REGION.innovativ - zirkulierBAR: Interkommunale Akzeptanz für nachhaltige Wertschöpfung aus sanitären Nebenstoffströmen - Nährstoffwende - von linearer Sanitärspülung zur zirkulären Nährstoffverwertung

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Hannover : Technische Informationsbibliothek

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Die konventionelle Abwasserbehandlung ist ressourcenintensiv und führt zum Verlust wertvoller Nährstoffe, die in der Landwirtschaft als Pflanzennährstoffe benötigt werden. Der umwelttechnische Ansatz der "Stoffstromtrennung" (bekannt aus der Abfallwirtschaft) ermöglicht es, Urin und Fäzes wasserlos sowie getrennt zu sammeln und durch geeignete Aufbereitungsverfahren sicheren und effektiven, d. h. hygienisch unbedenklichen, schadstoffarmen und nährstoffreichen Dünger zu produzieren. Vor diesem Hintergrund widmete sich das inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekt zirkulierBAR über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren der Erforschung, Entwicklung und Implementierung eines nachhaltigen Kreislaufsystems zur Rückgewinnung von Nährstoffen aus menschlichen Ausscheidungen. Ziel dieser Innovation ist es, durch die Aufbereitung von Inhalten aus Trockentoiletten und die Herstellung eines hochwertigen Recyclingdüngers einen Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Umweltschutz zu leisten. Durch den Aufbau einer Recyclinganlage für Inhalte aus Trockentrenntoiletten auf dem Betriebsgelände der Kreiswerke Barnim (KWB) GmbH in Eberswalde, im Landkreis Barnim, konnte die Herstellung und Anwendung von Recyclingdünger vor Ort erprobt und wissenschaftlich ausgewertet werden. Zusammen mit dem Praxispartner Finizio erweiterten die KWB eine existierende Pilotanlage zu einer Forschungsanlage mit Humusregal und Urinaufbereitungsanlage. Die im Rahmen von zirkulierBAR aufgebaute Forschungsanlage wurde als „Reallabor“ betrieben. Sie wurde wissenschaftlich begleitet, diente als transparente Produktionsstätte für Interessierte, und förderte den interkommunalen und interdisziplinären Wissens- und Erfahrungsaustausch. Durch Dialogveranstaltungen und Workshops wurden Kommunen, Politik, Unternehmen und Gesellschaft in den Prozess einbezogen, um die Akzeptanz und Kollaboration im Innovationsökosystem zu stärken. Das Projekt konnte mehrere bedeutende Ergebnisse erzielen: ∞ Technische Machbarkeit: Es wurde gezeigt, dass die Aufbereitung von Trockentoiletteninhalten zu qualitativ hochwertigem und hygienisch unbedenklichem Recyclingdünger technisch realisierbar ist. Die entwickelte Anlage in Eberswalde dient dabei als Modell für zukünftige Implementierungen. ∞ Ökologische und ökonomische Vorteile: Durch die Nutzung von Trockentoiletten und die Wiederverwertung der gesammelten Inhalte können Wasserressourcen geschont und der Einsatz von synthetischen Düngemitteln reduziert werden. Zudem bietet das System wirtschaftliche Vorteile für landwirtschaftliche Betriebe durch die Bereitstellung kostengünstiger Düngeralternativen, die zudem lokal/regional verfügbar gemacht werden können. ∞ Gesellschaftliche Akzeptanz: Eine hinreichende Akzeptanz von Trockentoiletten und Recyclingdüngern seitens der (ökologischen) Landwirtschaft und in der Bevölkerung ist vorhanden. Sie bildet eine wichtige Grundlage für die breite Einführung des Systems. ∞ Wissenstransfer: Mit der Veröffentlichung des "Handbuchs für die Sanitär- und Nährstoffwende" steht ein umfassendes Werk zur Verfügung, das die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse bündelt und als Leitfaden für die Umsetzung ähnlicher Initiativen dient. Auch die im Projekt erstellten Tools (Planspiel, Recycling-Rechner) unterstützen einen nachhaltigen, über den Projektzeitraum hinausreichenden Wissenstransfer. Insgesamt hat das Projekt zirkulierBAR gezeigt, dass die Rückführung von Nährstoffen aus menschlichen Ausscheidungen in den landwirtschaftlichen Kreislauf nicht nur technisch machbar, sondern auch ökologisch sinnvoll und gesellschaftlich akzeptiert ist.

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