Cannabiskonsum und Autismus : Substanzgebrauch als Strategie der Selbstregulationn
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Abstract
Diese Arbeit entwickelt ein theoretisches Modell, das den Cannabiskonsum im Kontext von Autismus als potenziell funktionale Form der Selbstregulation versteht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass autistische Menschen aufgrund sensorischer Besonderheiten, veränderter Stressphysiologie und interozeptiver Unterschiede häufig Zustände erleben, die schwer zu regulieren sind. Cannabis wird in diesem Zusammenhang nicht primär hedonistisch konsumiert, sondern erfüllt spezifische Funktionen: Es kann Übererregung dämpfen, affektive Zustände stabilisieren, soziale Interaktion erleichtern oder innere Zustände besser vorhersagbar machen. Die Arbeit integriert neurobiologische, psychologische und kulturelle Perspektiven und rückt insbesondere die Rolle des Endocannabinoid-Systems (ECS) in der Stressverarbeitung, Interozeption und Homöostase in den Fokus. Der Cannabiskonsum wird als Teil eines kulturübergreifenden, evolutionär verankerten Musters funktionaler Selbstmedikation verstanden. Die Grenze zwischen funktionalem und riskantem Gebrauch wird dabei nicht pharmakologisch, sondern ökologisch definiert abhängig von individuellen Bedürfnissen, sozialen Bedingungen und der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung. Die Arbeit plädiert für eine differenzierte, nicht-moralisierende Auseinandersetzung mit Substanzgebrauch im Kontext von Neurodivergenz und betont die Bedeutung informierter Begleitung und psychoedukativer Zugänge im Umgang mit psychoaktiven Substanzen.
