"FACE Berufliches Lehramt: Strukturentwicklung und Rekrutierung im Beruflichen Lehramt (gewerblich-technische Mangelfächer)" - Ein Projekt der Pädagogischen Hochschule Freiburg
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Abstract
Die Pädagogische Hochschule Freiburg bietet Lehramtsstudiengänge für alle Schularten an, darunter in Kooperation mit der HAW Offenburg (seit 2003) fünf Berufliche Lehrämter im gewerblich-technischen Bereich sowie in Kooperation mit den HAWn Freiburg, Reutlingen und Albstadt-Sigmaringen (seit 2017) drei weitere berufliche Programme in den Fachrichtungen Pflege, Gesundheit und Textil. Getragen von den Impulsen der ersten und zweiten Phase der Qualitätsoffensive wurden neue Strukturen und Inhalte in den Bereichen Lehre, Forschung, Praxis etabliert. Dies mündete 2018 in die (Neu-)Gründung von FACE als ,,School of Education“. lm Sinne der Leit-gedanken der Kohärenz und Professionsorientierung sollen in diesem Projekt die beruflichen Lehramtsstudien-gänge (gewerblich-technische Fachrichtungen in Kooperation mit der HAW Offenburg) weiterentwickelt werden. Das heißt, dass in den Lehramtsstudiengängen in zwei wesentlichen Bereichen Verbesserungen angestrebt werden. Im Bereich A: „Strukturentwicklung in gewerblich-technischen Lehramtsstudiengängen“ wird (a) eine Stärkung der Professionsorientierung durch stärkere Kohärenz zwischen Ingenieurwissenschaften, gewerblich-technischen Fachdidaktiken, Berufspädagogik und den Praxisphasen angestrebt. Daneben soll der (b) Ausbau der Bereiche Inklusion/Umgang mit Heterogenität sowie Deutsch als Zweit- und Fremdsprache durch Entwicklung/Umsetzung entsprechender Veranstaltungen im Curriculum der gewerblich-technischen Fachrichtungen verankert werden. Daneben wird die (c) Organisationsentwicklung und phasenübergreifende Kooperation durch nachhaltige Zusammenarbeit der Akteure der Lehrerbildung (Hochschulen, Staatliches Seminar, Praktikumsschulen, Unternehmen, IHK & HwK) in Ergänzung des Praxiskollegs von FACE fokussiert. Im Bereich B: „Rekrutierung von Studierenden und Stabilisierung einschlägiger Studienentscheidungen bzw. Studienverläufe“ soll das Problem der Gewinnung von Studierenden bzw. der Stabilisierung der Studien- und Berufsentscheidung differenziert angegangen werden. Dies soll zum einen durch (a) die komplette Neuentwicklung eines integrierten Pilotstudiengangs in den Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik erreicht werden, in dem zwei Aspekte neu sind: (1) parallel zum Studienabschluss kann ein vollwertiger Berufsabschluss nach BBiG erlangt werden, womit das studienzeitverlängernde Problem des 52-wöchigen Betriebspraktikums entschärft wird; (2) eine Kombination mit einem allgemeinbildenden Unterrichtsfach sollte möglich sein. Außerdem sollen (b) lnformations- und Unterstützungsstrukturen etabliert werden, z. B. lehramtsbezogene Beratungen der Klassen-stufen 8–10 (insbesondere für Mädchen) indem das (soziale) Berufsbild der Lehrkraft im Zentrum steht, Schaffung einer Technik-Erlebniswelt für Schülerinnen und Aufbau eines genderspezifischen Kaskaden-Mentoringsystems. Koordination und Struktur, Marketing und Qualitätssicherung: Im Bereich „Koordination und Struktur“ trugen regelmäßig stattfindende Arbeits-, Koordinierungs- und Abstimmungstreffen zwischen den Teilprojekten zur Weiterentwicklung und Gewährleistung einer transparenten inneren Struktur bei. Daneben organisierte die Projekt-koordination die Jahrestagung der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) vom 26.–28.09.2022 an der PH Freiburg, wobei es neben eigenen Tagungsbeiträgen zum intensiven Austausch und zur übergreifenden Vernetzung kam. Auf dem Abschlusskongress der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ in Berlin (Oktober 2023) durfte das Freiburger Team um „FACE-Beruf“ seine Arbeiten gleich zweimal erfolgreich vorstellen. Weiterhin nahm das Freiburger Team mit dem seit 2021 bestehenden „Netzwerk empirische Forschung zur beruflichen Lehrkräftebildung“ kooperativen Arbeiten für das gewerblich-technische Lehramt auf. Im „Marketing“ erfolgten über die gesamte Projektlaufzeit regelmäßige Messeauftritte, es wurden ein Instagram-Kanal etabliert, aktuelle Informationen auf allen Web-Auftritten des Projekts gestreut sowie Informationsveranstaltungen an Schulen durchgeführt. Im Rahmen der „Qualitätssicherung“ wurde eine tragfähige Dokumentationsstruktur etabliert, die Berichtslegung umgesetzt und eine Studierendenbefragung zur Überprüfung der Wirksamkeit der initiierten Teilprojekte durchgeführt. Im Bereich A: „Strukturentwicklung in gewerblich-technischen Lehramtsstudiengängen“ wurde im Teilprojekt „A1 – Stärkung der Professionsorientierung durch Kohärenz“ insbesondere eine Abstimmung zwischen Fachwissenschaften, gewerblich-technischen Fachdidaktiken und der (beruflichen) Bildungswissenschaft durch interdisziplinäre Curriculums- und Lehrentwicklung angestrebt. Im Zuge dessen ist eine Änderung der Studien- und Prüfungsordnungen der B.A.-Studiengänge zugunsten der Bildungswissenschaften erreicht. Veranstaltungen sind nun phasenübergreifend besser aufeinander abgestimmt und verpflichtende Angebote in den Querschnittsbereichen DaZ/DaF sowie Heterogenität/Inklusion wurden geschaffen. Darüber hinaus werden Reflexionsseminare angeboten, die die schulpraktische Vor- und Nachbereitung fokussieren und den Studierenden die Möglichkeit geben, sich untereinander auszutauschen. Als Basis für die Lehrentwicklung im Teilprojekt „A2 – Heterogenität und Deutsch als Zweit- und Fremdsprache“ wurde zunächst eine Bedarfsanalyse und die Abstimmung mit dem Seminar für Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte Freiburg (Berufliche Schulen) durchgeführt. Darauf aufbauend konnten Lehr-Lern-Bausteine zu Inklusion/Heterogenität und DaZ/DaF konzipiert, in den Studiengängen Berufliches Lehramt erprobt, evaluiert sowie die mögliche curriculare Verankerung unter Einbezug aller beteiligten Akteure aus-gehandelt werden. Ergebnis der Lehrentwicklung ist die curriculare Verankerung der Querschnittsthemen in den B.A.- und M.A.-Studiengängen mit je 6 ECTS. Im B.A. wird hierfür ein neues Modul geschaffen, im M.A. werden zwei Lehrveranstaltungen in ein bestehendes Modul integriert. Es liegen ein studienphasenübergreifendes Kon-zept mit integrativen und additiven Elementen sowie ausgearbeitete Lehr-Lern-Bausteine vor, die ab Inkrafttreten der neuen Studien- und Prüfungsordnung umgesetzt werden. Parallel dazu wurde eine PLG gemeinsam mit A4 mit Lehrkräften beruflicher Schulen geplant und durch fachliche Impulse mitgestaltet. Das Teilprojekt „A3 – Phasen-übergreifende Curricula“ verfolgte das Ziel, die Curricula der HAW Offenburg, der PH Freiburg und des Seminars für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Freiburg (Berufliche Schulen) in den Praxisphasen besser miteinander abzustimmen und zu verzahnen. Zur Analyse der gewerblich-technischen Lehramtsstudiengänge bzgl. Status quo, Bedürfnissen und kritisch-konstruktiven Aspekten, wurden leitfadengestützte Interviews mit Vertreterinnen aller beteiligten Institutionen geführt. Die Ergebnisse wurden mit den Partnern reflektiert und Informationsveranstaltungen für neue Studierende etabliert, der Schulpraxisbericht und Merkblätter überarbeitet, Feed-backbögen für Studierende erstellt, die Begleitveranstaltungen für M2 und M3 in der Fachdidaktik und der Pädagogik mit dem Seminar angepasst. Neben der engen Zusammenarbeit mit A1 und B1, wurden Kohärenzerhebungen durch Evaluationen der ergriffenen Maßnahmen ergänzt. Im Teilprojekt „A4 – Nachhaltige Zusammenarbeit aller Akteurinnen der Lehrerbildung“ stand zunächst die interne und externe Vernetzung sowie die Implemen-tierung von professionellen Lerngemeinschaften (PLG) im Fokus. Neben der internen Vernetzung war vor allem die Vernetzung mit den externen Partnern von Bedeutung, die im Laufe des Projekts durch die einzelnen Maß-nahmen direkt erfolgte. Dazu zählen die HAW Offenburg, die HwK Freiburg, die IHK Freiburg, das Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Freiburg (Berufliche Schulen), Berufliche Schulen und Ausbildungsbetriebe. Die Zusammenarbeit mit anderen Stellen im Rahmen der PLG (Thema DaZ/DaF) erfolgte in einer einjährigen Pilotphase mit Vertreterinnen der HwK Freiburg, IHK Freiburg sowie von Beruflichen Schulen und mit der Firma MS Gear ein Unternehmen. Im Bereich B: „Rekrutierung von Studierenden und Stabilisierung einschlägiger Studienentscheidungen bzw. Studienverläufe“ war es im Teilprojekt „B1 – Integrierter Pilotstudiengang B.Ed./M.Ed.“ das Ziel, den Studieren-den einen unmittelbaren Einstieg in den Vorbereitungsdienst an beruflichen Schulen zu gewährleisten. Neben den berufs- und wirtschaftspädagogischen sowie fachdidaktischen Inhalten des Studiums soll es den Studierenden ermöglicht werden, einen Facharbeiterabschluss nach BBiG zu erwerben. Dies erfüllt die Bedingungen der 52-wöchigen verpflichtenden Betriebspraxis für einen Einstieg in den Vorbereitungsdienst und bietet einen Einblick in die reale Praxis. Der Pilotstudiengangs mit integrierter Berufsausbildung (Fachrichtungen Metall- und Elektro-technik) wird nach Projektende evaluiert, wissenschaftlich begleitet und als good-pratice-Beispiel für die Gestaltung weiterer gewerblich-technischer Fachrichtungen genutzt und disseminiert. Die vorläufige Studien- und Prüfungsordnung ist den entsprechenden Gremien vorgelegt, die Pilotierung des Studiengangs wird zum WS 2025 erfolgen. Untersucht wird dann, ob die Professionsorientierung und eine verstärkt wahrgenommene Kohärenz durch den doppelten Gegenstandsbezug (Theorie/Praxis) und die bereits im zweiten Semester ansetzende Ver-zahnung von Fachwissenschaft, BMBF-Vordr. 3831/03.07_2 Fachdidaktik und Bildungswissenschaften (A1) erreicht werden kann. Das Teilpro-jekt „B2 – Unterstützungsstrukturen“ verfolgt das Ziel, neue Studierende für das gewerblich-technische Lehramt zu gewinnen und die Studienentscheidung zu stabilisieren. Hierfür wurden Unterstützungssysteme in Form des kaskadenförmigen Mentoring-Programms für Studierende angeboten und eine Technik-Erlebniswelt für Schüler*innen der 5./6. Klassenstufe sowie der Oberstufe entwickelt, die das Technikinteresse der Zielgruppen wecken und vertiefen soll. Daneben wurden neue Flyer, Roll-Ups etc. für die Studiengänge erstellt und auf Messen präsentiert, um dort für die gewerblich-technischen Lehramtsstudiengänge zu werben (siehe Marketing).
