ViVac - Gewalt, Staatsvertrauen und Impfskepsis - Individualdaten zu Gewalterfahrungen und Nutzung gesundheitlicher Dienstleistungen in Nigeria
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ViVac (Violence, Trust, and Vaccine Hesitancy) untersucht, wie bewaffnete Konflikte das gesundheitsbezogene Verhalten von Müttern und Betreuungspersonen beeinflussen, und rückt dabei einen bislang wenig erforschten Mechanismus in den Mittelpunkt: den Verlust von Vertrauen in staatliche Institutionen. Während bestehende Studien vor allem die Zerstörung von Infrastruktur und Engpässe im Gesundheitswesen hervorheben, richtet ViVac den Fokus auf die Nachfrageseite und analysiert, wie individuelle Gewalterfahrungen das Vertrauen prägen – und wie dieses Vertrauen wiederum die Nutzung präventiver und kurativer Gesundheitsleistungen beeinflusst. Das einjährige Pilotprojekt kombinierte eine systematische Übersichtsstudie, eine repräsentative Haushaltsbefragung von 3.006 Betreuungspersonen, eine Fall-Kontroll-Analyse sowie qualitative Interviews und Fokusgruppen in den konfliktbetroffenen nigerianischen Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Gewaltopfer nutzen staatliche Gesundheitsdienste und insbesondere Routineimpfungen seltener. Mediationsanalysen belegen, dass diese Effekte überwiegend auf Vertrauensverlust zurückzuführen sind. Die qualitativen Daten verdeutlichen, wie negative Erfahrungen mit staatlichen Akteuren das Misstrauen verstärken, während lokale Netzwerke und religiöse Autoritäten Vertrauen teilweise wiederherstellen können. ViVac liefert damit einen neuartigen empirischen Nachweis dafür, dass Vertrauen eine zentrale Voraussetzung für Gesundheitsversorgung in Konfliktregionen ist. Die Erkenntnisse sind politisch hoch relevant und bilden die Grundlage für weiterführende Forschung und Interventionen, die auf vertrauensbildende Maßnahmen im Gesundheitssektor abzielen.
