BiodiWert II: Konzepte zur Wiederherstellung von artenreichem Grünland in Deutschland (Grassworks-2) - Modellregion Süd - Erfolgskontrolle der Grünlandrenaturierung in Mitteleuropa

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Hannover : Technische Informationsbibliothek

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Im Projekt Grassworks arbeiteten fünf Hochschulen mit Expertise im Bereich Ökologie, Sozial-Ökologie und Ökonomie mit dem Thünen-Institut und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege 3–4 Jahre zusammen. Ziel war ein besseres Verständnis der Faktoren einer erfolgreichen Renaturierung von Grünland in Mitteleuropa. Die zentrale Hypothese war, dass der Erfolg bei hoher ökologischer und sozialer Komplexität der Maßnahmen am größten ist. Dazu wurden in drei Regionen Deutschlands (Nord, Mitte, Süd) in je 30 bereits umgesetzte Renaturierungsprojekte der Einfluss ökologischer, sozial-ökologischer und ökonomischer Rahmenbedingungen auf den Renaturierungserfolg untersucht. Komplementär wurden in drei ‚Reallaboren‘ Vorher-/Nachher-Befragungen zur Wertschätzung von Biodiversität, Ökosystemfunktionen und -leistungen durchgeführt. Entsprechende Maßnahmen wurden zusammen mit lokalen Akteuren geplant und in ausgewählten Gemeinden umgesetzt.

Die Analyse der ökologischen Rahmenbedingungen zeigte, dass Direkternte von Saatgut bzw. Übertragung von Heu oder Druschgut, die Verwendung von Regiosaatgut oder eine Anpassung der Mahd bzw. Beweidung besonders erfolgreich waren. Sie führten zu der höchsten Vielfalt der Pflanzen, Tagfalter und Wildbienen. Im Gegensatz dazu hatten Wiesen und Weiden nach Einsaat von Regelsaatgut eine deutlich geringere Vielfalt der untersuchten Gruppen. Insgesamt führte eine aufwendige Renaturierung zu besonders hohem Erfolg. Dazu gehören eine gute Vorbereitung der degradierten Fläche sowie eine angepasste Pflege. Wichtig sind lokale krautige Arten aus regionaler Herkunft und möglichst wenige konkurrenzstarke Gräser. Eine Wiederbeweidung von Flächen mit hohem Artenpotenzial ist ebenfalls zu empfehlen. Für die Förderung von Insekten bietet artenreiches Grünland hochwertige Habitate mit ausreichend Nahrung für alle Entwicklungsstadien; dies wird durch extensives Management gefördert, insbesondere durch abschnittsweise Mahd sowie Altgrasstreifen.

Die sozial-ökologische Umfrage in den Reallaboren identifizierte unterschiedlich Werte-Perspektiven. Die Berücksichtigung dieser Werte ermöglicht ein stärkeres Engagement der Akteure in den Reallaboren. Die Bewertung der Biodiversität des Grünlands war oft mit der der umgebenden Landschaft verbunden. Die Landschaftsanalyse muss daher einbezogen werden, um eine verbesserte Mensch-Natur-Beziehung und damit eine wirksamere Projektunterstützung zu erreichen. Weitere ökonomischen und politischen Analysen der Grünlandrenaturierung identifizierten Stärken und Defizite der untersuchten Projekte, die in den Reallaboren vermittelt wurden. Damit konnte ein forschungsbasierter Transformationsprozess initiiert werden.

Die Technische Universität München (TUM) hat in der Modellregion Süd wesentlich beigetragen zu diesem verbesserten Verständnis der steuernden Faktoren einer erfolgreichen Renaturierung von artenreichem Grünland. Dies war möglich durch eine enge und produktive Zusammenarbeit der beteiligten ökologischen und ökonomischen Forschungsgruppen der TUM sowie der anderen Projektpartner. Die TUM hatte die Hauptverantwortung für die Nachher-Untersuchung von Grünland-Renaturierung sowie ein Reallabor für gesellschaftliche Transformation in dieser Region. Die TUM leistete darüber hinaus Zuarbeit zu anderen Arbeitspaketen, u.a. durch konzeptionelle Diskussionen, Bereitstellung von Daten sowie Mitarbeit bei Manuskripten. Die Ergebnisse sind in einer Vielzahl an Tagungsbeiträgen und Veröffentlichungen dargestellt als Grundlage für Anwendungen in der Praxis sowie neue Forschungsprojekte.

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