Schlussbericht zum Verbundprojekt "ESSEM" - Emotionswahrnehmung für (E-)Fahrradsicherheit und Mobilitätskomfort
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Abstract
Das Fahrrad als Verkehrsmittel der Wahl erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. Insbesondere das Aufkommen von Fahrrädern mit Elektroantrieb erschließt neue Nutzendengruppen und senkt die Nutzungsbarrieren für Menschen, die zuvor andere Verkehrsmittel zur Fortbewegung genutzt haben. Damit einher geht eine steigende Belastung der bestehenden innerstädtischen Fahrrad- und Verkehrsinfrastruktur. Eine teils mangelhafte Beschaffenheit von Radwegen und bauliche Hindernisse führen zu Beeinträchtigungen im Sicherheitsempfinden von Radfahrenden. Dies spiegelt sich in der Anzahl der stattgefundenen Unfälle wider. Während die Anzahl der Unfälle mit Beteiligung von Fahrrädern ohne Elektroantrieb über die letzten Jahre auf einem hohen Ni- veau verbleibt, steigt besonders die Anzahl der Unfälle mit Beteiligung eines E-Fahrrads stetig an (Statistisches Bundesamt, 2024). Das subjektive Sicherheitsempfinden leidet jedoch neben tatsächlich stattgefundenen Unfällen auch durch Beinaheunfälle, Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmenden, insbesondere dem motorisierten Individualverkehr (MIV), und unübersichtlichen Verkehrssituationen- und Infrastrukturen. Diese subjektive Komponente des Sicherheitsempfindens erhöht Nutzungsbarrieren für das (E-)Fahrrad zusätzlich, insbesondere für vulnerable Gruppen. Während traditionelle Unfallstatistiken die tatsächlich stattgefunden Unfälle im Rad-/Straßenverkehr abbilden, bleibt die subjektive Komponente des Sicherheitsempfinden untererforscht. Ziel des Projekts Emotionswahrnehmung für (E-)Fahrradsicherheit und Mobilitätskomfort - ESSEM war es, mit Hilfe von innovativen Methoden die Punkte im urbanen Kontext zu identifizieren, welche zu einer erhöhten negativen Erregung, gemeinhin als "Stress" bezeichnet, führen und dadurch das Sicherheitsempfinden von Radfahrenden negativ beeinflussen.Anhand von biostatischen Daten (Emotion Sensing) und deren Verknüpfung mit Umwelt- sowie personenbezogenen Eigenschaften von Radfahrenden wurden wahrgenommene Gefahrensituationen im urbanen Raum identifiziert. Durch den direkten Austausch mit Radfahrenden im Rahmen von Workshops wurden diese identifizierten "Hotspots" interpretiert und mit dem individuellen Erleben der Studienteilnehmenden abgeglichen. Anhand dieser Informationen können Optimierungsbedürfnisse in den Bereichen Radinfrastruktur und Produktentwicklung ausgemacht und Handlungsempfehlungen für die kommunale (Rad-)Verkehrsplanung abgeleitet werden. Auf diese Weise kann durch verschiedene auf diesen Informationen basierende infrastrukturelle oder produktbezogene Maßnahmen gezielt auf das Sicherheitsempfinden und den Mobilitätskomfort von Radfahrern eingewirkt werden.
