Professionelles Lehrerhandeln zur Förderung fachlichen Lernens unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen (ProfaLe2)
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Hannover : Technische Informationsbibliothek
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- Derzeitiger Stand von Wissenschaft und Technik: Das Projekt orientierte sich an aktuellen Ansätzen und Befunden der nationalen und internationalen Forschung zur Lehrkräfteprofession. Anknüpfend an aktuelle Studien wurden sowohl kognitive als auch affektiv-motivationale Kompetenzen als zentrale Facetten der Lehrkompetenz analysiert, wobei in beiden Projektphasen auf das Konzept der professionellen Unterrichtswahrnehmung (Teacher Noticing) als Bindeglied zwischen Dispositionen und Performanz (Blömeke & Kaiser, 2017) fokussiert wurde. Professionelle Unterrichtswahrnehmung wird dabei über die verschiedenen Ansätze hinweg als aus verschiedenen Facetten bestehend beschrieben, die im Wesentlichen die Wahrnehmung zentraler unterrichtlicher Ereignisse durch die unterrichtende Lehrkraft, die Interpretation dieser Ereignisse unter Bezug auf didaktisches Wissen und die Entwicklung möglicher Handlungsoptionen umfassen (exemplarisch Blömeke et al., 2015). Die Entwicklung von Lehrangeboten in den vier Handlungsfeldern des Projekts und die Evaluation ihrer Wirksamkeit orientierte sich an diesen Konzepten sowie an aktuellen Ergebnissen einschlägiger Studien.
- Begründung/Zielsetzung der Untersuchung: Das Vorhaben ProfaLe2 veränderte die Hamburger Lehrkräftebildung mit dem Ziel der Förderung von vernetztem Wissen bei den zukünftigen Lehrkräften durch die nachhaltige Weiterentwicklung von fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen, pädagogischen und schulpraktischen Studienanteilen. Vernetztes Wissen soll zukünftige Lehrkräfte in die Lage versetzen, ihre fachlichen Unterrichtsangebote kontinuierlich den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen. Zu diesem Zweck wurden innovative Lehrangebote (weiter-)entwickelt, wissenschaftlich begleitet, evaluiert und im Zuge der Reform der Lehrkräftebildung in Hamburg in den neuen Lehramtsstudiengängen verankert.
- Methode: In den vier Handlungsfeldern „Kooperation zwischen Fächern und Fachdidaktiken“, „Sprachlich-kulturelle Heterogenität“, „Inklusion“ und „Phasenübergreifende Kooperation“ wurden Konzeptionen für innovative Lehrveranstaltungen aus der ersten Phase des Projekts ProfaLe weiterentwickelt, insbesondere unter Einbezug weiterer Fächer, und implementiert. In der Begleitforschung des Projekts wurde die Entwicklung der Kompetenzen der Studierenden im neu implementierten Lehramt für Grundschule längsschnittlich evaluiert. Dabei wurden Veranstaltungen aus den Pflichtfächern Deutsch und Mathematik sowie in einer separaten Studie zum Sachunterricht als meist gewähltes drittes Fach fokussiert. Eingesetzt wurden etablierte internetbasierte Instrumente zur Wissensentwicklung der Studierenden im Bereich Fach und Fachdidaktik sowie hinsichtlich fächerübergreifender Aspekte. Insbesondere sollte in der Evaluation dieses Studiengangs und anderer evaluierter Lehrveranstaltungen überprüft werden, ob sich die ProfaLe-Lehrveranstaltungen als geeignet für die Förderung des professionellen Lehrkräftehandelns erwiesen haben.
- Ergebnis: Die in der zweiten Phase des Projekts ProfaLe erzielten Ergebnisse haben die Lehrkräftebildung an der Universität Hamburg nachhaltig verändert. So haben die im Handlungsfeld 1 entwickelten Konzepte zu Kooperationen zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik die fachspezifischen Bestimmungen für die Lehramtsstudiengänge stark beeinflusst, nachdem sich im Rahmen der Reform der Lehrkräftebildung in Hamburg alle Fächer und Fachdidaktiken zu einer Kooperation verpflichtet haben. Weitere Ergebnisse von ProfaLe 2 sind in die fachspezifischen Bestimmungen der erziehungswissenschaftlichen Teilstudiengänge eingeflossen. In die Modulbeschreibungen der Kernpraktika wurden die beiden im Handlungsfeld „Sprachlich-kulturelle Heterogenität“ entwickelten Seminare zu diesem Thema aufgenommen. Sie sind damit ab Wintersemester 2023/24 verpflichtend und werden zukünftig im Austausch mit den Lehrenden der fachdidaktischen Begleitseminare fortlaufend inhaltlich aktualisiert und thematisch weiterentwickelt. Ergebnisse aus dem Handlungsfeld „Inklusion“ wurden in schul- und sonderpädagogische Module integriert und bilden einen neuen Schwerpunkt im Modul „Prioritäre Themen der Lehrkräftebildung“. Sie sind zudem auch in der Fort- und Weiterbildung sowie an anderen Hochschulen nutzbar. Im Handlungsfeld „Phasenübergreifende Kooperation“ wurden zudem Kooperationen mit Schulen bzw. Mentoren und Mentorinnen etabliert. Erklärvideos sollen außerdem den weiteren Ausbau von Kooperationen fördern und verstetigen und langfristig deren Potential für die Beteiligten aus Universität und Praxis verdeutlichen.
- Schlussfolgerung/Anwendungsmöglichkeiten: Die im Projekt implementierten Maßnahmen und die dadurch angestoßenen Veränderungen der universitären Lehrkräfteausbildung, insbesondere in den Bereichen der Kooperation von Fach und Fachdidaktik zur Förderung eines vernetzten Wissens, der Sensibilisierung für die Bedeutung sprachlicher Aspekte auch im Fachunterricht, Sensibilisierung für die Notwendigkeit eines inklusiven Unterrichts und die Bedeutung von Lernbarrieren sowie die Integration von Praxis und Theoriewissen haben einen bedeutenden Beitrag zur Veränderung der Lehrkräfteausbildung geleistet. Konkret haben sie zur Entwicklung von Fähigkeiten zu einem professionellen Lehrkräftehandeln unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen beigetragen, zunächst an der Universität Hamburg. Aufgrund der großen Breitenwirkung der im Projekt erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse und der darauf basierenden Publikationen ist zu erwarten, dass auch an anderen Universitäten - unter Berücksichtigung der jeweiligen institutionellen Situationen – einschlägige Veränderungsprozesse angestoßen wurden bzw. demnächst angestoßen werden. Weiterhin ist erwartbar, dass die angestoßenen strukturellen Veränderungen sowohl an der Universität Hamburg als auch an anderen Universitäten weiterentwickelt werden.
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