unternehmen.
Governance-Analysen machten deutlich, dass die REVIER-Unternehmen nicht in ein Innovationsökosystem eingebettet sind, sondern in ein politisch gesteuertes Exnovationssystem. Die Transformation erfolgt in einem Umfeld begrenzter Ressourcen, unklarer Perspektiven und fragmentierter Intermediärsstrukturen. Intermediäre bestätigen die Ergebnisse und betonen die stark branchenabhängige Innovationskraft – produzierende Unternehmen zeigen eine höhere Dynamik als dienstleistungsorientierte Zulieferer.
Insgesamt verdeutlicht die Studie: Die ambitionierten Ziele eines kollaborativ-vernetzten Innovationsmanagements für die REVIER-Unternehmen sind ihrer Zeit voraus und zu weit von den Unternehmensrealitäten vor Ort entfernt. Der Strukturwandel im Rheinischen Revier wird aktuell von vorsichtigen Anpassungen statt von innovationsgetriebenen Kooperationen geprägt. Die Emergenz eines Innovationsökosystems im Kontext der REVIER-Unternehmen erscheint uns basierend auf der empirischen Basis als sehr unwahrscheinlich. Zentrale Herausforderung bleibt, Unternehmen praxisnah zu unterstützen, Vertrauen weiter aufzubauen und die Kluft zwischen Förderinstrumenten und betrieblicher Realität zu überbrücken. Erst langfristig können daraus Strukturen entstehen, die Industrielle Symbiosen oder ein Innovationsökosystem ermöglichen.
