RESZ-Verbundvorhaben: Leipziger BlauGrün - Blau-grüne Quartiersentwicklung in Leipzig

Ergebnisdokumentation Leipziger BlauGrün II (unter Berücksichtigung der Vorarbeiten von Phase I) : auch als Teil I und II zum Endbericht zum Verwendungsnachweis

Abstract

Projekt: Leipziger BlauGrün – Blau-grüne Quartiersentwicklung in Leipzig

Das vom BMBF mit rund 2,8 Mio. € geförderte Verbundprojekt Leipziger BlauGrün zielte auf die Entwicklung und Umsetzung übertragbarer Konzepte für klimaresiliente, ressourcen¬effiziente Stadtquartiere. Im Mittelpunkt standen eine deutliche Entlastung der Abwassersysteme, die Verbesserung von Mikroklima und Energieeffizienz sowie ein resilienter Umgang mit Starkregen. Grundlage des Projektes war ein transdisziplinärer Co-Design-Prozess zwischen Wissenschaft, Stadtverwaltung, kommunalen Unternehmen, Wohnungswirtschaft und Fachplanung.

Zentrale Ergebnisse im Neubauquartier (Leipzig 416)

Am Beispiel des Neubauquartiers am Eutritzscher Freiladebahnhof wurden erstmals integrierte blau-grüne Wasser- und Energieinfrastrukturen planerisch, technisch und genehmigungsrechtlich verankert. Wesentliche wissenschaftliche Beiträge führten direkt zu verbindlichen Festsetzungen im Bebauungsplan Nr. 416, u. a. zur vollständigen Retention und Versickerung von Niederschlagswasser, zur Bewältigung von Starkregenereignissen (HQ100) sowie zur verpflichtenden Dachbegrünung mit Retentionsfunktion. Ein innovatives Übergangskonzept zur Regenwasserbewirtschaftung während der Bauphasen (Interimsmulde) adressiert praxisrelevante Herausforderungen der Bauabwicklung und ist auf andere Schwammstadtquartiere übertragbar.

Für den Schulstandort im Quartier wurden blau-grüne Infrastrukturen zur Starkregenvorsorge und zur Annäherung an einen naturnahen Wasserhaushalt modelliert. Die Simulationen zeigten, dass auch auf stark versiegelten Flächen eine weitgehende Rückhaltung und Nutzung von Regenwasser sowie eine signifikante Verbesserung der Verdunstungsleistung möglich sind. Ergänzend wurde ein stand-alone-Energiekonzept für den Schulcampus entwickelt, das auf PVT-Modulen, Geothermie und Eigenstromerzeugung basiert und eine nahezu CO₂-neutrale Versorgung ermöglicht.

Ergebnisse zur Implementierung im Bestand

Für Leipziger Bestandsquartiere der LWB wurde gezeigt, dass blau-grüne Maßnahmen auch im Bestand hohe Wirkungsgrade (60–100 %) im Starkregenmanagement und bei der Wiederherstellung eines ausgeglichenen Wasserhaushalts erreichen können. Mithilfe blockbasierter Modellansätze und Szenarienvergleiche wurden standortspezifische Potenziale transparent gemacht.

Als zentrales übertragbares Ergebnis entstand die „Matrix Leipziger Blau-Grün“, eine strukturierte Handlungsempfehlung zur frühzeitigen Integration blau-grüner Infrastruktur in die Freiraum- und Quartiersplanung. Ergänzend wurde die Technologie-Toolbox 2.0 weiterentwickelt, die Energie-, Sanierungs- und blau-grüne Technologien systematisch vergleicht. Für typische Gebäudetypen (u. a. WBS 70) wurden energetische Sanierungsoptionen inklusive CO₂-Bilanzierung erarbeitet, die als Blaupause für weitere Quartiere dienen können.

Evaluierung kommunaler Bestandsgebäude

Bereits umgesetzte blau-grüne Maßnahmen an kommunalen Gebäuden wurden technisch, hydrologisch, energetisch und mikroklimatisch evaluiert. Nachhaltigkeits- und Energie-Steckbriefe ermöglichen eine objektbezogene Bewertung und Ableitung von Maßnahmen. Messungen und Simulationen belegen signifikante mikroklimatische Effekte: Begrünte Innenhöfe und Retentionsdächer senken Oberflächen- und Lufttemperaturen messbar und verbessern die Aufenthaltsqualität deutlich. Zentrales Syntheseprodukt ist ein Handbuch zur Planung gekoppelter blau-grüner Infrastrukturen, das die Projektergebnisse praxisnah bündelt.

Gesamtstädtische Potenziale (AP 4)

Ziel des Arbeitspakets 4 war es, die gesamtstädtischen Wirkungen blau-grüner Infrastrukturen (BGI) in Leipzig in Bezug auf Starkregenvorsorge, Gewässer- und Hitzeschutz sowie den städtischen Wasserhaushalt systematisch zu bewerten und daraus priorisierte Investitionsempfehlungen für öffentliche Liegenschaften abzuleiten. Dabei wurden sowohl Aspekte der Klimaanpassung als auch des Klimaschutzes berücksichtigt. Methodisch wurden ausgewählte, praxisrelevante BGI-Maßnahmen für Straßenräume, Grundstücke und Quartiere definiert, hydraulisch modelliert und hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit, Kosten und Umsetzbarkeit bewertet. Ergänzend flossen stadtklimatische Daten, Informationen zu Grünvolumen, Baumbestand und Verschattung in die Analysen ein.

Ein zentrales Ergebnis ist der Modulbaukasten wassersensibler Straßenraum, der standardisierte, kombinierbare Planungselemente für die frühe Straßenraumplanung bereitstellt. Der Baukasten ermöglicht es, blau-grüne Elemente systematisch in Um- und Neubauvorhaben – etwa im Kontext der Wärmewende – zu integrieren. Für alle Module wurden Kennzahlen zu Rückhaltevermögen, Wasserhaushalt, Hitzeschutz, THG-Wirkung, Bewässerungsbedarf und Kosteneffizienz erarbeitet. Damit unterstützt der Baukasten eine vereinfachte, beschleunigte und qualitätsgesicherte Planung.

Ergänzend wurden stadtweite Potenzialkarten und neue Geodatenanwendungen entwickelt, die eine flurstücksgenaue Bewertung der Eignung für einfache bis komplexe Versickerungslösungen erlauben. Diese Karten bilden eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für das städtische Lenkungsnetzwerk Wassersensible Stadtentwicklung und ermöglichen die gezielte Priorisierung zukünftiger Investitionen im öffentlichen und privaten Bestand. Ein begleitender Wissenstransfer durch Workshops, Fachveranstaltungen und Weiterbildungsformate stellte sicher, dass die Ergebnisse frühzeitig in Planungs- und Entscheidungsprozesse der Stadt eingebunden wurden.

Verstetigung und Transfer (AP 5)

AP 5 zielte darauf ab, die im Projekt entwickelten blau-grünen Ansätze dauerhaft in Leipziger Planungsprozesse zu integrieren, auf andere Kommunen zu übertragen und geeignete politische sowie rechtliche Rahmenbedingungen zu identifizieren und weiterzuentwickeln. Für Leipzig wurden bestehende Planungsprozesse analysiert und gezielt um Instrumente zur wassersensiblen Stadtentwicklung ergänzt. Zentrale Produkte sind die Checkliste wassersensible Stadtentwicklung für die städtebauliche Planung, integrierte Planungshinweiskarten zu Verdunstung, Versickerung und Starkregen sowie ein umfassender Sachstandsbericht zur wassersensiblen Stadtentwicklung in Leipzig. Ergänzend wurde ein Informationsbereich im städtischen Intranet aufgebaut, um Wissen zu bündeln und verwaltungsintern verfügbar zu machen. Auf überregionaler Ebene wurden die Projektergebnisse aktiv in nationale und europäische Fachgremien eingebracht, u. a. in Diskussionen zur BauGB-Novelle und zur EU-Kommunalabwasserrichtlinie. Die Fachkonferenz „BlueGreen Governance“ diente als zentrale Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Analyse des rechtlichen Rahmens. Dabei wurden bestehende Handlungsspielräume im Wasser- und Baurecht aufgezeigt, aber auch Defizite identifiziert, die einer flächendeckenden Umsetzung dezentraler, wassersensibler Lösungen entgegenstehen. Aufbauend darauf wurden konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Rechtsrahmens formuliert.

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