Technologie römischer Glashütten im Rheinland
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Abstract
Innerhalb der letzten 20 Jahre wurden im rheinischen Braunkohlenrevier „Hambacher Forst" nahe Jülich fünf römische Glashütten ausgegraben. Die fünfte und letzte (Fundplatz HA 132) war die erste großflächige Ausgrabung einer römischen Glashütte in Deutschland. Die Ausgrabung begann 1994 und dauerte bis zum Sommer 1996. Trotz schlechten Erhaltungszustandes war es möglich, aus den Fundamentresten die Grundformen, d.h. Rund- und Halbkreisform der Glasöfen zu erkennen. Ein Vergleich mit den Öfen der früher ausgegrabenen Hambacher Glashütten ergibt für alle die gleichen Grundformen und somit eine Identität der Funktion. Gleiches gilt für das Fundmaterial. Hafenscherben und Glasbruch aller fünf Hütten sind identisch und austauschbar. Es wird nachgewiesen, daß es sich bei den Hambacher Glashütten um Weiterverarbeitungsbetriebe handelte, in denen aus angeliefertem Rohglas naturfarbenes Haushaltsglas gefertigt wurde. Nach Klärung der Betriebsform war es möglich, die Funktion der Öfen zu entschlüsseln. Eine Glasverarbeitungshütte verfügt über zwei Ofenarten: Schmelzofen und Kühlofen, die zeitlich und räumlich zusammenarbeiten. Aus der Funktionsbestimmung ergibt sich die Rekonstruktion in Form von Skizzen und Modellen. Es werden archäologische und historische Beweise dafür erbracht, daß Rohglas ein wichtiges Gebrauchsgut war und daß es Werkstätten zur Erzeugung von Rohglas und andere für die Weiterverarbeitung gab. Rohglas wurde in Ägypten und in der Levante hergestellt und von dort in die ganze antike Welt verschifft.