Qualitätsoffensive Lehrerbildung - Manufaktur Lehrerbildung Berufskolleg (FAKTUR) reflexiv - inklusiv - professionell

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Hannover : Technische Informationsbibliothek

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Die Lehrkräftebildung für die berufliche Bildung leidet im universitären Bereich sowohl unter dem Problem mangelnder Nachfrage nach und ausbaufähiger Qualität von geeigneten Studiengängen. Einschlägige Studiengänge verfehlen häufig — speziell einer eher pragmatistischformalistischen anstatt wissenschaftsgestützten Curriculumentwicklung geschuldet — den State of the Art der (Teil-)Disziplinen. Im Rahmen des vom BMBF in der gemeinsamen Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Ländern geförderten Projekts „Manufaktur Lehrerbildung Berufskolleg: reflexiv - inklusiv - professionell“ (kurz FAKTUR, 2020-2023) der Arbeitsbereiche Berufs- und Wirtschaftspädagogik und Technikdidaktik am Berufskolleg der Universität Siegen wurden die benannten Herausforderungen aufgegriffen und in Bearbeitung gebracht: Entwicklung und Erprobung der gemeinsamen disziplinenintegrierenden Studienein-gangsphase-FAKTUR mit integrierter Theorie-Praxis-Verzahnung, die Studierende mittels Fallstudien (Wahrnehmung, Inhaltsauswahl und -begründung, Digitalisierung), Mentoring und im Rahmen eines neuen Institutionenprinzips professionsbezogen adressierte. Die so entwickelte und erprobte gemein-same Studieneingangsphase wurde im Anschluss an das Projekt bereits formal als neuer curricularer Baustein der in FAKTUR weiterentwickelten AGORA-Studiengänge implementiert, im Rahmen des betreffenden Review-Verfahrens positiv evaluiert. FAKTUR steht in Tradition kritischer Erziehungswissenschaft, referenziert insbesondere die Kategorien Repräsentation, Vermittlung, Profession und Inklusion im Sinn des Denkmodells der Subjekt-Objekt-Vermittlung. Die Beziehung zwischen Subjekt und Welt ist nach diesem Modell eine doppelte: „Auf der einen Seite ist das Subjekt Objekt von Welt, insofern es Gestaltetes ist. Auf der anderen Seite ist es Subjekt und damit Gestalter von Welt“. Bildungstheoretisch stellt sich dabei die Frage, inwiefern das Subjekt in einer aufgeklärten Beziehung zur Objektseite, im Fall zunehmender Autonomie zu alten und neuen Abhängigkeiten steht. In unserer Gegenwartsgesellschaft tritt das Lernen deutlich aus den unmittelbaren Lebenszusammenhängen heraus, es bedarf mehr denn je sinnbezogener Vermittlungsleistungen und dafür angemessener Repräsentationen von Welt. Mit Repräsentation und Vermittlung sind zwei zentrale Kategorien professionellen pädagogischen Handelns benannt. Curriculare Repräsentationen folgen den Prinzipien der Exemplarik und Lebensweltorientierung an jeweilig adressierter Zielgruppe bei der Inhaltsauswahl und -erstellung. In Anlehnung an den sozialwissenschaftlichen Diskurs bei Parsons, Luhmann und Habermas zeigt die Kategorie der Inklusion angesichts aktueller Transformationen, mit Blick auf Erziehungs- und Bildungsprozesse, pädagogische Wissensbasen und Handlungspraxen, subjektbezogene, curriculare, didaktische und institutionelle Modernisierungsrückstände auf. Mit Blick auf die Lehrkräftebildung zielt der Inklusionsbegriff darauf ab, über den aktuellen Modus ihrer Reproduktion aufzuklären. Entsprechend des komplexen Vorhabens in FAKTUR wurde ein multiperspektivisches Methoden-Sampling realisiert, um Verfügungswissen für die Entwicklung des curricularen Bausteins „disziplinenintegrierende Studieneingangsphase mit integrierter Theorie-Praxis-Verzahnung“ zu gewinnen. Das Sampling besteht aus: Sekundärdatenanalysen (theoretische Bezüge, legislativ-politische Papiere); Primärdatenanalysen (Stakeholder-Activism-Roundtable, Zukunftswerkstatt, Studierendenbefragungen u.a. in Form von Einstellungsuntersuchungen, Kontextsensitive Interviews, Bild-Interviews, sowie Teilnehmende Beobachtungen und Wirkungsanalysen). Die einzelnen Ergebnisse wurden systematisch aufeinander bezogen und korreliert. Als Grundlage zur wissenschaftlich gesicherten Erstellung des neuen curricularen Bausteins erhoben wir im Laufe von FAKTUR empirischqualitative Indikatoren über Bild-Interviews. Diese ergaben wiederholt Hinweise auf latente narzisstisch-autoritäre Einstellungen der Lehramtsstudierenden, die wir u.a. über Einstellungsuntersuchungen (2022 u. 2023) überprüften. Sie verhärteten sich als spezifischer Ausdruck des aktuellen Sozialcharakters. Insgesamt zeigt die Analyse veränderte Bedingungen der Reproduktion von Lehrkräften auf: u.a. gehen viele Studierende bereits, stundenmäßig über einen Nebenjob hinausgehend, einer Erwerbsarbeit an Schule nach. In FAKTUR wurden angesichts der veränderten lebensweltlichen Bedingungen der Studierenden gemein-sam mit ihnen und Akteuren aller Bereiche der Lehrkräftebildung Fallanalysen mithin passende Repräsentationen für die Studieneingangsphase entwickelt und erprobt. Die komplexen Repräsentationen wurden in visueller, auditiver und textlicher Form in der digitalen 2D-Welt-FAKTUR gleichsam gegenständlich (virtuell) archiviert und hinterlegt. Die digitale Welt wurde zum einen zur wirksamen Theorie-Praxis-Verzahnung als Theorie-Praxis-Labor entworfen und zum anderen als Studiobühne-Lehrkunst nach dem Werkstattprinzip weiterentwickelt. Angesichts der veränderten Bedingungen der Reproduktion von Lehrkräften, eingedenk der identifizierten Einstellungen, ist die Phänomenologie der Lehrkunst dynamischer zu gestalten als dies bisher erforderlich war. Dazu tragen vornehmlich die bildungstheoretisch im Sinn einer anthropologischen Mitgift gedachten ästhetischen Zugänge im Lehr-Lern-Modell von FAKTUR bei. Als Ergänzung der Präsenzlehre (über die Projektzeit hinausreichend) entspricht die digitale 2D-Welt besonders den lebensweltlichen Veränderungen der Studierenden, die zunehmend intermedial vermittelte Selbst- und Weltverhältnisse tangieren. Die digitale 2D-Welt ermöglicht den Studierenden das Denken in Repräsentationen zu schulen; dabei beweist sie Qualitäten, die Präsenzlehre allein genommen nicht vorhalten kann.

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