Digitalität - Diversität - Producing: Praktiken populärer Musik in Schule und Weiterbildung (DiDiPro), Teilprojekt DAW/ Lüneburg

Sachbericht im Rahmen des Forschungs-, Innovations- und Transferprojekts "Kompetenzzentrum für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und Weiterbildung in musisch-kreativen Fächern und Sport"

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Im Teilprojekt "Kreatives Arbeiten mit der Digitalen Audio Workstation (DAW)" der Leuphana Universität Lüneburg stand die Frage im Zentrum, wie DAWs als niedrigschwellige, kreative und diversitätssensible Werkzeuge für musikalische Produktionsprozesse aktuell in Schule und Weiterbildung erschlossen und sinnvoll(er) werden können. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass DAWs heute weit mehr sind als reine digitale Audio-Aufnahmeprogramme: Sie fungieren als Produktionsumgebung, Instrument und didaktischer Möglichkeitsraum zugleich, während ihre curriculare Verankerung im deutschen Kontext bislang nur punktuell ausgeprägt ist. Im Projektverbund wurde das Teilprojekt als eine Art Basis verstanden, denn viele der weiteren, anhand konkreter Phänomene entwickelten Teilprojekte setzen ebenfalls DAWs ein, sodass hier eine gute Vernetzung und Bezugnahme ermöglicht wurde.

Ziel des Projekts war es, Lehrkräfte und weitere Multiplikator:innen für einen reflektierten, kreativen und praxisnahen Umgang mit Musikproduktionstechnologien zu qualifizieren und hierfür übertragbare Lehr-/Lernangebote zu entwickeln. Dazu wurden diversitätssensible Workshopformate für mobile und stationäre DAW-Umgebungen konzipiert, alternative Interface-Konzepte (wie etwa Controller) einbezogen, die Ergebnisse fortlaufend evaluiert und in eine offene digitale Lernumgebung überführt.

Ein zentrales Ergebnis ist der Aufbau einer modularen Open-Access-Lernplattform auf WordPress-Basis, die zum Berichtszeitpunkt rund 25 Module/ Kurse umfasst. Die Angebote reichen von Material- und Infokursen über Kompaktkurse bis hin zu Genre-Spotlights und Songprojekten, etwa zum Remix, zur Bandaufnahme, zur Live-Performance mit Ableton Live, zum Hörspiel oder zur Produktion eines EDM- oder Singer/Songwriter-Songs. Die Plattform ist so angelegt, dass Nutzende sowohl punktuell einzelne Themen bearbeiten als auch aufeinander aufbauende Lernwege durchlaufen können. Die Kurse sind nach Niveaustufen differenziert und verbinden technische Grundlagen mit kulturellen, speziellen ästhetischen und diversitätsspezifischen Perspektiven.

Didaktisch folgt das Teilprojekt konsequent dem Prinzip "train the trainer": Lehrkräfte und Lehramtsstudierende sollen sich zunächst selbst praktisch und theoretisch im Feld der DAW-Produktion orientieren, sich grundlegende Fähigkeiten und Wissen aneignen, um dann die erworbenen Kompetenzen anschließend reflektiert in schulische und außerschulische Vermittlungskontexte zu übertragen. Die Lernmodule kombinieren deshalb Einführung, technische Voraussetzungen, praktische Umsetzung und Impulse für den Unterrichtstransfer. Eingesetzt werden Texte, Bilder, Videos und Mustersongs sowie weitere digitale Materialien zum Selbstlernen.

Zur Erprobung der Konzepte wurden Workshops mit Lehrkräften und Studierenden durchgeführt und weitere Formate mit Schulen und Fortbildungseinrichtungen vorbereitet. Dabei kam ein mobiles Soundlab mit acht Workstations und zusätzlichen Hardware-Controllern zum Einsatz, das sich als flexibel und praxisnah für unterschiedliche Lernsettings bewährt hat. Die Workshoparchitektur verbindet Basic- und Advanced-Formate: Grundlagen der Musikproduktion mit Smartphone- und Tablet-Apps werden in weiterführenden Angeboten auf professionelle DAW-Umgebungen mit Computer, Interface, Controllern, Mikrofonen und Monitoren übertragen.

Ein besonderer Akzent des Projekts liegt auf Diversität und Zielgruppenorientierung. Einzelne Workshops wurden gezielt für nicht-männliche Lehrkräfte konzipiert, um macht- und diversitätssensible Fragestellungen differenziert bearbeiten zu können. Zugleich orientieren sich Inhalte und musikalische Zugänge an populären Musikkulturen und an den Lebenswelten Jugendlicher, etwa über Bezüge zu Hip-Hop, House, Techno, Trap oder R&B. Auf diese Weise verbindet das Teilprojekt musiktechnologische Qualifizierung mit Fragen kultureller Teilhabe und zeitgemäßer, postdigitaler Musikpädagogik.

Auch methodisch ist das Projekt auf iterative Entwicklung angelegt. Die Workshops und Plattformangebote werden durch Online-Fragebögen, Prä-/Post-Befragungen, Fokusgruppen und Expert:innen-Interviews begleitet. Rückmeldungen der Teilnehmenden flossen dabei unmittelbar in die Weiterentwicklung der Lernplattform und der didaktischen Formate ein. Parallel dazu wurde ein interdisziplinäres Entwicklungsteam aus Projektleitung, wissenschaftlichem Mitarbeiter, Lehrkräften sowie künstlerisch-pädagogisch arbeitenden Praktiker:innen aufgebaut, das die Inhalte in einem fortlaufenden kooperativen Prozess entwickelt, iterativ weiterentwickelt und sich untereinander abstimmt.

Insgesamt zeigt das Teilprojekt, wie musikpädagogische Professionalisierung im Feld digitaler Musikproduktion gestaltet werden kann: praxisnah, offen zugänglich, diversitätssensibel und anschlussfähig an schulische wie hochschulische Bildungsprozesse. Mit der Kombination aus Workshops, mobilem Soundlab und modularer Lernplattform wurden tragfähige Strukturen geschaffen, die eine nachhaltige Weitergabe von Kompetenzen im Sinne eines didaktischen Doppeldeckers ermöglichen und das Thema DAW-basierte Musikproduktion stärker in musikpädagogische Kontexte hineintragen.

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