Schlussbericht zum Vorhaben WidK - Waldeigentum in der Krise

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Hannover : Technische Informationsbibliothek

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Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die Folgen des Klimawandels führen zu tiefgreifenden Veränderungen im privaten Waldeigentum. Das klassische Bild des bäuerlichen Waldbesitzers verschwindet zunehmend, während neue Eigentümerstrukturen mit geringerer Bindung an die Land- und Forstwirtschaft entstehen. Gleichzeitig stellen klimabedingte Extremereignisse wie Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall den Privatwald vor enorme Herausforderungen. In der Folge wird die Pflege und Bewirtschaftung vieler Wälder vernachlässigt – nicht zuletzt wegen veränderten gesellschaftlichen Diskursen, Überforderung und fehlenden wirtschaftlichen Anreizen. Das Vorhaben "Waldeigentum in der Krise" zielte darauf ab, die Transformationsprozesse empirisch zu untersuchen und Handlungsoptionen für die forstliche Praxis zu entwickeln. Im Fokus standen dabei Veränderungen in der Motivation, Einstellung und Handlungskompetenz der Waldbesitzenden sowie die Analyse von Beratungs- und Betreuungsstrukturen in drei Bundesländern (Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen). Mit Hilfe qualitativer und quantitativer Befragungen wurden auch organisationale Strukturen forstlicher Akteure sowie deren Kommunikations- und Anpassungsstrategien analysiert. Das Projekt war interdisziplinär und transdisziplinär angelegt und verband sozialwissenschaftliche Analysen mit forstpraktischer Relevanz. Durch Einbindung von Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis wurden Impulse für eine Transformation der Privatwaldbetreuung erarbeitet. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie forstliche Organisationen in einer zunehmend komplexen und krisenanfälligen Umwelt resilienter und handlungsfähiger werden können.

Projektergebnisse: Das private Waldeigentum in Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, gekennzeichnet von einer zunehmenden Heterogenisierung der Eigentümerstruktur sowie einer Erosion traditioneller Bewirtschaftungsmotive. Das psychologische Eigentum beeinflusst sowohl die Wahrnehmung des Waldes als auch die Handlungsbereitschaft zur Pflege und Wiederbewaldung erheblich, insbesondere nach Schadereignissen. Der Wald wird in solchen Fällen nicht selten als Belastung empfunden. Parallel dazu wurde ein Strukturwandel in den forstlichen Organisationen identifiziert. Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse professionalisieren sich zunehmend und transformieren sich von solidarischen Selbsthilfeeinrichtungen zu marktorientierten Dienstleistungsakteuren. Dadurch verändert sich auch die Beziehung zwischen Organisation und Waldbesitzenden – von kollektiver Verantwortung hin zu einer individualisierten Kundenbeziehung. Die forstliche Beratung steht dabei unter hohem Druck: Personalmangel, wachsende gesellschaftliche Ansprüche und bürokratische Hürden begrenzen die Handlungsfähigkeit erheblich. Politische und organisationale Akteure reproduzieren vielfach ein vereinfachendes Bild des Waldbesitzes, das den vielfältigen Einstellungen, Motivlagen und sozioökonomischen Realitäten der Eigentümer*innen nicht gerecht wird. Die Analyse des Expertenlabors arbeitet heraus, dass bestehende forstliche Steuerungslogiken auf Planbarkeit und Kontrolle ausgerichtet sind, jedoch in Zeiten multipler Unsicherheiten zunehmend an Wirksamkeit verlieren. Das Projekt identifiziert als zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Privatwaldbetreuung die Entwicklung adaptiver, lernfähiger Organisationsformen. Notwendig sind partizipative Kommunikationsstrategien, flexible Beratungsinstrumente und die strukturelle Integration sozial-ökologischer Zielsetzungen in die Governance forstlicher Systeme.

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