Verbundprojekt: Verbesserung des Zugangs zur Versorgung medizinischer Notfälle bei Flutkatastrophen in Bangladesch (FlutNetz); Teilvorhaben: Situationsanalysen, Interventionen und Transfer
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Naturkatastrophen wie Extremwetterereignisse bedrohen große Teile der Weltbevölkerung, verursachen immense volkswirtschaftliche Schäden und nehmen weltweit zu. Bangladesch ist davon aufgrund seiner geographischen Lage außergewöhnlich häufig und schwer betroffen. Aus diesem Grund und wegen der besonderen Verletzlichkeit weiter Teile seiner Bevölkerung haben Katastrophenschutz und Katastrophenmanagement in diesem Land schon lange wichtige Rollen gespielt. Bangladesch hat dabei Expertisen entwickelt, die auch für den deutschen Kontext von Interesse sind. Andererseits gibt es in Bangladesch gravierende Versorgungslücken im Bereich der medizinischen Notfallversorgung, die sich bei Überschwemmungen verschärfen. Zudem fehlten aktuelle Informationen über Gesundheitsrisiken bei Flutereignissen, über die Kenntnisse, Einstellungen und Praktiken der betroffenen Bevölkerung und ihrer Gesundheitsdienstleister sowie den Stand ihrer Vorbereitung auf den Katastrophenfall. Ziel des durch die Fördermaßnahme „Internationales Katastrophen- und Risikomanagement – IKARIM“ des BMBF im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ der Bundesregierung geförderten Verbundvorhabens FlutNetz war es, in wechselseitigem Lernen zu einer nachhaltigen Verbesserung des Zugangs zu medizinischer Notfallversorgung bei Flutereignissen im Bangladesch beizutragen. Mit Ertrinken, Schlangenbiss-Vergiftungen sowie Blitz- und Stromschlag konzentrierte sich das Projekt dabei auf diejenigen Notfälle, welche bei Flutereignissen in Bangladesch heutzutage die meisten Todesfälle verursachen, in den Gesundheitssystemen vieler Entwicklungs- und Schwellenländer aber vernachlässigt sind. Das Projekt verfolgte dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der eine transdisziplinäre Erforschung natürlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, Vorsorge- und Ersthilfekonzepte mit der Einführung im Partnerland bisher fehlender Komponenten entlang der Rettungskette verband. Das Verbundprojekt FlutNetz war in drei Teilprojekte gegliedert: Teilprojekt 1: „Situationsanalysen, Interventionen und Transfer“ (Projektleitung: Dr. Ulrich Kuch, Goethe-Universität Frankfurt) Teilprojekt 2: „Genderfragen bei Flutkatastrophen in Bangladesch“ (Projektleitung: Prof. Dr. Diana Hummel, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung) Teilprojekt 3: „Adaption und Demonstration eines autonomen Flugsystems zur Lieferung von Notfallmedikamenten“ (Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Dieter Moormann, RWTH Aachen University) Das vorliegende Teilprojekt beschäftigte sich zunächst mit einer Analyse der Katastrophenvorsorge und Risiken im Partnerland sowie einem Vulnerabilitäts-Monitoring besonders gefährdeter Gebiete und ihren sozioökonomischen, kulturellen und religiösen Eigenheiten. Aufbauend auf Befragungen der Bevölkerung und ihrer Gesundheitsdienstleister sowie Untersuchungen in Gesundheitseinrichtungen zweier besonders stark von Flutereignissen betroffener Subdistrikte Bangladeschs wurden Konzepte zur Einbeziehung der Bevölkerung, freiwilliger Helfer und von Fachkräften in die Flutkatastrophenvorsorge und -bewältigung mittels Gesundheitsaufklärung, Schaffung von Risikobewusstsein und Erhöhung der Selbsthilfefähigkeit über Teilnahme an Trainingsmaßnahmen erarbeitet und umgesetzt. Zusätzlich zu solchen Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz der Bevölkerung und der Handlungsfähigkeit vor Ort tätiger Fachkräfte des Gesundheitswesens wurde ein mit Ärzten besetztes Telemedizin-Zentrum mit Schwerpunkt auf Vergiftungen, Tierbisse und andere bei Flutereignissen häufige Notfälle eingerichtet. Als entscheidungsunterstützendes Informationssystem kann das Zentrum auch zu Lageerfassung, Einsatzkommunikation und -koordination, organisationsübergreifender Vernetzung und Zusammenarbeit beitragen sowie der Katastrophenvorsorge, Krisen-Kommunikation mit der Bevölkerung und der Forschung dienen. Dieses nach Projektabschluss vom Gesundheitsministerium des Partnerlandes verstetigte Zentrum soll nun zur nationalen Giftzentrale Bangladeschs ausgebaut werden. Das FlutNetz-Verbundprojekt hat zur Verbesserung der bilateralen und intersektoralen Zusammenarbeit mit Bangladesch bei Forschung und Entwicklung beigetragen und dessen notfallmedizinische Fähigkeiten mit dort erstmaligen Demonstrationen technischer Einsatzunterstützung gestärkt. Es hat damit den deutschen Beitrag zur weltweiten Verbesserung des Katastrophenrisikomanagements und zur Erreichung der Ziele internationaler Vereinbarungen verstärkt, die getroffen wurden, um den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen von Naturkatastrophen besser begegnen zu können. Hierzu zählen das „Sendai Framework for Disaster Risk Reduction“ und das „WHO Emergency Care System Framework“, zu dessen Umsetzung das Projekt in Bangladesch zuvor fehlende Komponenten eingeführt hat. Zugleich hat das Vorhaben zur Erreichung nationaler Entwicklungsziele Bangladeschs beigetragen und durch Wissenstransfer in die Politik und Zivilgesellschaft Grundlagen für anschließende Implementationsphasen und den Transfer in Drittstaaten geschaffen.
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