Humanisierung der Logistik in der digitalen Transformation (HuLog)
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Abstract
Lagerhäuser sind zentrale Knotenpunkte deutscher und europäischer Lieferketten. Trotz ihrer wachsenden ökonomischen Bedeutung - nicht zuletzt beschleunigt durch den Boom des E-Commerce, die Erfahrungen der Covid-19-Pandemie und den gestiegenen Bedarf an resilienten Lieferketten - bleiben die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen in der Lagerlogistik im öffentlichen Diskurs weitgehend unsichtbar. Lagerhallen fungieren häufig als sogenannte Black Boxes: Entlohnungsstrukturen, Beschäftigungsformen, betriebliche Mitbestimmung und die Auswirkungen technologischen Wandels auf die Beschäftigten sind für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Das Vorhaben HuLog (Humans in Digital Logistics) setzte an dieser strukturellen Intransparenz an. Ziel war es, Arbeitsbedingungen in der deutschen Lagerlogistik im Kontext digitaler Transformation systematisch und empirisch zu analysieren. Im Mittelpunkt standen die Wechselwirkungen zwischen Kostendruck in Wertschöpfungsketten, fragmentierten Beschäftigungsstrukturen, sozialpartnerschaftlichen Institutionen sowie Digitalisierungs- und Automatisierungsprozessen. Das Vorhaben ist Teil eines europäischen Forschungskonsortiums, das parallele Untersuchungen in Belgien, Polen und Großbritannien umfasst, und war in das ERA-NET CHANSE-Programm eingebettet. Die wissenschaftliche Literatur zur Lagerlogistik wies zum Zeitpunkt der Antragstellung charakteristische Lücken auf. Qualitative Studien zur Arbeitserfahrung von Lagerbeschäftigten existierten zwar, ordneten individuelle Befunde aber häufig nur unzureichend in institutionelle und ökonomische Zusammenhänge ein. Länderspezifische Analysen blieben auf nationale Besonderheiten beschränkt; systematische Vergleiche innerhalb Deutschlands oder über Ländergrenzen hinweg fehlten. Technologiefokussierte Literatur beschrieb den Einsatz digitaler Systeme, vernachlässigte aber deren Wechselwirkungen mit Beschäftigungsstrukturen und industriellen Beziehungen. In der politikwissenschaftlichen Forschung zur Dualisierung von Arbeitsmärkten - ausgehend von Ruedas einflussreicher Arbeit zur Interessenpolitik von Insidern und Outsidern (Rueda 2007) und weiterentwickelt unter anderem durch Emmenegger et al. (2012) sowie Palier und Thelen (2010) - findet Lagerlogistik als Sektor kaum Erwähnung, obwohl er ein Paradebeispiel für die institutionellen Mechanismen fragmentierter Außenseiterbeschäftigung darstellt. HuLog schließt diese Lücken durch einen integrativen Forschungsansatz.
