mycobuild: Wärmedämmverbundsysteme auf Basis von Myzel-Dämmmaterialien
DATIpilot Modul 1 Innovationssprints : Sachbericht zum Verwendungsnachweis (öffentlich)
Date
Editor
Advisor
Volume
Issue
Journal
Series Titel
Book Title
Publisher
Supplementary Material
Other Versions
Link to publishers' Version
Abstract
Im Projekt "mycobuild" konnte die grundsätzliche technische Machbarkeit myzelbasierter Dämmmaterialien für den Einsatz in einem Wärmedämmverbundsystem gezeigt werden. Es wurden Myzelproben und Myzelplatten hergestellt, geeignete Pilz-Substrat-Kombinationen identifiziert und grundlegende Materialkennwerte bestimmt. Als besonders vielversprechend erwies sich die Kombination aus dem Weißfäulepilz Pleurotus ostreatus und lignozellulosischen Hanfschäben. Ein wesentliches Ergebnis ist, dass die Materialeigenschaften stark von der Prozessführung abhängen. Substratzusammensetzung, Feuchtegehalt, Verdichtung, Belüftung, Sauerstoffversorgung, Inkubationsbedingungen und hygienische Handhabung beeinflussen Homogenität, Formstabilität und bauphysikalische Eigenschaften der Platten. Kontaminationen, ungleichmäßige Durchwachsung und Unterschiede zwischen kleinen Probekörpern und größeren Plattenformaten zeigten konkrete Optimierungsbedarfe auf. Die hergestellten Proben wurden unter anderem hinsichtlich Dichte, Wärmeleitfähigkeit, Wasseraufnahme, Dickenquellung und Feuchteaufnahmeverhalten untersucht. Die Ergebnisse bestätigen das Potenzial myzelbasierter Werkstoffe als biobasierte, offenporige Dämmstoffkomponenten. Gleichzeitig lagen die Wärmeleitfähigkeiten noch über denen etablierter Dämmstoffe wie EPS oder Mineralwolle, sodass weitere Optimierungen hinsichtlich Substratstruktur, Verdichtung, Homogenität und Prozessführung erforderlich sind. Auch die Kombination der Myzelplatten mit mineralischen Systemkomponenten konnte grundsätzlich demonstriert werden. Eine funktionale Verbindung zwischen organischer Myzelplatte und mineralischer Deck- bzw. Putzschicht ist möglich. Zudem wurde deutlich, dass die Platten sowohl ausreichend stabil und formbeständig sein als auch eine geeignete Anbindung an mineralische Materialien ermöglichen müssen. Ein simulierter Wandaufbau mit Myzel-Dämmung wurde vollständig verputzt und bezüglich der Dauerhaftigkeit getestet. Eine abschließende baupraktische Validierung, insbesondere hinsichtlich Dauerhaftigkeit, Alterung, Haftung und normativer Anforderungen, konnte innerhalb der Projektlaufzeit nicht abgeschlossen werden. Darüber hinaus wurde ein Konzept für die spätere Skalierung des Herstellungsprozesses erarbeitet. Die Übertragung auf größere Plattenformate sowie auf eine Technikums- oder Pilotanlage erfordert gezielte Anpassungen, insbesondere hinsichtlich Klimaführung, Luft- und Feuchteverteilung, Hygiene, Trocknung bzw. Inaktivierung und reproduzierbarer Chargenqualität. Eine vollständig validierte industrielle Umsetzung wurde im Projekt nicht erreicht, jedoch eine Grundlage für weiterführende Skalierungsarbeiten geschaffen. Als Nebenergebnisse wurden ein Kreislaufwirtschaftskonzept und ein projektbezogenes LCA-Screening erarbeitet. Dabei wurden Potenziale sortenreiner organischer Reststoffe sowie zentrale Herausforderungen durch die Verbindung organischer und mineralischer Bestandteile identifiziert. Das LCA-Screening zeigte insbesondere Materialeinsatz, Energiebedarf, Trocknung bzw. Inaktivierung und Ausschuss als relevante ökologische Einflussgrößen.
Zusammenfassend wurden die wissenschaftlichen und technischen Arbeitsziele im Labormaßstab weitgehend erreicht. Die industrielle Skalierung, die abschließende baupraktische Validierung und die Umsetzung eines industrietauglichen Produktionsprozesses konnten dagegen nur teilweise bzw. konzeptionell bearbeitet werden. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für weiterführende Forschungs-, Entwicklungs- und Transferprojekte.
