Flexible utility - Mit sozio-technischer Flexibilisierung zu mehr Klimaresilienz und Effizienz in der städtischen Infrastruktur (FLEXITILITY) - Umsetzungs- und Verstetigungsphase
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Abstract
Das Projekt FLEXITILITY hatte das Ziel, die sozio-technische Flexibilisierung städtischer Infrastrukturen zu untersuchen, um Klimaresilienz und Effizienz zu steigern. Im Fokus stand die Integration dezentraler Trinkwasserspeicher in bestehende Versorgungsnetze unter veränderten klimatischen Bedingungen. Dabei sollten technische, hygienische, ökonomische und regulatorische Aspekte berücksichtigt werden. Zusätzlich wurde die Wirkung solcher Speicher auf die hydraulische Netzstabilität und Versorgungssicherheit analysiert.
Im Projektverlauf wurden zwei dezentrale Speicheranlagen in Herzberg installiert: ein Trinkwasserspeicher im Rathaus (2 m³, Edelstahl) und ein Löschwasserspeicher bei der Feuerwehr (8 m³, Kunststoff). Die Speicher wurden geplant, errichtet und in Betrieb genommen. Beide Speicher wurden überwacht und wissenschaftlich begleitet. Parallel wurde ein hydraulisches Netzmodell für Herzberg erstellt, das auf Verbrauchs-, Wetter- und Einwohnerdaten basierte. Eine Wasserbedarfsprognose wurde entwickelt, um Szenarien für den Netzbetrieb zu simulieren. Die Auswirkungen dezentraler Speicher auf den Netzdruck wurden unter verschiedenen Bedingungen untersucht. Ein digitales Lernvideo wurde zur Wissensvermittlung erstellt.
Der Speicher im Rathaus zeigte eine hygienisch stabile Betriebsweise mit nur kurzzeitigen Grenzwertüberschreitungen nach Inbetriebnahme. Die Materialwahl (Edelstahl) und kühle Aufstellung trugen zur mikrobiologischen Stabilität bei. Der Feuerwehrspeicher wies aufgrund von Kunststoffmaterial und höheren Temperaturen eine deutlich höhere mikrobiologische Aktivität auf, inklusive Nachweisen von Pseudomonas aeruginosa und Legionellen (v. a. Legionella anisa), jedoch ohne akute Gesundheitsgefährdung. Die hydraulische Modellierung zeigte, dass dezentrale Speicher Lastspitzen glätten und den Netzdruck stabilisieren können. Bis zu einem Anschlussgrad von 30 % war der Einfluss auf den Netzdruck gering, aber positiv. Eine zentrale, intelligente Steuerung der Speicherbefüllung ist entscheidend für die Effizienz. Der Betrieb dezentraler Speicher ist hygienisch möglich, erfordert jedoch regulatorische Anpassungen, klare Betreiberverantwortung und technische Steuerungssysteme.
