Fahrzeugbeschaffungsprozesse im städtischen Schienenverkehr : Eine Analyse zur Beschleunigung der Beschaffungsprozesse von Fahrzeugen im Geltungsbereich der BOStrab
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Abstract
Das vorliegende Forschungsvorhaben zielt darauf ab, Potentiale zur Optimierung der Beschaffungs prozesse von Straßen- und Stadtbahnen zu ermitteln, um den städtischen Schienenverkehr als Teil der Verkehrswende effektiv zu stärken. In Anbetracht der Tatsache, dass städtischer Schienenver kehr in einigen Großstädten bereits an seine Kapazitätsgrenzen stößt und herkömmliche Erweite rungen des Fahrzeugbestands zeit- und aufwandsintensiv sind, stellt das Forschungsprojekt die Be schleunigung des Beschaffungsprozesses in den Vordergrund. Der Beschaffungsprozess wird zwecks Analyse in drei Phasen eingeteilt: Vorbereitung, Ausschrei bung und Auftragsdurchführung. Bei der Auswertung der Prozesse werden Aspekte wie Fahrzeug design, begleitende Instandhaltungs- und Ersatzteil-Dienstleistungen sowie Unternehmensgröße betrachtet. Dabei werden Einflussfaktoren wie die COVID-19-Pandemie und die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine in den zeitlichen Rahmen eingeordnet. Die Primärdatenerhebung erfolgt bei den Verkehrsunternehmen in Deutschland und einer Europäische Union (EU)-Auswahl mittels eines qualitativen Fragenkataloges, Interviews sowie ergänzender Literatur- und Internetrecherchen. Diese Studie konzentriert sich dabei auf die Beschaffung von Straßen- und Stadtbahnfahrzeugen im Zeitraum von 2012 bis 2022. Die Analyse ergab, dass Ausschreibungs- und Auftragsumsetzungsphasen in Deutschland durch schnittlich länger dauern als in anderen EU-Ländern, wobei diese zeitliche Diskrepanz tendenziell beim Vergleich von Verfahren mit ähnlichem Leistungsumfang abnimmt. Faktoren wie die Auswahl bzw. das Abweichen von Standardlösungen im Bereich der Fahrzeugtechnik, Komplexität der In standhaltungsleistungen und Ressourcenengpässe wurden als Hauptursachen für Verzögerungen identifiziert, Faktoren im Zusammenhang mit höher Gewalt ausgenommen. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer gründlichen Vorbereitung, eindeutiger Vorgaben für Lieferobjekte und Nachweisverfahren sowie ausreichender Personalressourcen. In Bezug auf gemeinsame Beschaffungsvorhaben verschiedener Verkehrsbetriebe: Eine Netzanalyse der Straßen- und Stadtbahnsysteme in Deutschland zeigt signifikante Unterschiede auf, mit der Schlussfolgerung, dass existierende Standardfahrzeuge häufig nicht zum Einsatz kommen können beziehungsweise umfangreicher Anpassung bedürfen. Ein hoher Grad an Netzübereinstimmung ist jedoch nicht das einzige Kriterium für gemeinsame Beschaffungen. Insbesondere für kleinere Ver- kehrsunternehmen können gemeinsame Anschaffungen die Beschaffungszeiten reduzieren, wenn man sich auf möglichst weitgehende Standards einigt. Zusammenfassend bietet die Untersuchung Empfehlungen für die Beschleunigung des Beschaf- fungsprozesses an, die technische, organisatorische und rechtliche Aspekte umfassen. Hierzu zählen die Standardisierung von Vergabeunterlagen, der Einsatz von IT-Tools, ein verbessertes Ressourcen- management und die Etablierung eines effektiven Projekt- und Qualitätsmanagements. Datei-Upload durch TIB
This research project aims to identify potential optimization in the procurement processes of trams and light rail vehicles, to effectively strengthen urban rail transport as part of the traffic transition. Considering that urban rail transport in some major cities is already reaching its capacity limits, and conventional expansions of the rolling stock are time-consuming and labor-intensive, this research project prioritizes accelerating the procurement process. The procurement process is divided into three phases for analysis: preparation, tendering, and project execution. The evaluation of the processes considers aspects such as vehicle design, accompanying maintenance and spare parts services, and company size. Influencing factors such as the COVID-19 pandemic and the effects of the war in Ukraine are placed in the temporal context. Primary data collection is carried out with transport companies in Germany and selected EU countries using a qualitative questionnaire, interviews, and additional literature and internet research. This study fo cuses on the procurement of trams and light rail vehicles in the period from 2012 to 2022. The analysis showed that tendering and project implementation phases in Germany typically take longer than in other EU countries, although this time discrepancy tends to decrease when comparing procedures with similar scopes of services. Factors such as the selection or deviation from standard solutions in vehicle technology, complexity of maintenance services, and resource shortages were identified as the main causes of delays, excluding force majeure-related factors. The investigation underlines the importance of thorough preparation, clear specifications for deliv- erables and proof procedures, as well as sufficient personnel resources. Regarding joint procurement initiatives of various operators: A network analysis of tram and light rail systems in Germany reveals significant differences, concluding that existing standard vehicles often cannot be used, or require extensive adaptation. However, a high degree of network compatibility is not the only criterion for joint procurement. Particularly for smaller transport companies, joint pur- chases can reduce procurement times if an agreement is reached on the most comprehensive stand- ards possible. In summary, this study offers recommendations for accelerating the procurement pro- cess, encompassing technical, organizational, and legal aspects. These include the standardization of tender documents, the use of IT tools, improved resource management, and the establishment of effective project and quality management.
