Schlözer-Programm-Lehrerbildung - II (SPL-II)

Abstract

Fächerübergreifend, forschungsorientiert und gerecht gegenüber einer vielfältigen Schüler:innenschaft: Der Schulunterricht von morgen muss sich vielen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Mit dem Schlözer-Programm-Lehrerbildung (SPL) hat die Universität Göttingen Lehramtsstudierende besser auf diese Herausforderungen vorbereitet. Die Lehrer:innenbildung ist ein zent-rales Segment der Hochschule. Die ca. 2.300 Lehramtsstudierenden, die etwa neun Prozent der Studierendenschaft insgesamt stellen, profitieren von der hohen Qualität der Lehrangebote in allen Bereichen, den exzellenten Möglichkeiten, an Forschung zu partizipieren, und den engagierten Kooperationen in Praxisprojekten mit den Schulen der Region. Vor diesem Hintergrund wurden in der viereinhalbjährigen 2. Förderphase (07/2019–12/2023) die bisherigen Ziele des SPL, die zukünftigen Lehrkräfte bestmöglich für die komplexen Anforderungen des 21. Jahrhunderts im Berufsfeld Schule zu qualifizieren, mit neuen Akzenten und unter Einbe-ziehung weiterer Bereiche der Göttinger Lehrer:innenbildung verfolgt. Dabei wurden erneut Entwicklungsmaßnahmen und For-schungsvorhaben systematisch miteinander verknüpft. Zu den Handlungsbereichen im SPL gehörten die Themenschwerpunkte „Fächer vernetzen“, „Lehrerkompetenzen entwickeln“ und „Diversität gerecht werden“. Zur Bilanz der 2. Förderphase zählen neben den zahlreichen Publikationen, Tagungen und Netzwerktreffen die nachhaltigen Weiterentwicklungen der Lehrer:innenbildung, zu denen die drei Handlungsbereiche mit ihren jeweiligen Foki maßgeblich beigetragen haben. Im Handlungsbereich A („Fächer vernetzen“) wurde ein Zertifikatsprogramm zum „Fächerübergreifenden Unterrichten“ mit vier Schwerpunkten – „Unterrichten von Naturwissenschaften“, „Unterrichten von Gesellschaftslehre“, „Bilinguales Unterrichten in den natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern“ sowie „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ – stetig weiterentwickelt und um-gesetzt. Die Angebote ermöglichen es Lehramtsstudierenden des gymnasialen Lehramts, sich gezielt auf fächerübergreifendes und fachfremdes Unterrichten v. a. an Integrierten Gesamtschulen vorzubereiten. Das 16 Credits umfassende Zertifikatsprogramm ist sowohl im 2-Fächer-Bachelor als auch im Master of Education implementiert und verstetigt, sodass Lehramtsstudierende es voll-ständig im Rahmen ihres regulären Studiums und auch über das Ende der 2. Förderphase hinaus absolvieren können. Die in der 1. Förderphase entwickelten Instrumente für die Wirkungsevaluation der Schwerpunkte sowie für eine Längsschnittanalyse von Selbstwirksamkeitserwartungen zum Unterrichten von Naturwissenschaften wurden eingesetzt. Zudem wurden erste Ergebnisse zu den von Biologie-Lehramtsstudierenden wahrgenommenen Vor- und Nachteilen beim Unterrichten von Naturwissenschaften gewonnen. Der Handlungsbereich B („Lehrerkompetenzen entwickeln“) zielte darauf, verstärkt Lehrkonzepte zu implementieren und die Refle-xions- und Forschungskompetenzen von Lehramtsstudierenden zu fördern. Die während der 1. Förderphase installierte Methoden-beratung wurde sowohl im analogen wie digitalen Raum fortgeführt. Sie unterstützt Lehramtsstudierende aller Fächer bei der Pla-nung und Durchführung eigener empirischer (Abschluss-)Arbeiten und wurde von den Teilnehmenden durchweg positiv evaluiert. Dabei sollten die Lehramtsstudierende nicht nur bestimmte fachliche Inhalte und Methoden erlernen, sondern generell einen „for-schenden“ oder einen „forschend-reflexiven Habitus“ ausbilden. Die Ergebnisse der 1. Förderphase zeigten dahingehend einen Bedarf an der systematischen Förderung von Forschungskompetenzen im gesamten Ausbildungscurriculum. In den Pilotfächern Geschichte und Biologie sind die Bachelor- und Masterveranstaltungen so modifiziert und den Lehramtsstudierenden transparent gemacht worden, dass sie Erkenntnisinteressen fachspezifischer Forschung und mögliche theoretische Zugänge thematisieren (forschungsbasiert), wissenschaftliche Arbeitsweisen vermitteln (forschungsorientiert) oder das Durchführen eigener Forschungs-projekte ermöglichen (Forschendes Lernen). Zur weiteren Förderung der Forschungskompetenzen sind die in den geistes- und lebenswissenschaftlichen Schüler:innenlaboren der 1. Förderphase entstandenen Ausbildungs- und Evaluationsinstrumente auf andere Fächer bzw. Gegenstandsbereiche innerhalb der Fächer übertragen und eingesetzt worden. Das von der Didaktik des Eng-lischen in Kooperation mit dem geisteswissenschaftlichen Schüler:innenlaborlabor (YLAB) konzipierte Lehr-Lern-Format wurde auf die Ausbildung von Französischlehrkräften transferiert. Das von der Didaktik der Biologie zusammen mit dem lebenswissenschaft-lichen Schüler:innenlabor (BLAB) konzipierte Lehr-Lern-Format wurde für die Fachpraktika Biologie im Master of Education bereit-gestellt, den curricularen Anforderungen entsprechend für die Planung von Biologieunterricht weiterentwickelt und dabei auf neue Gegenstandsbereiche angepasst. Der Einsatz von Unterrichtsvideos in der Lehre gilt seit einiger Zeit als ein probates Mittel, damit Lehramtsstudierende Reflexionskompetenzen entwickeln. Mit dem „Repositorium Lehrforschung Unterricht“ (ReLUG) ist unter Rückgriff auf die in der 1. Förderphase aufgezeichneten Unterrichtsstunden ein digitales Archiv mit Stundenmitschnitten und -aus-schnitten verschiedener Fächer sowie den dazugehörigen Transkripten, Unterrichtsprotokollen, Raumskizzen und Materialien ent-standen, das Lehramtsstudierende wie Dozierende der Universität für Lehre und Forschung nutzen. Im Handlungsbereich C („Diversität gerecht werden“) wurde an einen in der 1. Förderphase entwickelten Lehransatz, der auf die Qualifizierung von Studierenden für eine differenz- und diversitätssensible Gestaltung von Schule und Unterricht zielt, mit dem Ziel angeknüpft, Lehrkonzepte zu inklusiver Gestaltung von Fachunterricht zu konzipieren und zu erproben. Diese Lehrkonzepte wurden in Veranstaltungen der Didaktiken Deutsch, Englisch, Romanistik, Politik, Sport, Erziehungswissenschaft, der Mehrsprachigkeits- sowie Diversitätsforschung u. a. mit Gruppendiskussionen mit Studierenden formativ evaluiert und weiterentwickelt. Hierzu entstan-den in enger Verzahnung fünf Promotionsvorhaben, die die Konstruktion von Diversität und Heterogenität in schulfachlichen Kon-texten untersuchten. Alle Entwicklungen in den Themenschwerpunkten wurden intern durch einen wissenschaftlichen Beirat und extern durch die (Hoch-schul-)Öffentlichkeit begleitet und kommentiert. Zusätzliche zu den Verstetigungen haben die im SPL aufgeworfenen Fragen Anstoß für Anschlussprojekte gegeben haben, die über die 2. Förderphase und damit das Ende der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ hinausreichen. Beide Förderphasen zusammengenommen, ist das SPL ist vor acht Jahren angetreten, um besonders relevante Bereiche der Lehrer:innenbildung durch Vernetzung zwischen Fachdidaktiken und zwischen Fachdidaktiken und Bildungswissen-schaft zu stärken. Es hat seinen Auftrag, Lehrkonzepte zu entwickeln, zu erproben und forschungsbasiert weiterzuentwickeln, erfüllt – und es sind neue Ideen, Konzepte und Strukturen für die Lehrer:innenbildung sowie neue Instrumente für die Forschung entstan-den, die dauerhaft fortwirken. Das SPL wurde im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.

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Interdisciplinary, research-oriented, and equitable towards a diverse student body: Tomorrow’s school education must confront many societal challenges. With the Schlözer Teacher Education Programme (German: Schlözer-Programm-Lehrerbildung, SPL), the University of Göttingen has better prepared student teachers for these challenges. Teacher education is a central segment of the university. Approximately 2,300 student teachers, constituting about nine percent of the overall student body, benefit from the high quality of teaching in all areas, excellent opportunities to participate in research and committed collaborations in projects with schools in the region. Against this backdrop, the goals of the SPL were pursued in the four-and-a-half-year second funding phase (07/2019–12/2023), aiming to optimally qualify future teachers for the complex demands of the 21st century in the field of education, with new emphases and involving additional areas of teacher education in Göttingen. Development measures and research projects were systematically linked once again. The SPL's areas included the thematic focuses “Connecting Subjects”, “Developing Teacher Competencies” and “Meeting Diversity Needs”. The assessment of the second funding phase includes numerous publications, con-ferences, and networking events, as well as lasting developments in teacher education, to which the three areas contributed signif-icantly along their respective focuses. In Area A (“Connecting Subjects”), a certificate programme for “Interdisciplinary Teaching” was continuously developed and imple-mented with four focuses – “teaching natural sciences”, “teaching social studies”, “bilingual teaching in natural and social science” and “education for sustainable development”. These offerings allow future grammar school student teachers to specifically prepare for interdisciplinary and out-of-field teaching, especially at integrated comprehensive schools. The 16-credit certificate programme is implemented in both the 2-subject Bachelor of Arts and the Master of Education, ensuring that student teachers can complete it entirely within the bounds of their regular studies and even beyond the end of the second funding phase. The measurement instru-ments developed during the first funding phase for evaluating the impact of the focuses and for a longitudinal analysis of self-efficacy beliefs for teaching natural sciences were utilised. Additionally, initial results were obtained from biology student teachers regarding the perceived advantages and disadvantages of teaching natural sciences. Area B (“Developing Teacher Competencies”) aimed to implement teaching concepts more strongly and foster the reflection and research competencies of student teachers. The methods consultation installed during the first funding phase was continued both in face-to-face and online settings. It supports student teachers from all disciplines in planning and conducting their own empirical (final) theses and has been consistently positively evaluated by participants. The goal was for student teachers to not only learn specific subject content and methods but also to develop a "researching" or "research-reflective habitus" in general. Results of the first funding phase indicated a need for systematic promotion of research competencies throughout the entire curriculum. In the pilot subjects of history and biology, the bachelor's and master's courses were modified and made transparent to student teachers, addressing specific research interests, possible theoretical approaches (research-based), conveying scientific working methods (research-oriented), or enabling the implementation of their own research projects (research-based learning). To further promote research competencies, the training and evaluation instruments developed in the humanities and life sciences student labs of the first funding phase were transferred and used for other subjects or different subject areas within the pilot subjects. The teaching-learning format conceived by the English didactics in cooperation with the humanities student lab (YLAB) was transferred to the training of French teachers. The teaching-learning format conceived by the biology didactics in collaboration with the life sciences student lab (BLAB) was provided for biology internships in the Master of Education, further developed according to curriculum requirements for planning biology lessons, and adapted to new subject areas. For some time, the use of instructional videos in teaching has been considered an effective means for student teachers to develop reflective competencies. With the “Repository for Research on Teaching Instruction” (German: Repositorium Lehrforschung Unterricht, ReLUG), a digital archive with session record-ings and excerpts from various subjects, along with the associated transcripts, teaching protocols, room sketches, and materials, has been created, which student teachers and university instructors use for teaching and research. In Area C “Meeting Diversity Needs”, the aim was to build on an instructional approach developed in the first funding phase, which focuses on qualifying students for a difference- and diversity-sensitive organisation of school and teaching. The goal was to design and test teaching concepts for an inclusive design of subject-specific instruction. These teaching concepts were formatively evalu-ated and further developed in courses of the didactics of German, English, Romance languages, civic education, physical education, educational science, multilingualism research and diversity research, among others, through group discussions with students. Five doctoral theses were initiated in close interconnection to investigate the construction of diversity and heterogeneity in subject-spe-cific contexts. All developments were internally accompanied and commented on by a scientific advisory board and externally by the university as well as the general public. In addition to planned continuations of some of the SPL’s projects, supplementary questions raised by the SPL prompted follow-up projects that extend beyond the second funding phase and the end of the “Qualitätsoffensive Leh-rerbildung”. Taking both funding phases together, the SPL embarked on its mission eight years ago to strengthen particularly rele-vant areas of teacher education through networking between subject didactics and between subject didactics and educational sci-ence. It has fulfilled its mandate to develop, test, and further develop research-based teaching concepts – generating new ideas, concepts, and structures for teacher education, as well as new instruments for research that will have a lasting impact. The SPL was part of the “Qualitätsoffensive Lehrerbildung”, a joint initiative of the Federal Government and the Länder which aims to improve the quality of teacher training. The programme is funded by the Federal Ministry of Education and Research.

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