Solidarische Landwirtschaft im Kontext regionaler Innovationsökosysteme - der Beitrag von Promotoren zur Umstellung auf eine gemeinschaftsgetragene und multifunktionale Landwirtschaft; Teilprojekt 1: Innovationsforschung für strukturschwache Regionen; Teilprojekt 2: Fallstudienforschung zum Beitrag von Promotoren in Innovationsökosystemen
Schlussbericht : Programmlinie "REGION.innovativ" im Rahmen des Programms "Innovation & Strukturwandel"
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Abstract
Der in der Förderrichtlinie geforderte Perspektivwechsel, Innovationen nicht ausschließlich anhand ihres ökonomischen Potenzials zu bewerten, wurde durch die Fokussierung auf das Revitalisierungspotenzial der sozialen Innovation Solidarische Landwirtschaft (Solawi) im Projekt aufgegriffen. Nachhaltigkeits- und Vitalisierungseffekte einer Umstellung auf Solawi wurden mittels Literaturanalysen sowie empirischer Methoden (quantitative Befragungen, qualitative Interviews) untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Solawi ökologische, soziale und ökonomische Effekte für Betriebe, Mitglieder und Regionen erzeugt. Ökonomisch tragen Solawis zur Bildung krisenresilienter Wertschöpfungsräume bei, stabilisieren Betriebe, fördern Kooperationen, sichern Arbeitsplätze und wirken Abwanderung entgegen. Durch dezentrale, weniger krisenanfällige Nahversorgungsstrukturen stärken sie die Ernährungssouveränität. Partizipation sowie Begegnungs- und Bildungsangebote erhöhen Umweltbewusstsein, Lebensqualität, regionale Identifikation und soziale Kohäsion. Das Projekt trägt damit zu einem erweiterten Innovationsverständnis bei, das soziale Innovationen und deren gesellschaftlichen Mehrwert stärker berücksichtigt.
Im Sinne einer systemischen Perspektive auf regionale Innovationsökosysteme (IÖS) leistet das Projekt einen Beitrag zum Verständnis der Gestaltung von Innovationsprozessen in strukturschwachen Regionen. Durch den Aufbau regionaler Promotorennetzwerke zur Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe bei der Umstellung auf Solawi wurde das Konzept der IÖS erprobt. Die Interaktion der Akteure führte zum Aufbau von Human- und Sozialkapital als Grundlage für die Diffusion sozialer Innovationen. Daraus lassen sich Ansatzpunkte für innovationspolitische Maßnahmen ableiten, die dazu beitragen können, gezielt Innovationsprozesse in strukturschwachen Regionen zu stärken. Zielführend sind der gezielte Einsatz von Metapromotoren zur Koordination von IÖS, eine strategische Fokussierung auf geeignete Adopter unter Berücksichtigung der Dynamik von Innovationsbarrieren und Motiven im Adoptions- und Diffusionsverlauf, strukturierte Formen der Begleitung der (stufenweisen) Übernahme einer Innovation, die Beachtung der Rolle von Framing und sozialer Normen zur Erhöhung der Anschlussfähigkeit sowie homophile Qualifizierungsansätzen im Sinne eines "Train-the-Trainer"-Konzepts zur Stärkung von Beratungskompetenzen. Ergänzend wurde die Relevanz von Unterstützungsleistungen bei der Mitgliedergewinnung ("Mitglieder-Matching") herausgearbeitet. Die aufgebauten Netzwerke sind übertragbar und ihr Human- und Sozialkapital kann auch für andere Innovationsfelder genutzt werden.
Ein zentraler Beitrag des Projekts liegt in der Identifikation (u.a. quantitative Umfragen zur Ermittlung potenzieller Adoptergruppen) und Aktivierung bislang unzureichend genutzter Innovationspotenziale. Durch den Fokus auf soziale Innovationen im Ernährungssektor, speziell für landwirtschaftliche Betriebe, wurden partizipative Ansätze mit hohem gesellschaftlichem Transformationspotenzial adressiert. Der Einbezug politischer Akteure erwies sich als wichtiger Hebel zur Identifikation und Überwindung innovationshemmender Strukturen. Zu den Innovationshemmnissen zählen u.a. fehlende rechtliche Anerkennung, eingeschränkter Zugang zu Fördermitteln sowie Engpässe bei Infrastruktur (z. B. Flächen), verfügbaren zeitlichen Ressourcen und Arbeitskräften. Die initiierten regionalen IÖS konnten bislang unverbundene Akteure vernetzen (z.B. Landwirtschaftskammern/ -behörden und das Netzwerk Solawi), Umstellungsberatungspotenziale stärken und Anschlussinitiativen anstoßen (z.B. Projekte in Ernährungsräten). Die in den IÖS aktivierten etablierten Akteure des Agrar- und Ernährungssektors können darüber hinaus breite Gesellschaftsschichten erreichen, Innovationsbarrieren abbauen und somit die Innovationsfähigkeit einer Region stärken.
