EnQuaFlex – Energiewendedienlicher Quartiersbetrieb durch gemeinschaftliche Flexibilitätskoordination: Soll-Ist-Vergleich der Energieflüsse im Quartier
Teilprojekt: Messtechnische Erfassung und Datenauswertung
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Abstract
Im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung von Gebäuden und Quartieren kommt der Vergleich zwischen normativen Planungsannahmen und realen Betriebsdaten eine wachsende Bedeutung zu. Ziel dieser Arbeit ist es, die Aussagekraft ausgewählter normativer energetischer Kenngrößen anhand eines real betriebenen Energiequartiers zu untersuchen und den Abgleich mit gemessenen Betriebsdaten systematisch vorzunehmen. Hierzu wird ein Soll-Ist-Vergleich durchgeführt, der sich auf drei zentrale Aspekte konzentriert: die klimatischen Randbedingungen in Form der Außentemperaturen, die Erträge der Photovoltaikanlagen, sowie die aus den Stromverbräuchen resultierenden Treibhausgasemissionen. Die normativen Soll Werte entstammen den zugrunde liegenden Energieausweisen und geltenden Berechnungsnormen, während die Ist-Werte auf kontinuierlich erfassten Betriebsdaten aus dem Quartiersbetrieb basieren. Die Auswertung erfolgt rein analytisch auf Jahres- und Monatsbasis, ohne datenbasierte Interpolation fehlender Messwerte. Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen Planung und Realbetrieb teils erhebliche Abweichungen auftreten. Normativ angesetzte Auslegungstemperaturen liegen deutlich unter den im Betrachtungszeitraum gemessenen Außentemperaturen, was zu überwiegendem Teillastbetrieb der Wärmeerzeugung führt. Bei den Photovoltaikerträgen zeigt sich eine hohe Streuung zwischen einzelnen Gebäuden sowie eine starke Abhängigkeit von gebäudespezifischen und externen systemischen Einflussfaktoren. Eine zeitweise netzseitige Einspeisebegrenzung führte zu signifikanten Abweichungen zwischen normativen und gemessenen Erträgen. Auch die bilanzierten Treibhausgasemissionen erweisen sich als stark sensitiv gegenüber betrieblichen Rahmenbedingungen und den angesetzten Emissionsfaktoren. Die Arbeit zeigt exemplarisch, dass normative Planungswerte primär der Auslegungssicherheit und Standardisierung dienen, jedoch nur eingeschränkt geeignet sind, reale Betriebsbedingungen moderner, elektrifizierter Quartiere abzubilden. Gleichzeitig wird die zentrale Bedeutung hochwertiger, konsistenter Betriebsdaten für eine realitätsnahe energetische Bewertung deutlich. Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zur Einordnung der Grenzen normativer Bewertungsverfahren und unterstreichen den Wert empirisch fundierter Soll-Ist-Vergleiche im Kontext zukünftiger Forschungs- und Planungsansätze.
