Fahren ohne Fahrerlaubnis: Häufigkeit und Hintergrund
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Abstract
In der vorliegenden Untersuchung wurde der Tatbestand des Fahrens ohne Fahrerlaubnis umfassend anhand eines multimethodalen Ansatzes untersucht. Dazu wurden Hellfelddaten analysiert und eine quantitative Dunkelfeldstudie durchgeführt, die durch qualitative Interviews mit Expert:innen und Betroffenen ergänzt wurde. Anhand experimenteller Studien wurden Präferenzen für Sanktionsmaßnahmen ermittelt. Auf Basis der empirischen Daten wurden anschließend juristische Empfehlungen zur Optimierung rechtlicher Vorgaben abgeleitet. Die Ergebnisse beleuchten die vielfältigen Motive und sozialen Kontexte des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und bieten praxisorientierte Ansätze zur Prävention, die rechtliche, soziale und strukturelle Aspekte einbeziehen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Fahren ohne Fahrerlaubnis ein komplexes Phänomen ist, das durch persönliche, soziale und strukturelle Faktoren beeinflusst wird. Häufige Motive sind Notfälle, eingeschränkte Mobilitätsalternativen, berufliche Verpflichtungen sowie soziale und finanzielle Aspekte. Personen, die wiederholt ohne Fahrerlaubnis fahren, neigen dazu, dieses Verhalten zu normalisieren und unabhängig von äußeren Umständen zu rechtfertigen. Als Haupttätergruppe konnten, im Hell- wie auch Dunkelfeld, erwachsene männliche Fahrer ausgemacht werden. Als häufig auftretende Fallkonstellation ist der vorherige Entzug der Fahrerlaubnis auszumachen, welcher häufig in Verbindung mit weiteren Straftaten, wie Fahrten unter Substanzen- oder Alkoholeinfluss, auftritt. Die Bewertung des Verhaltens des sozialen Umfeldes und die Wahrnehmung geringer Konsequenzen spielen dabei eine zentrale Rolle. Präventive Maßnahmen sollten finanzielle und zeitliche Hürden – insbesondere im Rahmen der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) – abbauen und gezielt soziale und strukturelle Hintergründe adressieren, um den Erwerb einer Fahrerlaubnis zu erleichtern. Die Ergebnisse liefern wertvolle Ansätze für die Entwicklung rechtlicher Interventionen, die Verhaltensänderungen fördern und die sozialen sowie finanziellen Belastungen der Betroffenen berücksichtigen.
