Nutzfahrzeugmarkt Baden-Württemberg : Aktuelle Trends, Wertschöpfung und Chancen für Zulieferer
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In der Studie wird der Transformationspfad schwerer Nutzfahrzeuge hin zu emissionsarmen sowie emissionsfreien Antrieben analysiert und die wirtschaftliche Durchsetzungs- fähigkeit zentraler Technologien anhand eines Modells zur „Total Cost of Ownership“ (TCO) bewertet. Als Untersuchungsrahmen werden konventionelle Dieselantriebe (ICET), batterieelektrische Lkw (BET), brennstoffzellelektrische Lkw (FCET) und wasserstoffverbrennende Lkw (H2-ICET) betrachtet. Methodisch wird in der Studie eine Top-down-Szenario-Analyse mit einer Bottom-up-Technologie-Evaluation kombiniert. Daraus resultieren eine Einordnung der Antriebskonzepte und der Infrastrukturanforderungen, eine Konkretisierung in Anwendungsszenarien und priorisierte Relevanzkriterien als Basis für eine Kosten- und Hochlaufbetrachtung. Ergänzend werden Fertigungskompetenzen und Wertschöpfungspotenziale untersucht, auf dieser Basis eine Gap-Analyse vorgenommen und schließlich Handlungsempfehlungen abgeleitet. In der TCO-Analyse werden drei Hochlaufszenarien („Business as usual“, Batterie-Fokus und Wasserstoff-Fokus) in modellierbare Parameter überführt. Das Modell bildet Ent- wicklungen der Anschaffungskosten (CAPEX) sowie der Energiepreise und weiterer Betriebskostenkomponenten (OPEX) ab. Eine Sensitivitätsanalyse quantifiziert zudem den Einfluss zentraler Annahmen. In allen Szenarien zeigt sich: Der ICET verliert an Wettbewerbsfähigkeit, und „Zero Emission“-Trucks gewinnen. Nicht der Anschaffungspreis, sondern OPEX dominieren die TCO. Damit sind Energiepreise, Infrastrukturverfügbarkeit und regulatorische Rahmenbedingungen die entscheidenden Parameter. Da Energiekosten für alle Technologien den größten Kostenblock bedeuten, liegt hierin das größte wirtschaftliche Potenzial. Energiekosten sind der mit Abstand stärkste Treiber der Gesamtbetriebskosten, insbesondere bei wasserstoffbasierten Pfaden (in Abhängigkeit vom Wasserstoffpreis). Als zweiter Einflusskanal wirken Maut- und Regulierungsparameter, die kurzfristig starke Kostenverschiebungen bewirken können. Unter den getroffenen Annahmen sind BET früh und robust wirtschaftlich: Ab 2026 sind sie die kostengünstigste Option in allen betrachteten Szenarien. FCET und H2-ICET erreichen Kostennähe zu BET nur dann, wenn CAPEX und insbesondere OPEX sinken. Im Wasserstoff-Fokus liegen sie ab 2029 rund fünf bis zehn Prozent über BET, was sie prinzipiell konkurrenzfähig macht, jedoch klare Voraussetzungen an Preis- und Skaleneffekte stellt. Wirtschaftlich keit und Nutzbarkeit sind zudem stark vom Einsatzprofil abhängig: Hohe Depotladeanteile erhöhen den BET-Vorteil, fehlender Depotzugang erhöht die Abhängigkeit von öffentlicher Ladeinfrastruktur. Die Antriebswahl ist damit nicht allein eine Frage des Segments (Verteiler-, Linien- und Fernverkehr), sondern sie ist auch von operativen Rahmenbedingungen der Flotten geprägt. Über die Kosten- und Marktperspektive hinaus werden in der Studie die Wertschöpfungspotenziale in Baden-Württemberg untersucht und daraus Defizite, Synergien und Handlungsoptionen abgeleitet. Dazu ist sie auf eine Stücklistenanalyse, die Ableitung von Bauteilstruktur, Fertigungsprozessen und Kostenanteilen, eine Betrachtung von Wertschöpfungstiefen und Prozessketten sowie eine Kompetenz-Gap-Analyse gestützt. Eine Synergie-Analyse bewertet Barrieren und Potenziale technologieparalleler Entwicklung. Inhaltlich zeigt sich eine Neuordnung der Wertschöpfung: Motor- und abgasnachbehandlungsnahe Anteile gehen zurück, während Batterie, Elektromotor, Leistungselektronik, Wasserstoffspeicher und Brennstoffzellensysteme an Bedeutung gewinnen. Für Baden Württemberg ergibt sich daraus der strategische Auftrag, Stärken in Metallverarbeitung und Systemintegration zu überführen und zugleich Kompetenzen aufzubauen, die künftige Wertschöpfungsanteile adressieren: die Serienfertigung elek- trochemischer Systeme, Präzisions- und Beschichtungstechnologien, Halbleiter- und Leistungselektronik, Magnet- und Werkstoffkompetenzen sowie automatisierte Montage, Prü- fung und Qualitätsabsicherung. Technologieparallele Strategien bieten Chancen, weil Querschnittsprozesse (Gießen, Zerspanen, Umformen, Wärmebehandlung, Fügen, Montage und Prüfung) technologieübergreifend nutzbar sind und Stückkosten senken können. Zugleich steigen Portfolio- und Variantenkomplexität, Entwicklungs-, Industrialisierungs- und Qualifizierungsaufwände sowie Anforderungen an Schnittstellen- und Qualitätsmanagement. Abgeleitete Handlungsoptionen adressieren kurzfristige Transformationsfähigkeit und langfristige Strukturpolitik. Kurzfristig dominieren schwächenausgleichende und risikodämpfende Maßnahmen: der Ausbau des Depotladens ein schließlich Netzanschluss, Lastmanagement und Ladeprozessintegration sowie der Aufbau Lkw-geeigneter Lade-Hubs entlang der Korridore – für Wasserstoffpfade sind dies Tankstellenkorridore und Logistikketten. Ergänzend dazu werden wirtschaftspolitische Hebel zur Beschleunigung von Investitionssicherheit und Skalierung benannt, insbesondere For- schungs- und Investitionsförderung sowie Subventionen und Kredite für Produktionsaufbau und Flottenumstellung. Chancenverstärkend wirken abgesicherte Energiepfade (langfristige Strombezugsmodelle, Wasserstoff-Abnahmeverträge und Skalierungseffekte) sowie die Skalierung der Produktion emissionsfreier Fahrzeuge und Kernkomponenten zur CAPEX-Sen- kung über Industrialisierung und Lernkurven. Kooperationen als Beschleuniger umfassen Partnerschaften zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, Konsortien zur Stan- dardisierung sowie Wissenstransfer, Qualifizierung und Rekrutierung. Außerdem werden ein Zweitmarkt für gebrauchte emissionsfreie Nutzfahrzeuge sowie servicebasierte Modelle wie prädiktive Wartung und Diagnostik identifiziert.
