Standortfaktor Bahn
Die Bedeutung von Bahninfrastruktur für die Attraktivität einer Region als Lebens- und Wirtschaftsstandort
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Die Verkehrsinfrastruktur ist ein wichtiger Standortfaktor, da sie häufig eine notwendige Vorausset- zung für wirtschaftliche Aktivität und gesellschaftliche Teilhabe darstellt. Mit der Studie wird die Bedeutung von Schienenverkehrsinfrastruktur für die Standortattraktivität analysiert und im Kontext aktueller Ansprüche von Unternehmen und Bevölkerung für Deutschland insgesamt als auch in spe- zifischen Raumtypen (Fokusregionen) beleuchtet. Wesentliche Ergebnisse stammen aus einer Aus- wertung des aktuellen Forschungsstandes sowie aus zwei bundesweiten Befragungen und sechs Be- fragungen in Fokusregionen. Die Ergebnisse zeigen, dass Schienenverkehr seine Bedeutung nicht isoliert entfaltet. Vielmehr han- delt es sich um ein komplexes Geflecht erklärender Variablen und Moderatoren, die die Wirkung auf Unternehmen wie auch auf die Wohnbevölkerung prägen. Deutlich wird, dass eine bloße Unterschei dung zwischen raumstrukturellen Kategorien nicht ausreicht, um die unterschiedlichen Ausprägun- gen nachvollziehen zu können. Selbst in vermeintlich ähnlichen Raumtypen lassen sich teils höchst divergierende Effekte des Schienenverkehrs beobachten. Die Bahnanbindung spielt bei Wohnortentscheidungen insgesamt eine eher untergeordnete Rolle. Zwar wird der Ausbau des Schienenverkehrs vielfach als wichtiger Beitrag zur regionalen Entwick lung eingeschätzt, doch andere Standortfaktoren wie Nahversorgung, Gesundheitsinfrastruktur oder Immobilienpreise haben für die Mehrheit der Bevölkerung eine höhere Relevanz. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen: Für junge Erwachsene, Per- sonen ohne Pkw-Zugang, Hochverdienende und Mobilitätseingeschränkte hat die Bahnanbindung eine spürbar höhere Bedeutung. Die gesamtwirtschaftlichen Effekte des Schienenverkehrs auf die regionale Wirtschaftskraft und Be schäftigung werden in aktuellen Studien überwiegend positiv bewertet. Die Unternehmensbefra- gung zeigt zudem, dass die Bahnanbindung – insbesondere im Personenverkehr – für viele Unter nehmen zu den relevanten Standortfaktoren zählt, auch wenn sie hinter zentralen Aspekten wie Marktzugang, Kostenstrukturen oder Ressourcenverfügbarkeit zurücktritt. Der Güterverkehr wird gesamtwirtschaftlich hingegen deutlich weniger stark gewichtet. Zudem variiert die Bedeutung deutlich zwischen Branchen und Unternehmensgröße.
Transport infrastructure is an important locational factor, as it is often a necessary prerequisite for economic activity and social participation. This study analyses the role of rail transport infrastructure in determining location attractiveness and examines it in light of current demands from businesses and the general population — both across Germany as a whole and in specific types of regions (focus areas). The key findings are based on a review of the current research, two nationwide surveys, and six regional case studies. The results show that the significance of rail transport does not develop in isolation. Rather, it is embedded in a complex network of interrelated variables and moderating factors that shape its im- pact on businesses and residents. It becomes clear that simply distinguishing between spatial or structural categories is not sufficient to capture these differences. Even among seemingly similar types of regions, the effects of rail transport can vary considerably. Rail connections play a relatively minor role in residential location decisions. Although the expansion of rail transport is often viewed as an important contribution to regional development, other loca- tional factors — such as local amenities, healthcare infrastructure, and real estate prices — are more relevant for most of the population. At the same time, clear differences emerge between population groups: rail connections are significantly more important for young adults, people without access to a car, high-income earners, and individuals with limited mobility. Current research generally assesses the overall economic effects of rail transport on regional eco- nomic strength and employment as positive. The company survey also shows that rail connections — especially in passenger transport — are considered relevant locational factors by many firms, even if they rank behind core aspects such as market access, cost structures, or resource availability. Freight transport, by contrast, plays a much smaller role in the overall economy. Its importance also varies considerably by industry and company size.
