Time experience in Europe’s digital age (TIMED): Zeiterfahrung im digitalen Zeitalter Europas
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Das TIMED-Projekt untersuchte, wie Digitalisierung das Zeiterleben von Menschen in sechs europäischen Ländern (Großbritannien, Deutschland, französische Schweiz, Polen, Tschechische Republik und Spanien) beeinflusst. Aufbauend auf kulturvergleichenden Studien zum Zeitumgang vor der digitalen Ära analysierte das Projekt erstmals länderübergreifend, wie Menschen im digital geprägten Alltag Zeit wahrnehmen und nutzen. In fünf Arbeitspaketen wurden qualitative Interviews, Fragebogenstudien, Experience-Sampling mittels Smartphone-App sowie ein Laborexperiment kombiniert. Die Interviews zeigten, dass digitale Technologien häufig mit wahrgenommenem Zeitverlust, dem Bedürfnis, jede freie Minute zu füllen, sowie mit Schamgefühlen und mangelnder Selbstkontrolle verbunden sind. Auf dieser Grundlage wurden zwei mehrsprachige Fragebögen zur Messung der Qualität digitaler Erfahrungen und der Präsenz digitaler Technologien im Alltag entwickelt und validiert. Weitere qualitative Analysen identifizierten zentrale Zeitparadoxien digitaler Freizeitnutzung, etwa zwischen erhöhter Zeitautonomie und empfundenem Kontrollverlust. Experience-Sampling-Daten zeigten, dass das tägliche Wohlbefinden stärker von erlebter Belohnung und verfügbarer Freizeit abhängt als von der Dauer der Social-Media-Nutzung. Laborexperimente ergaben, dass aktive Tätigkeiten Wartezeiten positiver erscheinen lassen als passives Warten und dass nicht-digitale Aufgaben stärker kognitiv beanspruchen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Digitalisierung den Lebensrhythmus verändert, Zeitverdichtung fördert und neue Spannungen zwischen Effizienz, Kontrolle und Wohlbefinden in Arbeit und Freizeit erzeugt.
