Hanfbastfasern als Bewehrungsmaterial in klinkerarmen Betonen (BasEcoCrete)
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Abstract
Die Verwendung ökologisch-optimierter Materialien und der Einsatz von
nachwachsenden Rohstoffen stellen einen zentralen Aspekt für zukünftiges Bauen dar.
Im
Forschungsprojekt wurden daher neue Ansätze für klimafreundliche
Konstruktionsbaustoffe verfolgt, indem klinkerarme, weniger CO2-emittierende und
zudem noch ressourcenschonende Betone mit Bewehrungselementen aus
nachwachsendem Hanfbastfasern als Weiterentwicklung zum klassischen
Stahlbetonbau untersucht wurden. Dieses neuartige Konzept erhielt im
Forschungsvorhaben das Akronym BasEcoCrete. Für den Beton selbst wurde dabei
das Ziel verfolgt, gezielt emissionsarme Bindemittel mit einer Zementklinkerreduktion
von bis zu 73 M.-% einzusetzen und dabei nachhaltige Betone unterschiedlicher
Dichte und Porosität sowie mit geringem CO2-Fußabdruck herzustellen. Solche
Betone schützen allerdings die klassische Stahlbewehrung nicht mehr ausreichend vor
Korrosion. Der weitere Fokus des Forschungsvorhabens lag daher in der Nutzung von
nicht korrosionsgefährdeten Hanfbastfasern als neuartige Bewehrung in Form von
Schwindbewehrung oder Stabbewehrung.
Eine erste Herausforderung im Projekt war die Bestimmung der Materialparameter von
Hanfbastfasern und den damit hergestellten Bewehrungsstäben. Mit dem natürlichen
Wachstum der Hanfpflanze entstehen Faserbündel beziehungsweise Einzelfasern
unterschiedlichster Morphologie (Oberflächenbeschaffenheiten), deren Material
kennwerte über den Ansatz der äquivalenten Querschnittswerte zielführend bestimmt
wurden. Mit der eingesetzten Auswertemethodik konnten für die verwendeten
Hanfbastfasern aus dem Stängel der Nutzhanfpflanze Cannabis Sativa L. die
Zugfestigkeit und das Elastizitätsmodul bestimmt werden.
Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt im Forschungsvorhaben bildeten die
Untersuchungen zur Dauerhaftigkeit im alkalischen Milieu sowohl der Fasern als auch
der für die Bewehrungsstäbe notwendigen bindenden und umhüllenden Epoxidharze.
Hier wurden Versuche in alkalischen Lösungen durchgeführt und der Einfluss auf die
Festigkeiten und das Elastizitätsmodul erforscht. Anhand der Ergebnisse zur Alkalität
der drei untersuchten Betone muss eine hohe Alkalibeständigkeit der Fasern und
Hanfbastbewehrungsstäbe vor allem unmittelbar nach dem Einbau und in der ersten
Nutzungsphase gewährleistet sein. Die Hanfbastfasern erwiesen sich als sehr
leistungsfähig in hochporosierten Betonen, wie dem eingesetzten
hochwärmedämmenden Leichtbeton (ÖkoLB), dessen plastisches Schwinden sie
mindern konnten.
Die im Pultrusionsverfahren hergestellten Hanfbastbewehrungsstäbe haben zunächst
eine glatte Oberfläche. Deshalb wurden die Stäbe nachträglich händisch profiliert, um
den Verbund zwischen Stab und Beton und damit die Leistungsfähigkeit zu
verbessern. Die Eignung der vier gewählten Profilierungsvarianten wurde in Pull-Out
Versuchen validiert. Dabei erreichten die Stäbe mit einer „besandeten“ Profilierung die
höchsten Verbundspannungen. Die Realisierung und Einbindung der Profilierung in
den Herstellungsprozess der Pultrusion ist Inhalt weiterer interdisziplinärer
Forschungsarbeiten.
Die Herstellung von Biegebalken als Demonstratoren für einen erfolgreichen Einsatz
des neuen Konstruktionswerkstoffes BasEcoCrete rundete das Forschungsprojekt ab.
Mit den Demonstratoren konnte eine ausreichende Aufnahme von Zugkräften durch
die Hanfbastbewehrungsstäbe gezeigt werden. Die Nutzung des Hanfs im Bauwesen
bedarf noch einiger Forschungsarbeit, wie der Vorbehandlung der Fasern und der
Identifikation von Störfaktoren im Herstellungsprozess der Pultrusion, verspricht aber
aufgrund der vorliegenden Ergebnisse ein beträchtliches Potenzial für die Zukunft. Das
Portfolio
klimafreundlicher
und nachhaltiger Baustoffe bekommt mit
Hanfbastbewehrungsstäben neben den etablierten Baustoffen einen weiteren
aussichtsreichen Kandidaten, der die Ressourcenschonung weiter forciert. Neben den
etablierten Wertschöpfungsketten des Holzbaus entsteht mit der Einführung von
Hanfbastfasern als alternative, ökologische Betonbewehrung in Fasern oder Stabform
eine neue Verwertungskette. Die im Projekt entwickelten Ökobetone besitzen im
Vergleich zu konventionellen Betonen eine um 64 % niedrigere CO2-Emissionen,
durch die sie den Baustoff des 20 Jahrhunderts weiter verbessern und auch in Zukunft
attraktiv und verwendungsfreundlich gestalten. Durch die deutliche Verbesserung der
Umweltwirkungen des Betons werden die Kosten für zukünftige Emissionsabgaben
vermindert und sichern damit die Attraktivität eines wirtschaftlichen zuverlässigen
Werkstoffs der Baupraxis. Somit kann es mit BasEcoCrete gelingen, nachwachsende
Ressourcen gezielt zu nutzen und für das Bauwesen attraktiv zu machen, sowie
klimaschädliche CO2-Emissionen deutlich und nachhaltig zu reduzieren.
