Verbundprojekt: Zivilgesellschaft und Bildung - Bürgerschaftliches Engagement in kommunalen Bildungslandschaften

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Hannover : Technische Informationsbibliothek

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Ursprüngliche Aufgabenstellung und wissenschaftlicher Stand: Bildung findet nicht nur in Schulen statt, sondern in allen Lebensbereichen – in Familien, Vereinen, Initiativen und anderen Kontexten der Zivilgesellschaft. Engagierte Einzelpersonen und zivilgesellschaftliche Organisationen tragen damit maßgeblich zur Gestaltung lokaler Bildungslandschaften bei. Dennoch ist ihre Rolle in Forschung und Politik bisher wenig beachtet. Das Forschungsvorhaben setzte hier an und untersuchte zivilgesellschaftliches Bildungsengagement auf individueller wie organisatorischer Ebene. Leitfragen waren: Wer engagiert sich, in welchen Formen, mit welchen Leistungen? Welche Potenziale bleiben ungenutzt und welche Hindernisse bestehen? Im Fokus standen zudem Kooperationen zwischen Akteuren, da Zusammenarbeit als Schlüssel wirksamen Bildungsengagements gilt. Exemplarisch vertieft betrachtet wurden Sport- und Kulturvereine, Mentoring-Initiativen sowie Fördervereine.

Ablauf des Vorhabens: Das Verbundprojekt untersuchte das zivilgesellschaftliche Bildungsengagement auf individueller und organisationaler Ebene und setzte hierfür ein Mixed-Method-Design ein. Ziel war es, die Strukturen, Bedingungen und Potenziale dieses Engagements zu erfassen sowie Handlungsperspektiven für Politik und Forschung abzuleiten. Der Arbeitsplan umfasste fünf Arbeitspakete. Zunächst wurden vorhandene Datensätze gesichtet, um deren Eignung für die Fragestellungen zu prüfen. Darauf folgten zwei quantitative Individualbefragungen – eine Bevölkerungs- und eine Engagiertenbefragung – zur Erhebung persönlicher Perspektiven. Parallel dazu wurde eine Organisationsbefragung konzipiert und in zwei Befragungsformaten durchgeführt: als offene Befragung sowie als repräsentative Vereinsbefragung. Ergänzend fanden qualitative Vertiefungen statt, insbesondere moderierte Fokusgruppeninterviews und Einzelgespräche mit Vertreter:innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Schule in allen Bundesländern. Die Ergebnisse dieser empirischen Arbeit wurden in einem weiteren Schritt systematisch zusammengeführt und durch Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Zielgruppen ergänzt.

Besondere Bedeutung hatte der Wissenstransfer: Die Forschungsergebnisse wurden in Publikationen, Konferenzen, Fachveranstaltungen sowie in praxisnahen Formaten wie Broschüren, Policy Briefs und regionalen Netzwerken vermittelt. So konnte ein kontinuierlicher Austausch mit Akteur:innen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft schon während des Erhebungszeitraums sichergestellt werden, um die Relevanz und Anwendbarkeit der Befunde für die Gestaltung lokaler Bildungslandschaften zu gewährleisten.

Ausgewählte Ergebnisse: Die Analyse bestehender Datenbestände zeigte, dass diese für die Forschungsfragen kaum nutzbar waren. Zwar bieten Erhebungen wie der Freiwilligensurvey oder das Sozio-oekonomische Panel wertvolle Informationen zum freiwilligen Engagement, doch fehlten spezifische Daten zum Bildungsengagement und seiner lokalen Verankerung. Daher wurde der methodische Schwerpunkt auf eigene Erhebungen gelegt. Die Konzeption und Durchführung zweier Individualbefragungen ermöglichte erstmals eine umfassende empirische Bestandsaufnahme. In der Bevölkerungsbefragung zeigte sich, dass Bildungsengagement in allen Lebensbereichen verbreitet ist. Es findet nicht nur in Schulen, sondern ebenso in Sportvereinen und in anderen Organisationen statt. Die Motive unterscheiden sich nach Altersgruppen: Ältere engagieren sich vor allem aus altruistischen und sozialen Beweggründen, jüngere sehen im Engagement auch Chancen der persönlichen Weiterentwicklung. Auffällig war die hohe Verbindlichkeit, da viele Engagierte wöchentlich aktiv sind und häufig spezifische Qualifizierungen absolvieren. Die Organisationsbefragungen zeigten die große Breite des Bildungsengagements auch auf institutioneller Ebene. Die repräsentative Vereinsbefragung belegte, dass mehr als die Hälfte aller Vereine Bildungsorganisationen sind. Ihre Themen reichen von Demokratiebildung über Sprachförderung bis hin zu Sport und Kultur. Trotz ihrer Bedeutung kämpfen viele mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen. Kleine Budgets, hoher Verwaltungsaufwand und fehlende Planungssicherheit stellen große Herausforderungen dar. Ohne freiwillige Mitarbeit wären ihre Bildungsangebote nicht aufrechtzuerhalten. Die qualitative Vertiefung machte deutlich, dass Kooperationen vor Ort zwar selbstverständlich, aber oft unzureichend koordiniert sind. Engagierte wissen häufig nicht, welche weiteren Akteure in ihrem Umfeld tätig sind. Gewünscht werden mehr Transparenz, regelmäßiger Austausch und eine zentrale Koordination. Während einige Befragte hier die Kommunalverwaltung in der Pflicht sehen, setzen andere auf Eigeninitiative der Zivilgesellschaft. Die Befragten betonten den Bedarf nach Anerkennung als Partner auf Augenhöhe und nach frühzeitiger Einbindung in lokale Bildungsstrategien. Der Wissenstransfer stellte sicher, dass die Ergebnisse in Wissenschaft und Praxis verankert wurden. Publikationen in Fachzeitschriften, Konferenzbeiträge und ein Schwerpunktheft im Forschungsjournal Soziale Bewegungen brachten sie in den wissenschaftlichen Diskurs ein. Gleichzeitig sorgten Broschüren, Policy Briefs und ein umfangreicher Datenreport für praxisnahe Vermittlung. Auf zahlreichen Veranstaltungen – von Fachkonferenzen bis zur Bildungsmesse Didacta – wurden die Ergebnisse diskutiert. Über die Kommunalen Spitzenverbände erreichte eine Broschüre zudem Bürgermeister:innen und Landrät:innen, um die Befunde in kommunalen Bildungslandschaften nutzbar zu machen. Insgesamt zeigt das Projekt, dass systematische Erhebungen notwendig sind, um Bildungsengagement in seiner Breite sichtbar zu machen. Die Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden sowie die gezielte Aufbereitung der Ergebnisse schufen eine fundierte Grundlage für Politik, Forschung und Praxis. Damit nimmt das Projekt eine Pionierrolle im Forschungsfeld ein und setzt neue Maßstäbe für die Analyse und Stärkung zivilgesellschaftlichen Bildungsengagements in Deutschland.

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