Data Mesh und Data Spaces : Gegenüberstellung im Kontext Datenökosystem Schweiz
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In den letzten Jahren haben sich die Konzepte Data Mesh und Datenräume als vielversprechende Ansätze zur Förderung der Mehrfachnutzung von Daten etabliert. Während Data Mesh die bereichsübergreifende Nutzung von analytischen Daten innerhalb komplexer Organisationen in den Fokus rückt, zielen Datenräume auf die organisationsübergreifende Zusammenarbeit und das Teilen zwischen Organisationen von Daten ab. Beide Konzepte basieren auf soziotechnischen Prinzipien und betonen die Autonomie von Datenbereitstellenden und Datennutzenden. Trotz der Überschneidungen in Architektur, Mechanismen und Technologien fehlt es jedoch an einer Harmonisierung und Integration dieser Ansätze. Diese Studie untersucht, wie Elemente aus dem Bereich Data Mesh auf Datenräume übertragen werden können und validiert die Erkenntnisse anhand eines praktischen Anwendungsbeispiels im Kontext des Schweizer Gesundheitsdatenraums. Die Ergebnisse bieten verschiedenen Anspruchsgruppen wertvolle Einblicke: Datenraumträgerschaften erhalten eine Übersicht über anwendbare Data Mesh-Ansätze zur Steigerung der Skalierbarkeit und Fairness, während Entscheiderinnen und Entscheider in beteiligten Organisationen ein vertieftes Verständnis für Gestaltungsmöglichkeiten von Datenräumen und die Eigenschaften von Data Mesh gewinnen. Die Studie identifiziert eine Anwendung der Data Mesh-Konzepte »Federated Computational Governance«, »Data as a Product« und »Self-Serve Data Platform« als Befähiger von Mehrwerten in der Datenbereitstellung und Datennutzung in Datenräumen: Die Einführung einer föderierten Gouvernanz impliziert eine Entscheidungsstruktur, die die Selbstsouveränität der einzelnen Akteure fördert und einen Ausgleich der individuellen Interessen bei der Festlegung von Regeln, Richtlinien, gemeinsamen Infrastrukturdiensten und Standards gewährleistet. Eine föderierte Gouvernanz kann sowohl innerhalb eines Datenraums als auch zwischen parallel entstehenden Datenräumen umgesetzt werden, um Interoperabilität und Anschlussfähigkeit zu sichern. Durch die Umsetzung des Datenproduktmanagements in Datenräumen entsteht eine strukturierte und nutzendenzentrierte Datenbereitstellung, die die Qualität, Auffindbarkeit und Wiederverwendbarkeit der Datenprodukte fördert. Durch die Fokussierung auf die Bedürfnisse der Datennutzenden können Daten effizienter verwaltet und in verschiedenen Anwendungen genutzt werden. Für Datenbereitstellende ergeben sich zudem neuartige Feedbackmechanismen hinsichtlich der Datennutzung und des Datenwertes, die bei einer Weiterentwicklung des Datenmanagements unterstützen. Einen zentralen Beitrag dazu leistet die technische Dateninfrastruktur, da sie Interoperabilität, Sicherheit, Kontrolle und Vertrauen bei der Mehrfachnutzung von Daten fördert. Die Bereitstellung der Dateninfrastruktur für Datenbereitstellende und Datennutzende durch dedizierte Betriebsorganisationen ermöglicht eine Standardisierung der Datenprodukte, reduziert die Komplexität der Teilnahme und fördert die Konzentration der Teilnehmenden auf ihre Kernaufgaben. Ein oder mehrere Betriebsorganisationen können dazu von der Datenraumträgerschaft beauftragt werden. Sie sollten kein Interesse an der Umsetzung eigener datenbasierter Anwendungsfälle im Datenraum besitzen. Die Applikation der Konzepte auf eine konzeptionelle Anwendung des Datenraums Gesundheit zeigt, dass diese Konzepte die Autonomie der Teilnehmenden fördern, eine schnellere Datenbereitstellung und ein nutzenorientiertes Datenmanagement ermöglichen und insgesamt die Zusammenarbeit und den Datenaustausch verbessern können. Demgegenüber stehen jedoch auch Herausforderungen wie die Komplexität der Implementierung, mögliche kulturelle Widerstände und eine geringere Dateninteroperabilität, die schlussendlich eine sorgfältige Planung und die Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen der beteiligten Akteure erfordern. Diese Studie wurde im Auftrag der Bundeskanzlei erstellt.
