TyphaSubstrat - Ernte und Nutzung von Rohrkolben-Biomasse als alternativer Substratausgangsstoff in Presstopferden für den Gemüsebau
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Abstract
Rohrkolben-Biomasse eignet sich als Torfersatz in Presstopferden, wenn dieser mit anderen Komponenten wie Torfmoos und Holzfasern kombiniert wird. Im Projekt wurde die Eignung der einzelnen Komponenten durch eine Kompostierung beziehungsweise Fermentierung verbessert. Mit der Anzucht und Auspflanzung von Romana-Salat in Presstöpfen mit Rohrkolben konnten gute Ergebnisse erzielt werden, die hinsichtlich des Ertrags auch mit den gängigen torfreduzierten Substraten vergleichbar waren. Allerdings kann zusammenfassend gesagt werden, dass alle neuen Mischungen sehr sensibel aus den verfügbaren Komponenten zusammengestellt werden mussten, um die zuvor angeführten Prüfstufen mit Erfolg durchlaufen zu können. Vor allem zeigte sich, dass die große Variabilität des Rohrkolbens, aber auch unterschiedliche Qualitäten der Holzfaser und des Schwarztorfes eine Rolle spielten. Die Haltbarkeit der gemischten Substrate war deutlich kürzer als bei vergleichbaren torfbasierten Substraten mit nur geringem Torfersatz. Diese liegt im Bereich von wenigen Monaten. Im Vergleich dazu können die herkömmlichen Substrate ein halbes bis zu einem Jahr gelagert werden. Ursache hierfür ist die geringe Stabilität des Rohrkolbens. Die Biomasse erwies sich als unbelastet von Schwermetallen und Pestiziden in nachweisbaren Konzentrationen. Dies spricht für die Reinheit der Rohrkolben-Biomasse. Daher kann Rohrkolben als nachhaltiger und umweltschonender Rohstoff für den Substratersatz betrachtet werden. Auf den beprobten Rohrkolben-Standorten in Norddeutschland und den Niederlanden lag der Biomasseertrag im Mittel bei 7 bis 8 t/ha im Herbst und Winter. Die Eigenschaften der Rohrkolben-Biomasse konnten bei einer Ernte zwischen Dezember bis März weitestgehend die Anforderungen an die Gütekriterien für Pflanzensubstrate erfüllen. Im Projekt konnte ebenso ein Erntefahrzeug auf Raupenbasis mit einem Kipp-Container ausgestattet, und Mahd-Vorrichtungen für die Rohrkolbenernte mit Häckseln verbessert werden. Die maschinelle Ernte von Bündeln ist noch nicht vollständig entwickelt, erste Lösungsansätze konnten allerdings gefunden werden. Die größte Herausforderung für die Nutzung von Paludi-Rohstoffen an Stelle von Torf in der Substratbranche ist, dass sofort große Rohstoffmengen verfügbar sein müssen. Allerdings kann eine Umstellung auf Rohstoff-Alternativen für Torf erfahrungsgemäß nur in kleinen Schritten erfolgen. Dies ermöglicht es in der Praxis Kulturverfahren ohne große Einbußen anzupassen. Hierfür sind ebenfalls größere Mengen an Substraten nötig. Sogar für eine Praxiserprobung im größeren Maßstab, gibt es aktuell nicht genügend Rohrkolben-Biomasse. Es fehlt derzeit der wirtschaftliche Anreiz für Landwirt*innen, die Substratrohstoffe aus Paludikultur zu produzieren. Insbesondere in der Substratindustrie werden häufig billige Reststoffe aus anderen Industriezweigen verwendet; auch Torf an sich ist ein billiger Rohstoff. Bei der Nutzung von Rohrkolben als Substratrohstoff kann die Kombination von unterschiedlichen Nutzungen weiterhelfen: Rohrkolbenbiomasse ist ein guter Dämmstoff und bei der Herstellung von hochwertiger Einblasdämmung fallen günstige Reststoffe an. Diese Reststoffe können für die Herstellung von gärtnerischen Substraten verwendet werden und dadurch die Substrate wirtschaftlich interessant machen. Bei der Nutzung von Rohrkolben als Substrat-Rohstoff treten ähnliche „Henne-Ei“ Herausforderungen auf, wie bei anderen Paludikulturen und den damit verbundenen Wertschöpfungsketten. Landwirt*innen werden erst auf neue Bewirtschaftungskonzepte umstellen, wenn die Biomasse-Abnahme garantiert ist. Unternehmensseitig wird erst Rohstoff in die Produktionskette integriert, wenn die Biomassemengen für einen langen Zeitraum gesichert sind. Es zeigt sich, das Unternehmen als auch Landwirte in dem Bestreben Paludikultur zu integrieren gestärkt und unterstützt werden müssen. Paludikultur senkt gesellschaftliche Klima-Folgekosten indem sie hilft, der ökologische Krise zu begegnen: für mehr und auch saubereres Wasser sorgt, und trotzdem Moore als landwirtschaftliche Nutzflächen erhält. Deshalb sollte Paludikultur von Politik und Gesellschaft unterstützt und getragen werden.
