Professionelles Lehrerhandeln zur Förderung fachlichen Lernens unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen (ProfaLe2)

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Date
2024
Authors
Alwast, Alina
Arnold, Eva
Böhm-Fischer, Annina
Bormuth, Heike
Bührig, Kristin
Doll, Jörg
Feser, Markus
Gaul, Marlena Hanna
Heins, Jochen
Hennig, Timo
Volume
Issue
Journal
Series Titel
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Publisher
Hannover : Technische Informationsbibliothek
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Abstract
  1. Derzeitiger Stand von Wissenschaft und Technik: Das Projekt orientierte sich an aktuellen Ansätzen und Befunden der nationalen und internationalen Forschung zur Lehrkräfteprofession. Anknüpfend an aktuelle Studien wurden sowohl kognitive als auch affektiv-motivationale Kompetenzen als zentrale Facetten der Lehrkompetenz analysiert, wobei in beiden Projektphasen auf das Konzept der professionellen Unterrichtswahrnehmung (Teacher Noticing) als Bindeglied zwischen Dispositionen und Performanz (Blömeke & Kaiser, 2017) fokussiert wurde. Professionelle Unterrichtswahrnehmung wird dabei über die verschiedenen Ansätze hinweg als aus verschiedenen Facetten bestehend beschrieben, die im Wesentlichen die Wahrnehmung zentraler unterrichtlicher Ereignisse durch die unterrichtende Lehrkraft, die Interpretation dieser Ereignisse unter Bezug auf didaktisches Wissen und die Entwicklung möglicher Handlungsoptionen umfassen (exemplarisch Blömeke et al., 2015). Die Entwicklung von Lehrangeboten in den vier Handlungsfeldern des Projekts und die Evaluation ihrer Wirksamkeit orientierte sich an diesen Konzepten sowie an aktuellen Ergebnissen einschlägiger Studien.
  2. Begründung/Zielsetzung der Untersuchung: Das Vorhaben ProfaLe2 veränderte die Hamburger Lehrkräftebildung mit dem Ziel der Förderung von vernetztem Wissen bei den zukünftigen Lehrkräften durch die nachhaltige Weiterentwicklung von fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen, pädagogischen und schulpraktischen Studienanteilen. Vernetztes Wissen soll zukünftige Lehrkräfte in die Lage versetzen, ihre fachlichen Unterrichtsangebote kontinuierlich den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen. Zu diesem Zweck wurden innovative Lehrangebote (weiter-)entwickelt, wissenschaftlich begleitet, evaluiert und im Zuge der Reform der Lehrkräftebildung in Hamburg in den neuen Lehramtsstudiengängen verankert.
  3. Methode: In den vier Handlungsfeldern „Kooperation zwischen Fächern und Fachdidaktiken“, „Sprachlich-kulturelle Heterogenität“, „Inklusion“ und „Phasenübergreifende Kooperation“ wurden Konzeptionen für innovative Lehrveranstaltungen aus der ersten Phase des Projekts ProfaLe weiterentwickelt, insbesondere unter Einbezug weiterer Fächer, und implementiert. In der Begleitforschung des Projekts wurde die Entwicklung der Kompetenzen der Studierenden im neu implementierten Lehramt für Grundschule längsschnittlich evaluiert. Dabei wurden Veranstaltungen aus den Pflichtfächern Deutsch und Mathematik sowie in einer separaten Studie zum Sachunterricht als meist gewähltes drittes Fach fokussiert. Eingesetzt wurden etablierte internetbasierte Instrumente zur Wissensentwicklung der Studierenden im Bereich Fach und Fachdidaktik sowie hinsichtlich fächerübergreifender Aspekte. Insbesondere sollte in der Evaluation dieses Studiengangs und anderer evaluierter Lehrveranstaltungen überprüft werden, ob sich die ProfaLe-Lehrveranstaltungen als geeignet für die Förderung des professionellen Lehrkräftehandelns erwiesen haben.
  4. Ergebnis: Die in der zweiten Phase des Projekts ProfaLe erzielten Ergebnisse haben die Lehrkräftebildung an der Universität Hamburg nachhaltig verändert. So haben die im Handlungsfeld 1 entwickelten Konzepte zu Kooperationen zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik die fachspezifischen Bestimmungen für die Lehramtsstudiengänge stark beeinflusst, nachdem sich im Rahmen der Reform der Lehrkräftebildung in Hamburg alle Fächer und Fachdidaktiken zu einer Kooperation verpflichtet haben. Weitere Ergebnisse von ProfaLe 2 sind in die fachspezifischen Bestimmungen der erziehungswissenschaftlichen Teilstudiengänge eingeflossen. In die Modulbeschreibungen der Kernpraktika wurden die beiden im Handlungsfeld „Sprachlich-kulturelle Heterogenität“ entwickelten Seminare zu diesem Thema aufgenommen. Sie sind damit ab Wintersemester 2023/24 verpflichtend und werden zukünftig im Austausch mit den Lehrenden der fachdidaktischen Begleitseminare fortlaufend inhaltlich aktualisiert und thematisch weiterentwickelt. Ergebnisse aus dem Handlungsfeld „Inklusion“ wurden in schul- und sonderpädagogische Module integriert und bilden einen neuen Schwerpunkt im Modul „Prioritäre Themen der Lehrkräftebildung“. Sie sind zudem auch in der Fort- und Weiterbildung sowie an anderen Hochschulen nutzbar. Im Handlungsfeld „Phasenübergreifende Kooperation“ wurden zudem Kooperationen mit Schulen bzw. Mentoren und Mentorinnen etabliert. Erklärvideos sollen außerdem den weiteren Ausbau von Kooperationen fördern und verstetigen und langfristig deren Potential für die Beteiligten aus Universität und Praxis verdeutlichen.
  5. Schlussfolgerung/Anwendungsmöglichkeiten: Die im Projekt implementierten Maßnahmen und die dadurch angestoßenen Veränderungen der universitären Lehrkräfteausbildung, insbesondere in den Bereichen der Kooperation von Fach und Fachdidaktik zur Förderung eines vernetzten Wissens, der Sensibilisierung für die Bedeutung sprachlicher Aspekte auch im Fachunterricht, Sensibilisierung für die Notwendigkeit eines inklusiven Unterrichts und die Bedeutung von Lernbarrieren sowie die Integration von Praxis und Theoriewissen haben einen bedeutenden Beitrag zur Veränderung der Lehrkräfteausbildung geleistet. Konkret haben sie zur Entwicklung von Fähigkeiten zu einem professionellen Lehrkräftehandeln unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen beigetragen, zunächst an der Universität Hamburg. Aufgrund der großen Breitenwirkung der im Projekt erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse und der darauf basierenden Publikationen ist zu erwarten, dass auch an anderen Universitäten - unter Berücksichtigung der jeweiligen institutionellen Situationen – einschlägige Veränderungsprozesse angestoßen wurden bzw. demnächst angestoßen werden. Weiterhin ist erwartbar, dass die angestoßenen strukturellen Veränderungen sowohl an der Universität Hamburg als auch an anderen Universitäten weiterentwickelt werden.

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  1. The current state of science and technology: The project was based on current approaches and findings of national and international research on teaching professionalism. Building on current studies, both cognitive and affective-motivational competencies were analyzed as central facets of teaching competence while focusing in both project phases on the concept of professional teacher noticing, which is understood as a link between dispositions and performance (Blömeke & Kaiser, 2017). Professional teacher noticing is described across the various approaches as consisting of different facets that essentially focus on the perception of central teaching events by the teacher, the interpretation of these events in relation to didactical knowledge and the development of possible options for action (e.g. Blömeke et al., 2015). The development of opportunities to learn in the four key areas of the project and the evaluation of their effectiveness were based on these concepts as well as on current results of relevant studies.
  2. Justification/objective of the study: The ProfaLe2 project changed teacher education in Hamburg with the aim of promoting interconnected knowledge among future teachers through sustainable further development of the subject-specific, subject specific didactic, pedagogical and practical components of teacher education. Interconnected knowledge should enable future teachers to continuously adapt their subject-specific teaching to changing social conditions. To this end, innovative courses were (further) developed, scientifically monitored, evaluated and embedded in the new teacher education courses as part of the reform of teacher education in Hamburg.
  3. method: In the four key areas "Cooperation between subjects and subject-specific didactics", "Linguistic-cultural heterogeneity", "Inclusion" and " cross-phase cooperation", concepts for innovative courses from the first phase of the ProfaLe project were further developed, in particular with the involvement of other subject areas, and implemented. In the accompanying empirical evaluation of the project, the development of students' competencies in the newly implemented teaching program for elementary school was evaluated longitudinally. The focus was put on courses from the compulsory subjects of German and mathematics, as well as on a separate study on elementary social and natural science studies as the third most frequently chosen subject. Established internet-based instruments were used to develop students' knowledge in the subject area and subject-specific didactics as well as interdisciplinary aspects. In particular, the evaluation of this course and other evaluated courses was intended to examine whether the ProfaLe courses have proven to be suitable for the promotion of professional teaching practice.
  4. result: The results achieved in the second phase of the ProfaLe project had a lasting impact on teacher education at the University of Hamburg. For example, the strategies for cooperation between subjects and subject-specific didactics developed in key area 1 have strongly influenced the subject-specific regulations for teacher education courses, after all subjects and subject-specific didactics committed themselves to cooperation as part of the teacher education reform in Hamburg. Further results of ProfaLe 2 have been incorporated into the subject-specific regulations of the pedagogical studies. The two seminars on this topic developed in the "Linguistic-cultural heterogeneity" key area, have been included in the module descriptions of the core internship courses. They are therefore mandatory since the winter semester 2023/24 and will be continuously updated in terms of content and further developed thematically in the future in collaboration with the lecturers of the accompanying didactic seminars. Results from the "Inclusion" key area have been integrated into school and special education modules and form a new focus in the "Priority topics in teacher education" module. They can also be used in teacher education and training and at other universities. A cooperation with schools and mentors has been established in the " cross-phase cooperation" key area. Explanatory videos are also intended to promote and consolidate the further expansion of collaborations and to illustrate their long-term potential for university and practice. 5 conclusion/possible applications: The activities implemented in the project and the resulting changes in university teacher education, particularly in the areas of cooperation between subjects and subject-specific didactics to promote interconnected knowledge, raising awareness of the importance of language aspects in subject-specific teaching, raising awareness regarding the need for inclusive teaching and the importance of barriers to learning, as well as the integration of practical and theoretical knowledge, have made a significant contribution to changing teacher education. Specifically, they have contributed to the development of competencies for professional teachers’ actions under changing social conditions, initially at the University of Hamburg. Due to the broad impact of the scientific results achieved in the project and the publications based on them, it is to be expected that relevant change processes have also been or will soon be initiated at other universities – by taking into account the respective institutional situations. It is also to be expected that the initiated structural changes will be further developed at the University of Hamburg and at other universities as well.
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