Seelenarbeit im Sozialismus: Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie in der DDR (SiSaP)

Bericht über die zweite Förderphase des DDR-Forschungsverbunds (10/2023-09/2025)

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Ursprüngliche Aufgabenstellung und wissenschaftlicher und technischer Stand, an den angeknüpft wurde: Ziel des Forschungsverbundes „Seelenarbeit im Sozialismus“ war es, eine integrative Aufarbeitung zur Rolle der (ursprünglich) drei Disziplinen Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie in Verbindung zu dem Gesundheitssystem der DDR, deren Entwicklung, Schwerpunkte, aber auch Verwicklungen im diktatorischen System zu leisten. Basierend auf den bis dahin erhobenen, auch eigenen Forschungsbefunden zur Positionierung der „Psych-Bereiche“ im DDR-Staatssystem und einigen Übersichtsarbeiten auf den Gebieten wurde eine aufeinander bezogene, interdisziplinäre und multimethodale Bearbeitung der Thematiken in der ersten Förderperiode (2019-2022) vorgenommen und nach einer Unterbrechung in der zweiten Förderphase, allerdings ohne das Teilprojekt zur Psychologie fortgesetzt und abgeschlossen.

Ablauf des Vorhabens: Im Rahmen der nun insgesamt drei Teilprojekte wurden (aufgrund der Kürzungen der beantragten Förderung) im Wesentlichen nur noch drei Arbeitspakete bearbeitet nämlich eine Fortführung und Auswertung der Archivarbeit, die weitere Durchführung von (Oral History-) Interviews (in Jena und Rostock). Ein zentraler Bestandteil der zweiten Förderphase war als Arbeitspaket 3 die Fortführung der Konzeption und Umsetzung einer digitalen (und einer Wander-) Ausstellung zur Bedeutung von Psychotherapie und Psychiatrie im Gesundheitswesen der DDR. Ziel war es, zentrale Projektergebnisse, historische Materialien und Zeitzeugenberichte öffentlich zugänglich zu machen und damit sowohl den wissenschaftlichen Fachdiskurs als auch eine breitere interessierte Öffentlichkeit anzusprechen. Mit einem Abschlusssymposium im September 2025 in Weimar wurde das Verbundprojekt beendet und die Ausstellungen eröffnet und der Öffentlichkeit übergeben.

Wesentliche Ergebnisse sowie ggf. die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen

Bereich DDR-Psychotherapie: In dem Jenaer Teilprojekt wurde in einem Arbeitspaket Interviews mit ehem. Psychotherapiepatient:innen durchgeführt, die nun die Interviews mit den Psychothera-peut:innen ergänzen. Neben einer Fortführung von Archivrecherchen wurden die in der ersten Förderperiode erhobenen Repräsentativdaten (in Kooperation mit dem Verbund DDR-Psych) umfassend ausgewertet u.a. mit Blick auf die Psychotherapie- und Repressionserfahrungen der befragten Personen. In allen drei Teilprojekten war die Entwicklung einer digitalen und einer parallel entwickelten Wanderausstellung zum Verbundthema ein zentrales Ziel der zweiten Förderperiode. Diese Ausstellung wurde im Rahmen eines Abschlusssymposiums im September 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bereich DDR-Psychiatrie: Im Rostocker Teilprojekt wurden die Recherchen in verschiedenen Archiven weitergeführt, wobei der Schwerpunkt auf der Sichtung von Archivalien lag, die Erkenntnisse zur Verflechtung von medizinischer Behandlung und geheimdienstlicher Herrschaftspraxis liefern konnten. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung wurden auch Interviews durchgeführt und ausgewertet, die tiefere Einblicke in die psychiatrische Praxis im Kontext staatlicher Repression, Haftbedingungen, medizinische Versorgung und die Bewältigungsstrategien der Betroffenen ermöglichten. Die Ergebnisse flossen in die digitale und Wanderausstellung ein, für die Texte verfasst und Materialien erschlossen wurden. Zudem konnten Kooperationen mit Bildungseinrichtungen intensiviert und die Ergebnisse in Medien und Veranstaltungen öffentlich präsentiert werden. Die SiSaP-Bibliografie, zuzüglich der Literatur des Projekts gesundheitliche Langzeitfolgen der SED-Diktatur, liegt in zweiter Auflage und digital abrufbar vor.

Bereich DDR-Gesundheits- und Forschungswesens: Im Erlanger Teilprojekt wurden umfangreiche Archivbestände zur medizinischen Versorgung und Begutachtung im DDR-Gesundheitswesen ausgewertet. Ein Schwerpunkt lag auf der forensischen Psychiatrie mit neuen Befunden zu Begutachtung, Unterbringung und Behandlung in Untersuchungshaftanstalten und Strafvollzug. Parallel dazu konnten die Bestände zu den psychiatrischen Einrichtungen in Waldheim – insbesondere Patientenakten, Karteien und Gutachten – erstmals systematisch erschlossen und ausgewertet werden.

Teilprojektübergreifend wurden der Fachpublikationen weiter systematisiert und katalogisiert und in Form von Bibliografien und Literatursammlungen sowie einer Online-Datenbank zu Archivalien in der DDR für künftige wissenschaftliche Projekte zur Verfügung gestellt. Neben den physisch vorhandenen, vor Ort einsehbaren und in Bibliothekskatalogen recherchierbaren Werken, wurde im Rostocker Dokumentenserver (RosDok) ein digitaler Katalog erstellt.

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