INCREASE - Inklusives und integriertes multi-Gefahren Risikomanagement und Freiwilligenengagement zur Erhöhung sozialer Resilienz in Zeiten des Klimawandels - Abschlussbericht Teilvorhaben: Ehrenamt und Langzeit-Motivation von Ehrenamtlichen

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Hannover : Technische Informationsbibliothek

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Das Projekt INCREASE war ein bilaterales Forschungsvorhaben, das unter Teilnahme von Forschungseinrichtungen Deutschlands (DEU) und des Iran (IRN) zum Themenkomplex Risikomanagement durchgeführt wurde. Ursprünglich war für den 48-monatigen Projektzeitraum eine Laufzeit von Juli 2020 bis Juni 2024 vorgesehen. Aufgrund der Rahmenbedingungen, die maßgeblich durch die Coronapandemie geprägt waren, wurde der Projektstart auf Februar 2021 verlegt, womit sich das Projektende gleichsam auf Januar 2025 verschob. Vor dem Hintergrund multipler Katastrophenrisiken, insbesondere aufgrund des Klimawandels, wurde in nationalen und internationalen Diskursen die Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes für das Katastrophenrisikomanagement (IKRM) erkannt. Das INCREASE-Projekt sollte „vor diesem Hintergrund zur kurzfristigen Katastrophenvorsorge, zur langfristigen strategischen Planung und zur allgemeinen Resilienz […] beitragen, indem es die Lücken zwischen theoretischem Wissen, Strategien, Katastrophenschutzplänen, Kapazitäten und den tatsächlichen Praktiken in Bezug auf multiple Gefahren überwindet“ . Hiermit verbunden war die Zielsetzung des Technischen Hilfswerkes (THW) als ehrenamtlich getragen Bevölkerungsschutzinstitution. Gemäß der Teilvorhabenbeschreibung (TVB) wurde das Vorhaben des THW mit dem Titel „Ehrenamt und Langzeit-Motivation von Ehrenamtlichen“ beschrieben. Hier sollte es sowohl um die Strukturen des Bevölkerungsschutzes an sich als auch um die Ehrenamtlichkeit und die Langzeitmotivation von Ehrenamtlichen gehen. Im ersten Schritt sollte untersucht werden, welche Art von Einheiten und welche Anzahl/Größenordnung dieser im IRN vorhanden sind. Mithilfe der Analyse sollte ermittelt werden, ob die Art und Anzahl adäquat sind und welche Möglichkeiten der Verbesserung im IRN Bevölkerungsschutzsystem möglich wären. Als Referenz für die Analyse sollte hier auch das DEU Bevölkerungsschutzmanagement dienen. So könnte dies mit dem iranischen verglichen und Verbesserungspotenziale herausgearbeitet werden, um sowohl auf DEU als auch auf IRN Seite an die Gegebenheiten besser angepasste Bevölkerungsschutzsysteme zu erarbeiten. Aufgabe in diesem Teilabschnitt sollte es sein, das DEU Bevölkerungsschutzmanagement zu analysieren und am konkreten Beispiel des THW als Bevölkerungsschutzbehörde die Aufstellung und Ausstattung des THW als vergleichende Maßeinheit zu beleuchten. Es würde zudem auf die Gesetze und Strukturen im DEU System geblickt. Neben den strukturellen Gegebenheiten sollte ein zweiter wichtiger Punkt bei der Analyse des DEU Bevölkerungsschutzsystems die Betrachtung der Motivation der Ehrenamtlichen und des Systems der Ehrenamtlichkeit an sich sein. An diesen Analyseblock anschließend sollte auch unter Hinzunahme der kulturwissenschaftlichen Analyse des INCREASE-Konsortiums ergründet werden, welche Möglichkeiten es zur Verbesserung im Bevölkerungsschutzsystem des IRN gibt und ob es möglich wäre, ein Ehrenamtssystem ähnlich des DEU in IRN vorzustellen. Die erlangten Ergebnisse zu Ehrenamtlichkeit in DEU und im THW sollten genutzt werden, um im THW und anderen Bevölkerungsschutzbehörden die Ehrenamtlichkeit zu verbessern und bestehende Systeme gegebenenfalls anzupassen. So sollte DEU von einem verbesserten und einsatzfähigeren Bevölkerungsschutzsystem profitieren. THW-seitig baute das Forschungsvorhaben auf die Ergebnisse vorangehender Forschungsprojekte sowie Erkenntnisse aus seiner annähernd 75-jährigen Bestehensgeschichte auf. Hierbei sei insbesondere auf die Projekte REBEKA (IKRM Rahmenkonzept und Machbarkeitsstudie) und PRAKOS (Vulnerabilität und Resilienz) verwiesen. Die für das INCREASE-Projekt relevanten Erkenntnisse aus dem THW sowie dieser vorhergehenden Projekte wurden in der Projektumsetzung aufgenommen und die wesentlichen Ergebnisse dem Konsortium vorgestellt. Hinsichtlich des Bevölkerungsschutzes in IRN bestanden nur geringe Vorkenntnisse, die maßgeblich auf Internetrecherchen und Vorbesprechungen mit den IRN Partnern beruhten. Auf diese aufbauend wurden im Projektverlauf bilaterale Austauschformate in Form von Workshops und Besprechungen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden zusammengefasst und durch eine Studie sowie mehrere Berichte ausgebaut und zusammengefasst. Durch die Coronapandemie verzögerte sich der Projektstart zunächst um einige Monate und im Projektverlauf waren Reisen in den IRN nicht möglich. Zwischenzeitlich hatten sich einige Ansprechpartner auf IRN Seite geändert. Dementsprechend war der Projektauftakt in der bilateralen Zusammenarbeit geprägt von Bemühungen zum Vertrauensaufbau und zur Klärung der Ansprechpersonen auf Seiten des IRN. Dies gelang zunächst durch die angesprochenen Workshopformate. Für den inhaltlichen Schwerpunkt der bilateralen Kooperation des THW wurde ein Workshopformat zum Austausch über Aspekte der Ehrenamtlichkeit in beiden Ländern aufgebaut. Diese Workshopreihe unter dem Titel „Iranian - German Exchange on Volunteerism in Disaster Risk Management“ begann sehr vielversprechend. In diesem Zeitraum begannen allerdings die Proteste in IRN und Menschenrechtsverletzungen seitens des IRN Regimes, im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod von Mahsa Amini in IRN Polizeigewahrsam. In Folge dieser zugespitzten politischen Lage wurde im Konsortium die Entscheidung über die Reduzierung bzw. temporäre Aussetzung der weiteren Kooperationen mit den IRN Partnern getroffen. Die Arbeiten im Projekt waren nicht vollständig abhängig von der Kooperation mit den IRN Partnern, konnten grundsätzlich also auch ohne diese in vollem Umfang fortgeführt werden. Ein erneutes Bemühen um Austausch unter verbesserten politischen und menschenrechtlichen Rahmenbedingungen wäre, im Einklang mit der Position der Bunderegierung, zukünftig möglich gewesen. Allerdings verschärfte sich die Lage und spitzte sich schließlich zu durch die Unterstützung des IRN gegenüber Russland (RUS) im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine (UKR). Durch diese Umstände war im Projektverlauf eine weitere Zusammenarbeit des THW mit dem IRN nicht mehr möglich. Die weitere Projektarbeit des THW beruhte daher auf der Auswertung der gewonnen Informationen sowie der Recherche aus offenen Quellen und einer Auftragsarbeit im Arbeitspaket 7. THW-seitig wurde daraufhin im Schwerpunkt zu Aspekten des Bevölkerungsschutzes in DEU und insbesondere im THW gearbeitet. Der Aspekt der bilateralen Zusammenarbeit wurde jedoch weiterhin verfolgt. Die Projektergebnisse wurden somit in einer Art und Weise ausgearbeitet, die für bilaterale Kooperationen des THW mit dem IRN oder anderen Partnern, insbesondere aus islamisch geprägten Ländern, nutzbar ist. Das THW setzte hierzu die Erfahrungen von Einsatzkräften in Wert, die bereits in der MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) mit Bevölkerungsschutzakteuren kooperiert hatten. Die einzelnen Projektergebnisse und daraus folgenden Erkenntnisse wurden schriftlich festgehalten und können für zukünftige Kooperationen genutzt werden. Als Rahmen hierzu wurden Standard Operating Procedures (SOP) formuliert. Dieses Dokument zu Standardverfahrensweisen im Bevölkerungsschutz kann künftig mit den einzelnen Unterlagen aus dem INCREASE-Projekt, wie beispielsweise Ausbildungsstandards, Übungen und weiterer Verfahrensweisen etwa zur Analyse von potentiellen Schadenslagen, in der internationalen Zusammenarbeit verwendet werden. Es bietet hierbei die Grundlage zur Analyse der Kapazitäten und der Einsatzpraxis aller Partner in einer solchen Kooperation. Darüber hinaus können konkrete Kooperationsschwerpunkte in der Zusammenarbeit definiert und gemeinsam bearbeitet werden.

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