Breite Einführung der FS100-Technologie auf Bundesfernstraßen
Date
Authors
Editor
Advisor
Volume
Issue
Journal
Series Titel
Book Title
Publisher
Supplementary Material
Other Versions
Link to publishers' Version
Abstract
Gesamtziel des Forschungsprojektes war es, die Gründe für die geringe FS100-Anwendung
zu ermitteln und Lösungsvorschläge zu unterbreiten, wie die Nutzung der FS100-Technologie
massiv verbessert werden kann. Gleichzeitig sollten offene Fragen zu den Prüfverfahren für
Sole-Sprühmaschinen in der bestehenden europäischen Norm geklärt werden.
In allen im Rahmen einer Literaturauswertung betrachteten europäischen Ländern und den
USA ist heute die Glättebekämpfung mit Salzlösungen (FS100) ein elementarer Bestandteil
der Winterdienststrategie. Die FS100-Technologie wird in den einzelnen Ländern
unterschiedlich eingesetzt: Es gibt Länder, die damit nur vorbeugend arbeiten und Länder, die
auch während Niederschlägen Streueinsätze fahren. Auch die kurative Soleausbringung wird
teilweise praktiziert.
Um den derzeitigen Stand der Anwendung der FS100-Technologie in Deutschland zu
ermitteln, wurde eine Online-Umfrage bei Autobahn- und Straßenmeistereien durchgeführt. In
allen Niederlassungen der Autobahn GmbH gibt es Autobahnmeistereien, die die FS100
Streuung praktizieren. Die Durchdringung der FS100-Technologie ist bei einzelnen
Niederlassungen, wie z.B. Nordost, Nordbayern, Südbayern und Westfalen, bereits sehr hoch.
Teilweise erreichte die FS100-Technologie im Winter 2020/21 mehr als 50 % der
Winterdiensteinsätze.
Aus den erhaltenen Antworten geht hervor, dass lediglich 27 % der an der Umfrage
teilnehmenden Straßenmeistereien die FS100-Technologie im Winter 2020/21 angewandt
haben. Besonders hohe Verbreitung hat die FS100-Technologie bei den bayerischen
Straßenmeistereien gefunden. Aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein wurde keine Anwendung der FS100-Technologie
berichtet. Mehr als 80 % der Meistereien verwenden für die Feuchtsalztechnologien FS30 und
FS100 NaCl-Sole. Im Winter 2020/21 verwendeten die Autobahnmeistereien im Durchschnitt
1.000 m3 Sole, davon 45 % für FS100. Die Straßenmeistereien verwendeten durchschnittlich
900 m3 Sole, davon aber lediglich 23 % für FS100.
90 % der Autobahnmeistereien verfügen über Winterdienstfahrzeuge, die FS100 ausbringen
können. Bei den Straßenmeistereien sind es lediglich 25 %. Die Sole wird bei der FS100
Streuung mit den Fahrzeugen der Autobahnmeistereien überwiegend mit Sprühdüsen
ausgebracht. Von den Fahrzeugen der Straßenmeistereien wird die Sole vor allem von
Streutellern, gefolgt von Sprühdüsen und einer Kombination aus Beidem ausgebracht.
Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens wurden 2 Sole-Sprühmaschinen einer Typprüfung
nach der Norm DIN EN 15597 unterzogen. Die Erkenntnisse dieser Streumaschinenprüfungen
wurden genutzt, um das derzeitige Verfahren zur Typprüfung von Streumaschinen zu
bewerten und Modifizierungen zu empfehlen. Insbesondere sollten in der Norm bei der
statischen Prüfung die Radwegestreuer berücksichtigt werden und bei der dynamischen
Prüfung auch die Streubreite 8 m aufgenommen werden.
In der Klimakammer der Bundesanstalt für Straßenwesen durchgeführte Versuche bestätigen,
dass keine kritische Absenkung der Griffigkeit durch das Auftragen hoher Sole-Sprühdichten
und anschließender Abtrocknung der aufgetragenen Sole zu befürchten ist. Auch bei den
Feldversuchen auf einer Autobahn mit der hohen Sole-Sprühdichte von 80 g/m2 konnte keine
Verminderung der Fahrbahngriffigkeit festgestellt werden.
Die im Januar 2024 auf der A61 bei Temperaturen bis – 10 °C durchgeführten Feldversuche
zeigten, dass durch an aufeinanderfolgenden Tagen wiederholte Solestreuungen eine
Zunahme der Restsalzmenge erfolgt. Dieser Imprägniereffekt kann z.B. genutzt werden, um
vor angekündigtem Eisregen Salzkapazitäten auf der Fahrbahn aufzubauen.
FS100 ist eine nachhaltige Technologie, insbesondere hinsichtlich Wirtschaftlichkeit,
Umweltschutz und Personaleinsatz. Für ein Szenario mit 50 präventiven Streueinsätzen
betragen die erzielbaren jährlichen Salzeinsparungen 65.000 t bei den Autobahnen und
74.000 t bei den Bundesstraßen. Neben der Verminderung der Salzbeschaffungskosten, des
Energieverbrauches und der CO2-Emissionen in der Prozesskette Winterdienst hat die
Salzeinsparung auch nicht quantifizierbare positive Effekte für die Umwelt. Die vorbeugenden
FS100-Streueinsätze müssen nicht wie bei FS30 unmittelbar vor einer drohenden
Glättebildung nachts durchgeführt werden, sondern können bereits am Vortag erfolgen.
Dadurch entfällt für die Winterdienstmitarbeiter die besonders belastende Nachtarbeit; die
Mitarbeiter stehen am Folgetag für andere Arbeiten, wie Gehölzpflege, zur Verfügung.
Für die breitere Anwendung der FS100-Technologie sind notwendig: -
Ausreichende Verfügbarkeit von Sole in der Meisterei, - - -
Ausstattung der Meisterei mit Streumaschinen die für die Soleausbringung geeignet
sind,
präzise Informationen über die Wetterlage und -entwicklung sowie zum
Straßenzustand,
und Vermittlung von Kenntnissen über die FS100-Technologie an alle involvierten
Mitarbeiter durch umfassende Schulung.
Dazu wurde ein Wissensdokument mit dem Titel „Hinweise für die FS100-Streuung –
Voraussetzungen, Anwendungsempfehlungen und Durchführung“ erstellt. Dies wurde durch
entsprechende Schulungsunterlagen (Handout, PowerPoint-Vortrag) ergänzt.
Description
Keywords
Keywords GND
Conference
Publication Type
Version
License
Es gilt das deutsche Urheberrecht. Das Werk bzw. der Inhalt darf zum eigenen Gebrauch kostenfrei heruntergeladen, konsumiert, gespeichert oder ausgedruckt, aber nicht im Internet bereitgestellt oder an Außenstehende weitergegeben werden.
