TransKOM - Integration einer ressourcenoptimierten Trennentwässerung durch Transformation kommunaler Planungsprozesse für Bestandsquartiere

Abschlussbericht Teil C : Verstetigungsphase des Forschungsprojekts TransMiT - Ressourcenoptimierte Transformation der Misch- und Trennkanalisation in Bestandsquartieren mit hohem Siedlungsdruck : (2. Förderphase 9'22-8'25) : BMBF Förderrichtlinie: Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft RES:Z

Abstract

Ressourceneffizienz ist für das Erreichen der Klima- und Nachhaltigkeitsziele von zentraler Bedeutung und spielt eine wesentliche Rolle beim Umbau bestehender und der Entwicklung neuer Stadtquartiere. Stadt- und Fachplaner*innen stehen hier in einer gemeinsamen Verantwortung.

TransKOM verankert klimaangepasstes, ressourceneffizientes Wassermanagement im urbanen Bestandsquartier durch die zwei komplementären Bausteine

qualitätsbasierte Trennentwässerung (qbTE) als neue Entwässerungsstrategie und institutionalisierte, integrale und ressortübergreifende Planung mit dem strategischen Quartiersprozess „Quartiersstrategie2050+“.

Beide Ansätze wurden in Hannover und Hildesheim praxisnah erprobt.

Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass eine abgestimmte Quartiers- und Entwässerungsplanung große Potentiale birgt, die Transformationsaufgabe der Anpassung der städtischen Infrastruktur an aktuelle Herausforderungen wie Hitzereduzierung und Wasserbereitstellung effizient umzusetzen.

Strategiekomponente 1: Qualitätsbasierte Trennentwässerung (qbTE) Vor dem Hintergrund einer zum Teil signifikanten Verschmutzung des urbanen Niederschlagswassers und den daraus resultierenden Emissionen in die Umwelt ist die allein herkunftsbasierte Unterscheidung nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr sollten der Ableitungs- und Behandlungsweg qualitätsbasiert festgelegt werden. Mit diesem Paradigmenwechsel als Ausgangspunkt wurde im TransMiT-Projekt das Konzept der qualitätsbasierten Trennentwässerung (qbTE) entwickelt sowie Transformationspfade zur Erreichung einer qualitätsbasierten Entwässerung in Bestandsquartieren aufgezeigt. Kernelemente der qbTE sind i) das quartiersspezifische Wassererntepotential als strategische Größe, ii) die (smarte) prognosebasierte Abflusssteuerung und -speicherung sowie iii) die quartiersspezifische Bewirtschaftung des niederschlagsbürtigen Wasserdargebots mit nutzerorientierter Aufbereitung. Während das neue Entwässerungskonzept in der ersten Projektphase entwickelt und auf seine Umsetzbarkeit geprüft wurde (siehe Abschlussbericht A und B) wurden in der zweiten Projektphase Einzelkomponenten der Implementierung erarbeitet und beispielhaft erprobt, die nun mit Vorlegen des Abschlussberichtes auch anderen Kommunen zur Anwendung zur Verfügung stehen. Zur Unterstützung der für die Planung und Umsetzung der qbTE wurden Werkzeuge und Prozesse für folgende wichtige Größen im Projekt erarbeitet:

  • das Wassererntepotential (Water Harvesting Potential - WHP), das die Menge an möglichem Stadt(t)wasser gebietsspezifisch durch Oberflächen- und Nutzeranalyse gekoppelt mit Abflussanalysen beschreibt. Der Wert dient als belastbarer Kennwert zur Dimensionierung von dezentraler Nutzung, Retention und Bewässerung im Quartier und bildet eine wichtige Planungsgrundlage.
  • saisonale Bedarfsprofile für Stadt(t)wasser. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Daten ableitbar und eignen sich als Grundlage für quartiersspezifische Betriebs- und Bewirtschaftungsstrategien. Wasserangebot, Wasserqualität, Speicherpotenzial und Nutzungsanforderungen werden so auf Quartiersebene unter Berücksichtigung der Quartierziele mit ihren gewünschten Wirkungen zusammengeführt.
  • Niederschlagsvorhersagen bzw. Wettereigniskaskaden sind als dynamische Führungsgröße und zur Auslegung sowie Qualitätsprognose wichtige Eingangsdaten einer qbTE. Systemkomponenten wir smarte Abwasserweichen können hierüber ereignisdifferenziert geregelt werden und weitere Abflussanteile einer Nutzung im Quartier zuführen.

Die Arbeitsergebnisse zur Verstetigung der Umsetzung und Erprobung der qbTE (AP 1.1 bis 1.5) werden in den zwei Berichtsabschnitten C1 „Trennung des Oberflächenabflusses nach Qualitäten“ und C2 „Stadt(t)wasserbereitstellung und -management im Quartier“ veröffentlicht. Die Abschnittseinteilung orientiert sich an den beiden Kernkomponenten einer qbTE.

Strategiekomponente 2 - Integrale Stadtquartier-Planung Für die Umsetzung und volle Potentialentwicklung eines klimaangepassten, bedarfsgerechten Wassermanagement muss die oberirdische Quartiersgestaltung sektorübergreifend mit einbezogen werden, z.B. durch Abstimmung geeigneter (Bau-)Materialauswahl oder festgelegter Flächennutzung, um eine gute Niederschlagsqualität zu gewährleisten, aber auch neu generierte Wasserbedarfe mit den lokalen Verfügbarkeiten abzustimmen. In TransKOM wurde daher in Weiterführung des in TransMiT bereits angelegten Strategieprozesses ein besonderer Schwerpunkt auf die Institutionalisierung integraler Planungsprozesse als Voraussetzung für jedwede Transformation urbaner Bestandsgebiete gelegt. Der erarbeitet und durch die Stadt Hannover erprobter innovativer Governanceansatz der integralen, strategische Quartiersstrategie 2050+ konkretisiert den Prozess durch klare Prozessablaufschritte, Aktivierung nachvollziehbarer Methoden der Bewertung und partizipativer Komponenten in der Planung und Kommunikation. Mit dem neu initiierten Verwaltungsprozess Stadt-Quartier 2050+ wurden vier Kernaspekte der integralen Quartiersplanung herausgegriffen und in der Praxis erprobt. Übergeordnetes technisch-wissenschaftliches Projektziel war es, den kommunalen Fachplanungen aufzuzeigen, wie man im innerstädtischen Planungshandeln die Herausforderung der vielen zum Teil widersprechenden Entwicklungsziele und hohen Unsicherheit zukünftiger Entwicklungen kooperativ bewältigen kann. Der innerstädtische Prozessablaufplan konkretisiert die einzelnen Schritte von der Erstellung und Abstimmung eines zur Beschlussvorlage vorbereiteten Quartiersentwicklungsplans 2050+, schafft damit Klarheit im Rollenverständnis und unterstützt so die Planung und Organisation des Ablaufs. Die Einführung eines Kompetenzteam Integrale Planung wurde als brückenbildende neue Institution und Moderatorin der Quartiersleitbildentwicklung als zielführend und gewinnbringend bewertet. Sie stärkt den fachlichen Austausch nachhaltig, schafft Verständnis füreinander und eine Vertrauensbasis im gemeinsamen Planen und damit eine Arbeitsplattform, in der Nutzungskonflikte konstruktiv und lösungsorientiert unter Berücksichtigung der verschiedenen Perspektiven im Sinne einer guten und effizienten Quartiersplanung gelöst werden können. Für die tatsächliche Umsetzung integraler Lösungen in Bestandsquartieren zeigte sich, dass die Entwicklung bzw. das Vorhandensein einer gemeinsamen abgestimmten Zielvision Voraussetzung für einen effizienten Transformationsprozess urbaner Bestands-Quartiere ist. Im Projekt wird die Zielvision „Quartiersentwicklungsplan 2050+“ genannt, an der einzelne Maßnahmen auf ihren Beitrag zur Erreichung dieser Projektion geprüft und bewertet werden und später ausgerichtet werden können. Hohe Wichtigkeit kommt dem vorgeschalteten Prozess der Abstimmung und Festlegung der, für die anstehende Alternativenbewertung zugrunde zu legenden, Zustands-/ Wirkungsindikatoren zu. Diese bilden die Grundlage für eine Quantifizierung von Maßnahmenwirkungen und unterstützen durch transparente Gegenüberstellung der Wirkungen für alle Bereiche im Vorfeld i) Zielkonflikte zu identifizieren und ii) im Rahmen einer auf Fachplanungseben durchgeführte Szenarienanalyse eine faktenbasierte Abwägung der Alternativen durchzuführen. Mit der weiterentwickelten Indikatorik, dem Konzept der BGI-Modellmodule und dem Agentenmodell wurden in TransKOM drei konkrete, die Bewertung alternativer Quartiers-Entwicklungsstrategien unterstützende Tools an der Schnittstelle Hitze/Wasser erarbeitet. Die exemplarischen Modellierungen und Wirkanalysen fanden für diese Strategiekomponente in zwei Stadtteilen Hannovers statt. Die Arbeitsergebnisse der Arbeitspakete der Strategiekomponente 2 werden in den beiden Berichtsabschnitten C3 „Institutionalisierung und Planung - Strukturen innerstädtischer Prozessabläufe schaffen“ und C4 „Wirkungen von Maßnahmen - Schnittstelle urbanes Wassermanagement und Hitzereduzierung“ der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

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1.9.2022 bis 31.08.2025

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