Biodiversität: Fortschrittliche Reproduktionstechnologien zur Rettung von stark gefährdeten Säugetieren wie dem nördlichen Breitmaulnashorn (Bio-Rescue-2) - Teilprojekt I: Koordination sowie assistierte Reproduktion

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Hannover : Technische Informationsbibliothek
München : oekom verlag

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Angesichts des sechsten, maßgeblich anthropogen verursachten Artensterbens der Erdgeschichte reichen klassische Naturschutzstrategien wie Habitatmanagement, Ex-situ-Zuchtprogramme und Wiederansiedlungsmaßnahmen allein nicht mehr aus, um den Verlust biologischer Vielfalt aufzuhalten oder auch nur wesentlich zu verlangsamen. Derzeit gelten mindestens 22 % aller Säugetierarten als bedroht. Besonders betroffen ist die Familie der Rhinocerotidae: Drei der fünf heute noch existierenden Nashornarten – das Sumatra-, Java- und Spitzmaulnashorn – sind akut vom Aussterben bedroht, das Indische Panzernashorn gilt als gefährdet und lediglich das Südliche Breitmaulnashorn (SWR, Ceratotherium simum simum) wird derzeit als potenziell gefährdet eingestuft.

Demgegenüber erklärte die IUCN das Nördliche Breitmaulnashorn (NWR, Ceratotherium simum cottoni) bereits im Jahr 2008 offiziell als in freier Wildbahn ausgestorben. Luftbilduntersuchungen im Südsudan und im Norden der Demokratischen Republik Kongo bestätigen, dass in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten keine Hinweise mehr auf wildlebende NWR-Populationen existieren. Die langfristigen ökologischen Folgen des Verlusts einer Schlüsseltierart wie des NWR für die sensiblen Ökosysteme Zentralafrikas sind bislang nicht vollständig absehbar. Als Megaherbivor und bedeutender Landschaftsgestalter spielte das NWR eine zentrale Rolle für Struktur und Stabilität seines Lebensraums. Sein Verschwinden wird daher voraussichtlich erhebliche Veränderungen bis hin zur Destabilisierung einzelner Ökosystemkomponenten nach sich ziehen. Darüber hinaus kann der Verlust von Schlüsselarten sogenannte „Wirbelsturmeffekte“ auslösen, die zu einem beschleunigten Rückgang der Biodiversität führen. Gleichzeitig steigt mit der Zerstörung natürlicher Ökosysteme auch das Risiko der Ausbreitung zoonotischer Krankheitserreger – ein Zusammenhang, der durch die COVID-19-Pandemie eindrücklich verdeutlicht wurde.

Vor diesem Hintergrund wurde von 2019 bis 2022 das vom BMBF geförderte Projekt BioRescue-1 durchgeführt. Ziel von BioRescue ist es, das Aussterben des nördlichen Breitmaulnashorns aufzuhalten und zugleich eine technologische und ethische Blaupause für den Erhalt anderer hochgradig bedrohter Säugetierarten zu entwickeln.

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