AddIChron: Akzeptanz digitaler, datenbasierter Interventionen für chronische Erkrankungen am Beispiel Typ-2-Diabetes
Forschungsprogramm zu interaktiven Technologien für Gesundheit und Lebensqualität: „Miteinander durch Innovation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
Date
Authors
Editor
Advisor
Volume
Issue
Journal
Series Titel
Book Title
Publisher
Supplementary Material
Other Versions
Link to publishers' Version
Abstract
Durch technologische Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz gewinnt der Einsatz Chatbot-basierter Assistenzsysteme in der Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Ein vielsprechendes Anwendungsfeld ist die Begleitung chronisch erkrankter Menschen. Im Verbundprojekt "AddIChron" untersuchte Thryve / mHealth Pioneers GmbH zwischen August 2022 und Oktober 2024 gemeinsam mit der DOCYET Gmbh, der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg, der Leuphana Universität Lüneburg und dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden die Potenziale eines datenbasierten Assistenzsystems zur individualisierten Versorgung von Diabetes-Typ-2-Patient*innen. Dafür stand für Thryve im Fokus, gemeinsam mit den Partnern ein Framework für die Potentiale, Chancen und Risiken adaptiver Chatbots aus technischer und verhaltensbezogener Perspektive zu entwickeln und mit automatisch erfassten, objektiven Messdaten aus vernetzten Gesundheitstrackern wie Fitnesstrackern und Blutzuckermessgeräten zu unterstützen. Thryve hat dabei seine Kompetenzen in den Bereichen Datenintegration und Datenauswertung für die Gewinnung und Nutzung von indikationsbezogenen Biomarkern eingebracht. Zu Beginn des Projekts fokussierte sich Thryve zunächst auf die Identifikation geeigneter Biomarker für die Messung von Verhaltens- und Therapieadhärenz bei Diabetes-Patient:innen und prüfte deren technische Umsetzbarkeit mit marktüblichen Wearables und Blutzuckermessgeräten. Zentrales Ziel war es, eine geräteübergreifende Datenerhebung zu ermöglichen, um eine marktoffene und zukunftsfähige Lösung zu schaffen. Frühzeitig wurde erkannt, dass hierfür standardisierte Metriken erforderlich sind, die eine Unabhängigkeit von proprietären Systemen einzelner Hersteller gewährleisten. Im Verlauf des Jahres 2023 erfolgte eine umfassende technische Exploration möglicher Anbindungsstrategien für Blutzuckermessgeräte. Evaluierte Integrationspfade umfassten Bluetooth- und NFC-Schnittstellen sowie dokumentierte und undokumentierte cloudbasierte Hersteller-APIs. Es zeigte sich, dass insbesondere mittelbare Anbindungen über Cloud-Schnittstellen trotz höherer technischer Komplexität häufig die robusteste und praktikabelste Lösung darstellen. Die Untersuchung unterstrich zugleich die Notwendigkeit eines tiefen Verständnisses herstellerspezifischer Datenflüsse und API-Logiken sowie einer engen Kooperation mit den jeweiligen Anbietern. Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Erkenntnis, dass eine technische Anbindung physiologischer Sensorik eine valide erste Grundlage für eine individualisierte Nutzerinteraktion, etwa durch einen dialogbasierten Chatbot, im Kontext von Gesundheitsversorgung liefern kann. Diese Verzahnung wurde im Projektverlauf erfolgreich in einer App für iOS und Android als Technologie-Demonstrator umgesetzt, der eine integrierte Benutzeroberfläche für die Datenerhebung über Fragebögen und vernetzte Geräte sowie die Interaktion mit einem individualisierbaren Chatbot bietet. Trotz signifikanter technischer Fortschritte verzögerte sich die geplante Feldstudie aufgrund von Personalwechseln und Herausforderungen in der Freigabe durch die Ethikkommission des Universitätsklinikums Dresden erheblich. Alternativszenarien für die Datenerhebung konnten aus forschungspraktischen Gründen nicht sinnvoll realisiert werden. Während sich andere Projektpartner für eine kostenneutrale Verlängerung entschieden, konzentrierte sich Thryve – mangels finanzieller Machbarkeit – auf die abschließende Fertigstellung und Evaluation des Demonstrators sowie auf die Analyse möglicher Verwertungs- und Schutzkonzepte. Zusammenfassend konnte Thryve in der Kooperation mit den Konsortialpartnern belegen, dass ein interoperables, geräteübergreifendes Systems zur Individualisierung von Nutzer-Interaktionen unter Verwendung verteilter digitaler Gesundheitsdaten konzeptionell und technisch umsetzbar ist. Die entwickelten Konzepte zur Integration von Biomarkern aus Wearables und Blutzuckermessgeräten sind unmittelbar in zukünftigen Produktentwicklungen und Forschungsprojekten verwertbar. Insbesondere die MET-Metrik zeigt hohes Potenzial für die Individualisierung von Gesundheitsservices auch über den Diabeteskontext hinaus, etwa für chronisch-lifestylebedingte Erkrankungen. Die entwickelten Verfahren zur Integration auch nicht-dokumentierter Datenquellen stärken die Positionierung Thryves als Anbieter datensparsamer, DSGVO-konformer Lösungen im Bereich hochfrequenter Gesundheitsdaten. Der gemeinsam mit DocYet realisierte Demonstrator bietet zudem ein anschlussfähiges Modell für personalisierte Nutzerinteraktion, das in künftigen Anwendungen und Studien weiter genutzt und ausgebaut werden kann. Perspektivisch strebt Thryve eine Beteiligung an wissenschaftlichen Publikationen an, um die Relevanz der Projektergebnisse für eine verbesserte Gesundheitsversorgung weiter sichtbar zu machen.
