Substanzen als Werkzeuge der Selbstregulation : Zwischen Neurodivergenz, Kultur und der Biologie der Selbstmedikation

dc.bibliographicCitation.journalTitleZenodo : Research Shared
dc.contributor.authorSeidel, Lutz
dc.contributor.authorMartin, Paul
dc.date.accessioned2026-03-30T16:14:29Z
dc.date.available2026-03-30T16:14:29Z
dc.date.issued2026-02-18
dc.description.abstractDiese Arbeit entwickelt ein theoretisches Modell, das Substanzgebrauch im Kontext von Neurodivergenz als funktionale Form der Selbstregulation versteht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass neurodivergente Menschen aufgrund sensorischer Besonderheiten, veränderter Stressphysiologie und unterschiedlicher interozeptiver Wahrnehmung häufiger Zustände erleben, die schwer zu regulieren sind. Substanzen werden in diesem Rahmen nicht primär hedonistisch genutzt, sondern erfüllen spezifische Funktionen: Sie dämpfen Überlastung, stabilisieren Aufmerksamkeit, erleichtern soziale Interaktion oder machen innere Zustände vorhersehbarer. Die Arbeit verbindet biologische, kulturelle und anthropologische Perspektiven. Sie zeigt, dass Substanzgebrauch evolutionäre Wurzeln besitzt, im Tierreich als Form der Selbstmedikation vorkommt und in menschlichen Kulturen seit Jahrtausenden in soziale, rituelle und medizinische Systeme eingebettet ist. Moderne Prohibitionslogiken werden als historisch junge, kulturell spezifische Narrative verstanden, die funktionale Aspekte des Substanzgebrauchs häufig überdecken. Im Zentrum steht ein Modell der Psychohygiene, das Substanzgebrauch als Teil eines dynamischen Gleichgewichts zwischen Belastung und Entlastung beschreibt. Die Grenze zwischen funktionaler und riskanter Nutzung wird dabei nicht pharmakologisch definiert, sondern ökologisch: Sie hängt von verfügbaren Ressourcen, sozialen Bedingungen und der Fähigkeit ab, innere Zustände wahrzunehmen und zu interpretieren. Aufklärung und Begleitung werden als zentrale Elemente eines reflektierten Umgangs mit Substanzen verstanden nicht normativ, sondern befähigend. Diese Arbeit erhebt keinen therapeutischen Anspruch, sondern bietet einen theoretischen Rahmen, der neue Perspektiven auf Substanzgebrauch und Neurodivergenz eröffnet. Sie zeigt, dass ein differenziertes Verständnis nur möglich ist, wenn biologische, kulturelle und individuelle Ebenen gemeinsam betrachtet werden. Das Modell lädt dazu ein, Substanzgebrauch jenseits von Pathologisierung und Moralisierung zu denken und die Vielfalt menschlicher Selbstregulation ernst zu nehmen.ger
dc.description.versionpublishedVersion
dc.identifier.urihttps://oa.tib.eu/renate/handle/123456789/33854
dc.identifier.urihttps://doi.org/10.34657/32922
dc.language.isoger
dc.publisherGenève : CERN
dc.relation.doihttps://doi.org/10.5281/zenodo.18685420
dc.rights.licenseCC BY 4.0 Unported
dc.rights.urihttps://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
dc.subject.ddc300 | Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
dc.subject.gndAutismusger
dc.subject.gndNeurodiversitätger
dc.subject.gndSelbstmedikationger
dc.subject.gndSubstanzgebrauchger
dc.subject.otherAutismusger
dc.subject.otherNeurodivergenzger
dc.subject.otherSubstanzgebrauchger
dc.subject.otherPsychohygieneger
dc.titleSubstanzen als Werkzeuge der Selbstregulation : Zwischen Neurodivergenz, Kultur und der Biologie der Selbstmedikationger
dc.typePreprint
dcterms.extent30 S.
tib.accessRightsopenAccess

Files

Original bundle
Now showing 1 - 1 of 1
Loading...
Thumbnail Image
Name:
psychhygiene.pdf
Size:
216.87 KB
Format:
Adobe Portable Document Format
Description:

Collections