Integration des Wasserbüffels in die Wertschöpfungsketten der Paludikultur und der pflanzenbasierten Bioökonomie; Kurztitel: "Büffelwirtschaft"; AP 2 Beweidungseffekte und Biodiversität

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Hannover : Technische Informationsbibliothek

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Die Beweidung mit Wasserbüffeln ist eine der wenigen tiergebundenen Verwertungsmöglichkeiten von Pflanzenaufwüchsen vernässter Moorflächen. Nördlich des 50. Breitengrades gibt es in Europa allerdings bislang wenig Erfahrungen mit der Haltung von Wasserbüffeln zur Fleischerzeugung. Im Projektgebiet Vorpommern bestehen vergleichsweise gute Voraussetzungen zur Einbindung von Wasserbüffeln in die Pflege küstennaher Feuchtgebiete. Hierzu bedarf es neben Erfahrungen im Umgang mit den Büffeln als Weidetieren auch eines evidenten und verifizierbaren Wissens zu den vielfältigen Aspekten einer Verfahrensgestaltung, die eine Optimierung der erzeugenden und regulierenden Ökosystemdienstleistungen anstrebt. Bisherige Angaben zum Schlüsselmerkmal der Futterakzeptanz von Helophyten und den damit einhergehenden landschaftspflegerischen Leistungen beruhen vorwiegend auf anekdotischem und nicht evidenzbasiertem Wissen. Zudem wurden Aspekte des Tierwohls nur unzureichend mit in Betracht gezogen. Ziel der Untersuchungen auf drei Weideflächen im Küstensaum Vorpommerns war es daher, verifizierbare Daten zu den einzelnen Ökosystemdienstleistungen der Fleischerzeugung, der Vegetationsbeeinflussung und der Förderung von Invertebraten auf Wasserbüffelweiden zu generieren und dabei das Tierverhalten mit einzubeziehen. Dazu wurden auf drei Weidearealen über einen Zeitraum von über zwei Jahren Tierwägungen vorgenommen, die Vegetation quantitativ und qualitativ erfasst, das Futteraufnahmeverhalten studiert sowie auf einer Fläche das Bewegungs- und Verhaltensmuster eines Leittiers ganzjährig erfasst. Darüber hinaus sind die Vertreter der Ordnung Coleoptera auf einer Büffelweide aufwendig erfasst und taxonomisch bestimmt worden. Im Ergebnis konnten realistische Benchmarks für die Produktionsleistungen von Wasserbüffeln in Abhängigkeit vom Alter und Geschlecht bei Verwertung typischer Feuchtgrünlandbestände ermittelt werden. Die positiven landschaftspflegerischen Effekte auf die Biodiversität beruhten im Wesentlichen auf dem im Vergleich zu Rindern stärkeren Verbiss konkurrenzstarker, zur Dominanz neigender Helophyten. Eine kolportierte etwaige Präferenz für diese Arten konnte hingegen nicht festgestellt werden. Die Wasserbüffel weideten jedoch weniger selektiv und mieden die nassen Bereiche beim Grasen nicht. Für ihre Ruheaktivitäten bevorzugten sie hingegen trockene Bereiche, was bei der Zuteilung von Weideflächen berücksichtigt werden sollte. Hitzestress trat im Untersuchungszeitraum nicht auf, dennoch wurden Suhlen angelegt. Dies deutet darauf hin, dass dieses Verhalten offenbar nicht allein dem Hitzeschutz, sondern auch der Hautpflege und der Ektoparasiten-Prophylaxe dient. Die aktive Mikrohabitat-Beeinflussung der Wasserbüffel führte zu einer hohen Anzahl an verschiedenen Käferarten auf den Weiden, unter ihnen auch besonders schützenswerte Wasserkäferarten. Die belegten produktionsunabhängigen Ökosystemdienstleistungen rechtfertigen demnach Förderungen dieser Art der extensiven Weidehaltung mit öffentlichen Mitteln. Diese können zur ökonomischen Stabilisierung des Verfahrens der Feuchtgebietsbeweidung mit Wasserbüffeln empfohlen werden.


Grazing with water buffalo is one of the few animal-based ways of utilising plant growth in rewetted marsh- and peatlands. However, north of the 50th parallel, there has been little experience in Europe to date with keeping water buffalo for meat production. The project area in Western Pomerania offers comparatively good conditions for integrating water buffalo into the management of coastal wetlands. In addition to experience in handling buffalo as grazing animals, this also requires evident and verifiable knowledge of the many aspects of process design aimed at optimising the productive and regulatory ecosystem services. Previous information on the key characteristic of feed acceptance by helophytes and the associated landscape conservation services is based primarily on anecdotal and non-evidence-based knowledge. In addition, animal welfare aspects have not been sufficiently taken into account. The aim of the studies on three pasture areas in the coastal zone of Western Pomerania was therefore to generate verifiable data on the individual ecosystem services of meat production, vegetation influence and the promotion of invertebrates on water buffalo pastures, taking animal behaviour into account. For this purpose, animal weighing was carried out on three grazing areas over a period of more than two years, the vegetation was recorded quantitatively and qualitatively, feeding behaviour was studied and the movement and behaviour patterns of a lead animal were recorded throughout the year on one area. In addition, representatives of the order Coleoptera on a buffalo pasture were extensively recorded and taxonomically identified. As a result, realistic benchmarks for the production performance of water buffaloes depending on age and sex could be determined when utilising typical wet grassland growths. The positive landscape conservation effects on biodiversity were mainly based on the stronger biting of competitive, dominance-prone helophytes compared to cattle. However, no reported preference for these species could be proven. The water buffalo grazed less selectively and did not avoid wet areas when grazing. For their resting activities, however, they preferred dry areas, which should be taken into account when allocating grazing areas. Heat stress did not occur during the study period, but wallows were still created. This suggests that this behaviour is apparently not only for heat protection, but also for skin care and ectoparasite prophylaxis. The active microhabitat influence of the water buffalo led to a high number of different beetle species on the pastures, including water beetle species that are particularly worthy of protection. The proven production-independent ecosystem services therefore justify the use of public funds to support this type of extensive grazing. These can be recommended for the economic stabilisation of the process of wetland grazing with water buffaloes.

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