Spannungsfelder der Identität : Autonomie, Rolle, Körper und Bedürfnis im Zusammenspiel von Autismus, Gender und Sexualität
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Die vorliegende Arbeit untersucht vier zentrale Spannungsfelder, die das Zusammenspiel von Autismus, Gender und Sexualität strukturieren. Diese Spannungsfelder entstehen dort, wo individuelle Wahrnehmung, körperliche Realität und gesellschaftliche Erwartungen aufeinandertreffen. Das Verhältnis von Autonomie und Anpassung beschreibt die Kräfte, die Menschen zwischen innerer Orientierung und äußerer Anforderung bewegen. Das Verhältnis von Identität und Rolle zeigt, wie Selbstwahrnehmung und soziale Zuschreibung miteinander konkurrieren und wie neurodivergente Wahrnehmung diese Dynamik verändert. Das Verhältnis von Körper und Kultur verbindet unmittelbare Empfindungen mit kulturellen Bedeutungen, die häufig stärker wirken als die körperlichen Signale selbst. Das Verhältnis von Bedürfnis und Norm markiert den Raum, in dem persönliche Grenzen und Wünsche mit gesellschaftlichen Regeln verhandelt werden. Durch die Analyse dieser vier Linien entsteht ein Modell, das individuelle Erfahrung mit sozialen und kulturellen Strukturen verbindet. Die Arbeit zeigt, dass neurodivergente Wahrnehmung besondere Formen von Klarheit, Sensibilität und Integrität hervorbringt und dass soziale Räume oft nicht auf diese Wahrnehmungslogik abgestimmt sind. Die Untersuchung legt damit einen theoretischen und phänomenologischen Rahmen, der für weiterführende gesellschaftliche, medizinische und politische Fragestellungen nutzbar ist und einen Beitrag zu einem Verständnis von Vielfalt als eigenständiger Form menschlicher Erfahrung leistet
