BiodiWert II: Erhaltung von Biodiversität und Inwertsetzung von Ökosystemleistungen durch Rewilding - Vom Oderdelta lernen (REWILD_DE-2); Teilprojekt: Regionalwirtschaftliches Potenzial durch Rewilding am Oderdelta
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Das Projekt "Regionalwirtschaftliches Potenzial durch Rewilding am Oderdelta" wurde von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNNE) durchgeführt und war Teil des Vorhabens "BiodiWert II: Erhaltung von Biodiversität und Inwertsetzung von Ökosystemleistungen durch Rewilding - Vom Oderdelta lernen (REWILD_DE-2), das in der Laufzeit vom 01.11.2021 - 31.12.2024 von mehreren Verbundpartnern bearbeitet und durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wurde. Die zentrale Aufgabe des Projektes war es zu untersuchen, inwieweit Rewilding neben dem Erreichen von naturschutzfachlichen Zielen auch ein regionalwirtschaftliches Potenzial für Unternehmen am Oderdelta auf deutscher Seite entfalten kann. Das Vorhaben gliederte sich in drei Teile:
- Übersicht über (potenzielle) Rewilding-Unternehmen am Oderdelta (Anzahl, Verortung, Zugehörigkeit zu Wirtschaftsektoren),
- Vorstellung ausgewählter Unternehmen anhand von Kurzprofilen und Identifikation ökonomischer Potenziale für Unternehmen durch Rewilding,
- Darstellung von weiteren Wertschöpfungsoptionen, die durch Rewilding enstehen können sowie möglicher Hemmnisse und Fördermöglichkeiten für regionale Unternehmen.
Ablauf des Vorhabens: Das Verbundprojektteam bestehend aus den Partnern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig (UFZ), dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), dem Verein Rewilding Oder Delta e.V. und unserem Projektteam der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) entwickelte zunächst ein gemeinsames Rewilding-Verständnis. Für Teil I konnte das HNEE-Projektteam schließlich aufbauend auf einer Definition der Organisation Rewilding Europe Suchkriterien für „Rewilding-Unternehmen“ ableiten. Da sich zeigte, dass bisher keine Unternehmen im Oderdelta bestehen, die der Definition im engeren Sinne entsprechen, wurde der Fokus im Projektverlauf auf potenzielle Rewilding-Unternehmen erweitert. Anschließend wurden bestehende und potenzielle Rewilding-Flächen identifiziert und vier Schwerpunktgebiete benannt (Teile des Unteres Peenetals, Anklamer Stadtbruch, Schutzgebiete auf Usedom sowie in der Ueckermünder Heide). Zur Ermittlung potenzieller Rewilding-Unternehmen wurden eine umfangreiche Desktop-Recherche sowie eine Katasterdatenanalyse durchgeführt. Für Teil II wurden sechs qualitative Interviews mit regionalen Vertreter*innen potenzieller Rewilding-Unternehmen (z. B. Hotels, Tourenanbieter, Landwirt, Fischer) geführt und eine breit angelegte Umfrage unter den identifizierten Unternehmen durchgeführt (142 Rückläufe). In Teil III wurden Ergebnisse aus einem Workshop, den Interviews und aus Recherchen verwertet, um neue Wertschöpfungsoptionen, Hemmnisse und Fördermöglichkeiten zu erfassen. Kernergebnisse: Teil I: Insgesamt wurden 721 Unternehmen bzw. Organisationen als potenzielle „Rewilding-Unternehmen“ am Oderdelta ermittelt. Die Analyse der Katasteramtsdaten zeigte, dass die überwiegende Mehrheit (über 64%) der von Unternehmen oder Organisationen besessenen Flächen, bereits Unternehmen oder Organisationen aus dem Naturschutz gehören. Mit insgesamt 29,7 % der Flächen, deren Eigentümer*innen Unternehmen oder Organisationen sind, stehen die der Landwirtschaft an zweiter Stelle. Bei den ermittelten Landnutzer*innen der Schwerpunktgebiete stellen hingegen Unternehmen des Tourismussektors die überwiegend größte Gruppe (249/263 Nutzer*innen). Teil II: Zusammenfassend kann zur Einstellung der befragten Unternehmen festgehalten werden, dass vier von sechs Unternehmen eine positive Einstellung bezüglich einer naturnäheren Entwicklung der Landschaft im Oderdelta haben. Für alle stellt die natürliche Landschaft generell eine Existenzgrundlage dar, es bestehen aber auch Bedenken zu Nutzungseinschränkungen und Rentabilität anderer Wirtschaftsformen. Aus der Umfrage ging hervor, dass regionale Unternehmen Potenziale durch Rewilding vor allem im Tourismus (76%), dem Nutzen der Landschaft für das Marketing (68%), der Imageaufwertung (68%) sowie dem erschließen neuer Kundengruppen und Märkte sehen (67%). Teil III: Als Hemmnisse für das Aktivwerden regionaler Unternehmen im Naturschutz konnten Informationsdefizite zum Vorhaben von Rewilding Oder Delta e.V. ermittelt werden. Aus den sechs Interviews ging zudem eine andere Prioritätensetzung der Unternehmen hervor, da sich einige eher wirtschaftlichen Herausforderungen gegenübersehen. Als weitere Wertschöpfungsoptionen wurden u.a. die Ausweitung des CO2-Zertifikatshandels und der Aufbau einer Wertschöpfungskette im Bereich Wolle genannt. Zudem wurde als Best-Practice-Beispiel ein Unternehmensnetzwerk in Portugal identifiziert, das auf Basis von nachhaltigen Werten und mit Hilfe einer Regionalmarke Produkte einer Rewilding-Region vertreibt. Empfehlungen: Auf Ebene einzelner Unternehmen wurde empfohlen, kurzfristig einzelbetriebliche Beratungen durchzuführen, um erfolgreiche Beispiele in der Region zu schaffen. Mittelfristig sind regionale Strukturen bzw. Netzwerke (z.B. mit Hilfe von geförderten Wertschöpfungskettenmanager*innen) zu stärken sowie eine Regionalmarke zu entwickeln. Langfristig sollte es das Ziel sein, eine grenzübergreifende Organisation für das Tourismus- und Standortmanagement des Oderdeltas zu schaffen.
