ROAD - Caregiving from a distance - Häusliche Pflege in der Zukunft: flexibel und nah

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Hannover : Technische Informationsbibliothek
München : oekom verlag

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Aktuell sind knapp sechs Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Davon werden 86 Prozent in der Häuslichkeit versorgt. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Zahl an pflegebedürftigen Menschen einerseits, dem Fachkräftemangel in der Pflege andererseits sowie weiteren Herausforderungen bedingt durch den demographischen und gesellschaftlichen Wandel ist die Forschung zu neuen Versorgungsmodellen von hoher Relevanz. Vor diesem Hintergrund hat sich die Nachwuchsgruppe ROAD mit der Entwicklung eines Modells zur zuverlässigen Gestaltung von distance caregiving auseinandergesetzt. Dabei waren drei Forschungsfragen handlungsleitend: Welche Anforderungen (inkl. Einstellungen, Präferenzen, Bedarf) stellen die Akteur:innen an das Pflegearrangement distance caregiving? Wie funktioniert das Pflegearrangement distance caregiving zuverlässig, um Selbstständigkeit und Sicherheit für alle Akteur:innen zu gewährleisten? Welche Empfehlungen können für die nachhaltige Translation der Forschungsergebnisse gegeben werden? In einem qualitativen Mehrmethodendesign wurden Interviews mit Triaden (n=20), bestehend aus pflegeempfangenden Personen (n20), distance caregivern (n=20) und Personen des lokalen Netzwerkes (n=18), sowie mit Technikanbieter:innen (n=3) geführt und anhand der phänomenologischen Analyse ausgewertet. Des Weiteren wurden teilnehmende Beobachtungen in der Häuslichkeit der pflegeempfangenden Personen geführt (n=20). Die Akteur:innen im Pflegearrangement distance caregiving handeln aufgrund eines Verpflichtungsoder Reziprozitätsgedankens. Übergeordnetes Ziel ist es, die Versorgungssicherheit der pflegeempfangenden Person - gesundheitlich und im täglichen sozialen Umfeld – sicherzustellen. Distance caregiver möchten aus der Ferne sichergehen, dass die Versorgung der pflegeempfangenden Personen ohne ihre Präsenz und/oder Kontrolle vor Ort funktioniert. Sie wünschen sich zudem Informationssicherheit bezüglich des allgemeinen Zustandes und des Gesundheitszustandes der pflegeempfangenden Person. Allen Akteur:innen ist dabei die eigene sowie die Autonomie der anderen Beteiligten im Pflegearrangement wichtig. Eine transparente Entscheidungsfindung, eine klare Aufgabenteilung und eine strukturierte Alltagsorganisation tragen dazu bei, Routine im Alltag der pflegeempfangenden Person entstehen zu lassen. Im Pflegearrangement distance caregiving benötigt es des Weiteren eine gegenseitige, transparente und kontinuierliche Kommunikation (Bünning & Budnick, 2025), welche sensitive und/oder konfliktreiche Themen beinhaltet. Bei steigendem Pflegebedarf unterstützen professionelle Dienste die reguläre Informationssicherheit bzgl. des allgemeinen und des Gesundheitszustandes der pflegeempfangenden Personen (Bünning & Budnick, 2025). Das private lokale Netzwerk unterstützt bei der alltäglichen Pflege und stellt auch Unterstützung in Notfällen bereit. Die Erreichbarkeit zwischen den Akteur:innen sollte untereinander zuverlässig sein, insbesondere in Notfällen. Mit zunehmendem Pflegebedarf steigt ebenfalls die Kontaktfrequenz, sowohl telefonisch und per Messenger, als auch vor Ort zum Informationsaustausch und zur Unterstützung der pflegeempfangenden Personen in der Häuslichkeit, für Besorgungen und administrative Aufgaben. Nicht ausschließlich bzgl. der Versorgung ist das lokale Netzwerk von hoher Bedeutung. Durch die mit steigendem Pflegegrad eingeschränkte Mobilität können die pflegeempfangenden Personen sich häufig nicht mehr ohne Unterstützung mit Freund:innen und Verwandten treffen. Somit steigt auch mit dem Pflegegrad der Wunsch aller Akteur:innen nach sozialen Kontakten in der Häuslichkeit der pflegeempfangenden Person. Bei allen Interdependenzen betonen die Akteur:innen die Notwendigkeit der Zuverlässigkeit untereinander im Pflegearrangement (Bünning & Budnick, 2025). Das Pflegearrangement funktioniert zuverlässig, wenn möglichen Hürden, die durch die räumliche Distanz zwischen distance caregiver und pflegeempfangender Person entstehen, entweder durch Personen des professionellen und/oder privaten lokalen Netzwerkes und/oder durch technische Unterstützungssysteme, entgegengewirkt wird. Die technischen Unterstützungssysteme sollten für alle Akteur:innen leicht bedienbar sein und zuverlässig funktionieren. Letzteres inkludiert sowohl einen angemessenen Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre der pflegeempfangenden Personen als auch die zuverlässige Funktion der Technik ohne Ausfälle oder Fehlalarme. Darüber hinaus äußern distance caregiver und Vertreter:innen des lokalen Netzwerkes den Wunsch nach bedarfsgerechten Beratungsangeboten für die spezifischen Anforderungen an das Pflegearrangement distance caregiving. Insgesamt kritisieren die Studienteilnehmenden der Nachwuchsgruppe ROAD generell die fragmentierte Angebotsstruktur für die häusliche Pflege in Deutschland. Somit leitet sich aus den Ergebnissen der Bedarf für bereichsübergreifende und integrierte Versorgungsstrukturen ab. Regional sollte die Verfügbarkeit von Leistungsanbietern, Ehrenamtlichen und unterstützenden Organisationen in Echtzeit auch digital abrufbar sein. Die digitale Transformation der ambulanten Angebotsstruktur könnte einen Beitrag zur zuverlässigen Gestaltung des Pflegearrangements distance caregiving leisten.

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