Unternehmensnahe Innovation in und mit China. Handlungsoptionen für deutsche und europäische Entscheider in einem dynamischen Umfeld (UIIChina)
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Abstract
Das Ziel des Forschungsvorhabens bestand darin, zu untersuchen, welche Triebkräfte die Ausge-staltung des chinesischen Innovationssystems und dessen Einbindung in den internationalen Kon-text determinieren. Dabei fokussierten die Arbeiten auf die Entwicklungsdynamiken in zwei zentralen Dimensionen des chinesischen Innovationssystems:
- Dimension 1: das Ausmaß bzw. die Formen zentraler Innovationssteuerung und -intervention bzgl. Innovation im Spannungsverhältnis zentralstaatlicher „Top-down“-Planung und lokaler Experimente bzw. (privat-)unternehmerischer „Bottom-up“-Initiative(n); und
- Dimension 2: die Rahmenbedingungen für Innovation bzw. Forschung und Entwicklung durch ausländische Unternehmen in China, also die Internationalität des Innovationssystems und der F&E-Landschaft.
Diese Fragestellungen sollten im Rahmen dreier miteinander verknüpfter Arbeitspakete erschlossen werden: einer regulatorischen Analyse; industrie-/technologieorientierter Fallstudien; Unternehmenssurveys. Aufgrund der sich dynamisch entwickelnden Rahmenbedingungen im europäisch-chinesischen Verhältnis und der wachsenden Herausforderungen bei der Feldforschung in China musste der methodische Ansatz im Laufe der Projektbearbeitung flexibel angepasst werden.
Das Forschungsprojekt knüpfte an einen breit ausdifferenzierten Wissensstand an. Die Evolution des chinesischen Innovationssystems wurde bereits unter verschiedenen Fragestellungen interdis-ziplinär untersucht. Dieser multiperspektivische Ansatz ist unerlässlich, da Innovation als gesamtge-sellschaftlicher Prozess zu verstehen ist. In der breit angelegten Innovationssystemforschung ha-ben sich jüngst, ausgehend von grundlegenden Arbeiten von Nelson (2002), Gu/Lundvall (2006) und Gu/Lundvall/Ju/ Malerba/Serger (2009), insbesondere Conlé (2011), Dai (2015, 2016), Gu/Serger/Lundvall (2016), Schmid/Wang (2017) und Frietsch (2020a) mit diesem Konzept befasst und wichtige Erweiterungen vorgeschlagen. Mehrere Arbeiten betonen politisch-ökonomische Parameter und die besondere Rolle des Staates für die Innovationskraft chinesischer Unternehmen (Yip/McKern 2016; Frietsch 2020b; Neuhäusler 2018; Wei/Xie/Zhang 2017), wobei staatliche Subventionen (Howell 2017), „Top-Level-Designs“ (He 2020; Ahlers 2018) sowie politische Steuerung und Regulierung im Fokus stehen (Noesselt 2020). Zudem wird die strategische Neuausrichtung der Industriepolitik im Kontext globa-ler technologischer Veränderungen sowie die Bedeutung sozialer Netzwerke und internationaler Wissenstransfers hervorgehoben (Naughton 2020; Zhang 2020; Dai/Wang/Liu 2019; Liu 2018). Letz-tere Entwicklungen machen deutlich, wie entscheidend die Zusammenarbeit unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure für Innovationsprozesse ist. Vor diesem Hintergrund wurde die Innova-tionssystemtheorie umfassend um die Forschungsagenda des Triple-Helix-Modells (Etzko-witz/Leydesdorff 1995, 2000) ergänzt, da dieses die Interaktionen zwischen Staat, Unternehmen und Universitäten systematisch erfasst.
